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Pacquiao will Präsident werden : Die Faust der Philippinen

Hat schon einen neuen Job im Sinn: der ehemalige Boxer Manny Pacquiao Bild: AFP

Der Boxer Manny Pacquiao will in den philippinischen Präsidentenpalast einziehen. Im Kampf um das höchste Amt hat der in Armut aufgewachsene spätere Volksheld keine schlechten Aussichten.

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          Seine Boxhandschuhe könnte er auch in Zukunft noch gebrauchen – denn einfach wird sein Kampf um den Einzug in den philippinischen Präsidentenpalast nicht werden. Offiziell hat Manny Pacquiao sie nach 26 Jahren nun an den Nagel gehängt. Seine Karriere will das Idol des Inselstaates anders fortsetzen: Im nächsten Jahr will der 42-Jährige der 17. Präsident der Philippinen werden.

          Von seinen Fans nahm Pacquiao nach einer Karriere, in der er sich und seine Anhänger mit Weltmeistertiteln in insgesamt acht Gewichtsklassen beschenkte, in einer philippinisch-kitschigen Zeremonie Abschied. Ein Video erinnerte über 14 Minuten an seinen Aufstieg. „Boxen war immer meine Passion“, sagt ein schon staatsmännisch wirkender Pacquiao darin auf Englisch und in der philippinischen Sprache Tagalog, dankt Gott, seinen Eltern, seiner Frau und seinen fünf Kindern. „Ich konnte Menschen rund um die Welt ermutigen, ihr Leben ändern. Nun aber habe ich die letzte Glocke gehört.“ Im August hatte Pacquiao in Las Vegas seinen ersten Boxkampf seit zwei Jahren verloren.

          Hohe Popularität

          In seinem nächsten Kampf hat der Volksheld keine schlechten Karten. Schon heute mischt er als Senator in der Politik in Manila mit. Vor allem aber ist es alles andere als unüblich auf den Philippinen, dass Idole um das höchste Regierungsamt ringen. Im in weiten Teilen unterentwickelten Land der mehr als 110 Millionen Menschen nutzen sie ihre Popularität als Werbefiguren.

          Nicht immer geht das gut für das Land aus. Ganz vorn im nun beginnenden Rennen um den nächsten Präsidentenposten ist der Komiker Vincente ‚Tito‘ Sotto dabei. Der aktuelle Präsident Rodrigo Duterte darf laut Verfassung nicht mehr kandidieren. Er steht weltweit wegen seines Auftretens, vor allem aber wegen der Verletzung der Menschenrechte bei seinem brutalen Kampf gegen Drogen in der Kritik. Duterte plant, für das Amt des Vizepräsidenten zu kandidieren, um weiter Macht auszuüben.

          Pacquiao unterstützte Duterte, trat für die Todesstrafe und den blutigen Anti-Drogen-Kampf ein. „Sogar Jesus wurde einst zum Tode verurteilt“, erklärte der extrem konservative Christ Pacquiao vor Jahren. Allerdings verdüsterte sich das Verhältnis der beiden Volkshelden über Dutertes Annäherung an China und die blühende Korruption in seiner Regierung. Angst hat der Boxer nicht – dazu hat er sich zu hart nach oben gekämpft.

          Im zurückgelassenen Süden des Inselreiches in Armut aufgewachsen, schlug er sich als blinder Passagier auf einem Schiff in die Hauptstadt durch. Dort widmete er sein Leben dem Faustkampf. Seine politische Karriere begann er 2007. Drei Jahres später rückte er als Vertreter der Provinz Sarangani in den Kongress ein. 2016 holte er dann einen Sitz für die nächsten sechs Jahre im Senat. In dieser Zeit verstieg er sich zu der Bemerkung, Schwule und Lesben seien „schlimmer als Tiere“ – was in den erzkonservativen Kreisen der Philippinen als akzeptable Äußerung hingenommen wird oder gar auf Zustimmung trifft.

          In Umfragen auf Rang vier

          Teile der Zivilgesellschaft in Manila verurteilen ihn aber nun nicht nur dafür. Für sie sucht der Weltstar des Boxens nur die Flucht nach vorn: Würde er nun nicht Präsident, geriete er schon bald in Vergessenheit. In Umfragen rangiert der Boxer derzeit auf Rang vier, die Führung hat Dutertes Tochter Sara Duterte-Carpio. Sie allerdings hat ihre Kandidatur noch nicht einmal eingereicht.

          Von all dem will Pacquiao derzeit natürlich nichts wissen. Auf Twitter verabschiedete sich der Box-Superstar mit den Worten: „Das ist die härteste Entscheidung meines Lebens, aber ich habe meinen Frieden mit ihr gemacht. Hängt an Euren Träumen, arbeitet hart, und schaut, was passieren wird. Auf Wiedersehen Boxen.“

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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