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Boxer Robert Stieglitz : Der unbekannte Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Verhaltene Siegerpose: Robert Stieglitz Bild: dpa

Weil Sauerland-Event einen Weltmeister sucht, den sein Boxer Arthur Abraham herausfordern kann, kommt der unbekannte Champion Robert Stieglitz doch noch groß ins Fernsehen.

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          Als es vor einem Jahr galt, den einzigen Auftritt des WBO-Weltmeisters im Supermittelgewicht beim Privatsender Sat.1 reißerisch zu vermarkten, verfielen die Fernsehstrategen auf den absurden Slogan: „Robert Stieglitz - Der letzte Kämpfer“. Als wären alle anderen Berufsboxer hierzulande Balletttänzer. Passender wäre der Titel gewesen: „Robert Stieglitz - Der unbekannte Weltmeister“. Denn der 29 Jahre alte Wolgadeutsche ist zwar Champion des nicht unbedeutenden Verbandes WBO, aber er gehört dem vergleichsweise kleinen Magdeburger Stall von SES Boxing (Sport Events Steinforth) an, der nicht die Vorteile eines lukrativen Fernsehvertrages genießt. Die Boxer von Ulf Steinforth kämpfen meist im Schatten der TV-Kameras, die lukrative Börsen und einen großen Bekanntheitsgrad verschaffen.

          Seit Anfang des Jahres hat sich die Situation für Stieglitz verbessert. Denn der Konkurrenz-Boxstall Sauerland-Event, im Besitz eines Kontraktes mit der ARD, hat sich seiner angenommen - aus Eigennutz. Sauerland sucht nämlich einen Weltmeister, den sein Boxer Arthur Abraham herausfordern kann. In den Vereinigten Staaten ist Abraham out, nach seinem kläglichen Scheitern im Turnier „Super Six World Boxing Classics“ der vermeintlich besten Supermittelgewichtler. Bleibt also nur noch Stieglitz, der für das Super-Six-Turnier gar nicht berücksichtigt war. Und so begann ein Strategieprogramm, das nur ein Ziel hat: einen WM-Kampf Stieglitz gegen Abraham.

          Face to Face: Robert Stieglitz (r.) und Nadar Hamdan Bilderstrecke
          Face to Face: Robert Stieglitz (r.) und Nadar Hamdan :

          Schritt eins: die Popularität von Stieglitz durch Fernsehauftritte steigern. So wie an diesem Samstag beim „Boxen im Ersten“ (22.55 Uhr in der ARD), wo der SES-Boxer im Sauerland-Programm seinen Titel gegen den 38 Jahren alten Australier Nade Hamden verteidigt. Schritt zwei war viel schwieriger umzusetzen. Nämlich die Gegner aus dem Weg zu räumen, die einem Kampf Stieglitz gegen Abraham entgegen stehen könnten. Da ist vor allem der starke Däne Mikkel Kessler zu nennen.

          Die Pflichtverteidigung Stieglitz’ gegen den Dänen am 5. November 2011 in Kopenhagen fiel wegen einer Handverletzung des ehemaligen Weltmeisters aus und wurde für den 14. April in der dänischen Hauptstadt neu angesetzt. Dazu muss man wissen: Der Däne gehört zum Sauerland-Stall. Bei Abrahams Comeback am 14. Januar in Offenburg wurde Stieglitz wie zur Entschädigung ins Programm genommen und verteidigte seinen Titel - freiwillig - gegen den deutschen „Nobody“ Henry Weber.

          Stieglitz gilt nicht als absoluter Klassemann

          Noch aber störte der zweite Termin für Kessler gegen Stieglitz am 14. April. Doch am 12. März sagt Kessler wieder ab. Die Handverletzung sei noch nicht richtig auskuriert. Die WBO bestimmt nun den Briten George Groves zum neuen offiziellen Herausforderer. Steinforth ersteigert den Pflichtkampf und wird mit diesem WM-Kampf Teil des Sauerland-Programms „Boxen im Ersten“ in Erfurt. Doch auch Groves sagt ab. „Diese Absage war nicht geplant“, sagt Christian Meyer, Geschäftsführer von Sauerland-Event, süffisant.

          Aber auch sie ist für den Plan von Vorteil. Denn die WBO macht ganz im Sinne von Sauerland und Steinforth Nägel mit Köpfen. Stieglitz wird für Erfurt kein neuer Pflicht-Herausforderer vor die Nase gesetzt, sondern er darf in Erfurt seinen Titel freiwillig aufs Spiel setzen, sprich sich den Gegner aussuchen. Steinfurths Wahl fiel auf Hamden, den Asian Pacific Champion mit neun Niederlagen in 43 Kämpfen. Die Auflage der WBO: Der Sieger muss danach zur Pflichtverteidigung gegen den neuen offiziellen Herausforderer antreten - gegen Arthur Abraham. Es ist also vollbracht - bis auf Stieglitz’ Sieg gegen Hamden, der allerdings als chancenlos gilt.

          „Robert ist immer gut für geile Kämpfe“

          Auch Stieglitz gilt nicht als absoluter Klassemann, deshalb fiel die Wahl des Sauerland-Stalles ja auch auf ihn. Nach der Trennung der Eltern folgte der Wolgadeutsche im Alter von 20 Jahren dem Ruf eines Onkels aus Magdeburg, um für den deutschen Mannschaftsmeister 1. BC Magdeburg zu boxen. Dessen Vorsitzender hieß Ulf Steinforth. Der konditionsstarke Profi gefällt durch seinen spektakulären Kampfstil mit hohem Tempo und vielen Schlägen, besitzt aber nicht gerade das stabilste Kinn. „Robert ist immer gut für geile Kämpfe“, schwärmt Steinforth.

          Den ersten WM-Kampf (IBF) verlor Stieglitz 2007 in Rostock gegen den Kolumbianer Alejandro Berrio durch K.o. in der dritten Runde. WBO-Weltmeister wurde er am 22. August 2009 in Budapest. Der völlig erschöpfte ungarische Titelverteidiger Karoly Balzsay trat zur 12. Runde nicht mehr an. Nach Max Schmeling, Ralf Rocchigiani und Markus Beyer ist Robert Stieglitz erst der vierte Deutsche, der im Ausland Weltmeister wurde. Zwischen seinen mittlerweile 41 Profikämpfen (zwei Niederlagen) erwarb der Familienvater aus Magdeburg per dreijährigem Fernstudium auf Russisch sein Diplom als Sportlehrer an der Universität seiner Heimatstadt Jeisk (Südrussland).

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