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Basketball-Star Wanamaker : „Der beste Basketballer, der je in Deutschland spielte“

„In Philly aufzuwachsen, hmm. Das ist eine harte Stadt. Wir hatten eine komplizierte Nachbarschaft. Meine Eltern haben große Opfer gebracht, um sicherzustellen, dass es mir und meinen vier Geschwistern immer gutging. Sie haben das Tag für Tag gemacht. Mein großer Bruder, er ist acht Jahre älter als ich, hat immer auf mich und meinen Zwillingsbruder und unsere beiden zwei und drei Jahre jüngeren Schwestern aufgepasst, sie von der Schule abgeholt und nach Hause gebracht. Unsere Nachbarschaft war nicht gerade die beste Umgebung. Es gab viel Gewalt, Drogen und diese Art von Dingen, die eine Stadt auch gefährlich machen können. Meine Eltern hatten kein Geld, um von dort wegzuziehen. Wir mussten dort bleiben. Aber wir haben es geschafft. Und wenn ich zurückblicke, bin ich sehr dankbar für das, was sie aus der Situation gemacht haben. Basketball bringt alles zusammen.“

Dass Basketball der Weg war, den er gehen wollte, vielleicht gehen musste, hat Wanamaker früh erkannt.

„Basketball war definitiv mein Entkommen. Er hat mich und meinen Bruder immer in Bewegung gehalten. Genau wie meine Eltern, die uns dauernd zum Training und zu den Spielen gefahren haben. Das hat uns aus der Szene herausgehalten. Ein paar meiner Freunde hat es auf der Straße erwischt. Einen meiner besten Freunde habe ich auf diese Art vor ein paar Jahren verloren. Wir sind dem Ganzen tatsächlich entkommen. Wir haben unsere Universitätsausbildung kostenlos bekommen. Das war ein großes Glück für die ganze Familie. Manchmal, wenn ich nach Hause komme, erzähle ich den Kids in der Nachbarschaft von mir und meiner Jugend. Einige gehen jetzt deshalb auf das College. Ich telefoniere sehr oft mit meinen Geschwistern und meinen Eltern. Fast jeden Tag eigentlich. Manchmal bekomme ich davon auch Heimweh. Auch das ist immer ein Teil des Alltags.“

Nicht zu greifen: Bradley Wanamaker bestimmt das Bamberger Spiel.

An die Provinz, an die verrückten Fans in „Freak City“, wie die Bamberger Basketballfreunde ihre Stadt nennen, hat sich Wanamaker nicht nur gewöhnt. Er weiß sie zu schätzen.

„Bevor ich hierherkam, habe ich auch in recht kleinen Städten in Italien und Frankreich gespielt. Von daher bin ich das auch schon gewöhnt. Das Leben hier ist sehr, sehr angenehm. In der Stadt werde ich schon erkannt, aber alle sind sehr respektvoll zu mir. Wenn ich hier mit meiner Familie unterwegs bin, werden wir oft angesprochen. Manchmal muss ich auch Autogramme schreiben, aber es ist wirklich nicht zu viel.“

Auch an das Gefühl, in Übersee einer sehr amerikanischen Arbeit nachzugehen, hat sich Wanamaker gewöhnt. In seiner Heimat findet das der eine oder andere aber doch befremdlich.

Basketball in Deutschland? Verrückt!

„Alle fragen natürlich, wie es so ist in Deutschland. Aber in Amerika wird der europäische Basketball immer populärer. In meiner Umgebung, also in meiner Familie und bei meinen Freunden, kennen sie sich ziemlich gut aus mit dem deutschen Basketball. Es spielen ja auch ziemlich viele Amerikaner in Deutschland. Aber erst kürzlich traf ich zufällig in Bamberg einen Freund, den ich noch aus meiner Zeit in Philadelphia kenne. „Hey, Mann, was machst du denn hier“, hat er gefragt und mir erklärt, es sei doch verrückt, wenn Amerikaner nach Deutschland gingen, um dort Basketball zu spielen. Ich hab ihm erzählt, dass es sehr viele sind, die hier spielen, und dass es gar nicht so ungewöhnlich ist, hier zu spielen. Viele Amerikaner haben Angst, ins Ausland zu gehen.“

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