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Boxerin Rola El-Halabi : Vier Schüsse als einmalige Chance

  • -Aktualisiert am

Boxunternehmerin in eigener Sache: Rola El-Halabi trägt das Risiko des Comebacks Bild: Schwerdtfeger

Vor knapp zwei Jahren ist Rola El-Halabi niedergeschossen worden - nun steigt sie am Samstagabend wieder in den Boxring. Das Verbrechen hat ihr die langersehnte Aufmerksamkeit gebracht.

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          Dann hat er sein Magazin in aller Ruhe nachgeladen und mir ins Knie geschossen.“ Rola El-Halabi redet mit ruhiger Stimme, wenn sie schildert, was am 1. April 2011 nur wenige Stunden vor ihrer geplanten zweiten Titelverteidigung in einer Umkleidekabine in Berlin-Karlshorst geschah. Sie erzählt, wie sie von vier Pistolenkugeln getroffen verletzt niedersank; wie sie sich Sekundenbruchteile später durch den Sturz auf den Boden das Kreuzband riss; wie sie das Bewusstsein verlor. Dabei wirkt sie emotional gefestigt, obwohl sich damals das Leben der Profiboxerin binnen Sekunden auf den Kopf stellte.

          Ihr Stiefvater und ehemaliger Manager Hicham El-Halabi war in ihre Kabine gestürmt und hatte sie niedergeschossen, mutmaßlich, weil sie die Zusammenarbeit mit ihm beendet hatte und eine Beziehung mit einem damals verheirateten Mann eingegangen war. Der Schütze wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Die Tat aber hat die bis dato über ihre Heimatstadt Ulm hinaus unbekannte Boxerin in neue mediale Sphären gehievt. Eine Geschichte voller Dramatik. Eine Geschichte, wie sie sich kaum besser vermarkten ließe - und das weiß sie. Das Interesse der Öffentlichkeit ist riesig. Davon möchte El-Halabi nun profitieren.

          Als sie Anfang November ihr Comeback für den 12. Januar 2013 gegen die Italienerin Lucia Morelli ankündigte, platzte ihr kleines Café in der Ulmer Innenstadt „aus allen Nähten“. Knapp dreißig Interviewanfragen hatte sie vorliegen, erzählt die Siebenundzwanzigjährige. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Dabei ist sie zweifache Weltmeisterin des Weltverbandes Wiba im Leichtgewicht. Und keine - sie ist fest davon überzeugt - kann sie in dieser Klasse bezwingen. Früher interessierte das trotzdem nur wenige. Achthundert Zuschauer kamen, als sie ihren ersten Titel im Juni 2009 gegen die Spanierin Loly Munoz erkämpfte, und die Stühle in der Halle beklebte sie vor dem Kampf noch selbst mit Sitznummern. Lange hatte sie vergeblich gehofft, mit ihrer Sportart Massen zu bewegen, große Hallen zu füllen, gutes Geld zu verdienen. „Das war, was ich immer erreichen wollte“, sagt sie. Und nun stillt ausgerechnet jenes an ihr begangene Verbrechen diese Sehnsucht.

          Viel beachteter Prozess: El-Halabi (rechts) und ihr Anwalt im September 2011 im Berliner Landgericht

          Dass ihre Geschichte einen zu perfekten Stoff liefert, um daraus nicht Kapital zu schlagen, habe sie früh erkannt. „Ich wäre doof, würde ich diese Chance nicht nutzen.“ El-Halabi boxt nicht nur, sie ist selbständige Unternehmerin in einer mitunter schmutzigen Branche. Ihre Kämpfe seien sauber, sagt sie. „Ich verkaufe mich doch nicht an einen Promoter.“ Und der kommende Kampf sei nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Gegnerin „die einmalige Chance“. Es stehe viel auf dem Spiel - vor allem finanziell. Bis zu 7.000 Zuschauer sollen die Ulmer ratiopharmArena an jenem Abend füllen. Für die Miete der Großsporthalle musste sie in Vorkasse treten. Andere Kosten trägt sie selbst: zum Beispiel für die Plakate. Die Organisation eines Caterers, die Akquise von Sponsoren - alles leistete sie in Eigenregie und trägt damit die Risiken von rund 350.000 Euro. Es soll ihr Durchbruch als boxende Geschäftsfrau werden.

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