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Boxer Felix Sturm : Eine Weltmeisterschaft als deutscher Rekord

  • -Aktualisiert am

Deutliche Ansage: Felix Sturm will´s nochmal wissen Bild: obs

Gegen den Russen Tschudinow will Boxer Felix Sturm an diesem Samstag (22.25 Uhr) ein Fest feiern – und seinen fünften WM-Gürtel gewinnen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das er einem besonderen Makel verdankt.

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          Eine Woche nach dem „Jahrhundertkampf“ in Las Vegas wird schon wieder Boxgeschichte angekündigt. Zugegeben, eine Nummer kleiner als beim Duell zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao. Es ist eine nationale Rekordmarke, die der Kölner Felix Sturm im Ring aufstellen will: Triumphiert er an diesem Samstag (22.25 Uhr / Live in Sat.1) in Frankfurt am Main über den Russen Fedor Tschudinow, will er sich als erster Deutscher feiern lassen, der es geschafft hat, zum fünften Mal Weltmeister zu werden.

          Dieses Alleinstellungsmerkmal verdankt Sturm dem Makel, dass er vier WM-Titel losgeworden ist, aber auch genauso viele zurückerobert hat. Er ist somit kein Seriensieger wie einst Henry Maske oder Sven Ottke, aber einer, der seit seinem Profidebüt 2001 die Marathon-Distanz von 14 Jahren samt Rückschlägen durchgestanden hat. „Es wird ein besonderer Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird“, verspricht Sturm. Wie das so ist mit Versprechen, siehe Las Vegas, müssen sie nicht zwangsläufig eingehalten werden.

          „Ein großes Ding in London“

          Dabei ist seit Freitag geklärt, dass es sich bei dem als WBA-Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht angepriesenen Fight zwischen Sturm und Fedor Tschudinow tatsächlich um das handelt, was mit dem Gütesiegel WM versprochen wird. Zuvor war dies unklar, weil die World Boxing Association in ihrer Rangliste den Amerikaner Andre Ward als Superchampion führte, den Engländer Carl Froch als Weltmeister und Tschudinow als Interim-Weltmeister. Quasi als Weltmeister im Wartestand, der nachrückt, sobald der Gürtelträger aus der Rangliste fällt.

          Am Freitag nun ordnete die WBA ihre Titelverteilung neu - gerade noch rechtzeitig für Sturm und Tschudinow. Froch, teilte der Verband mit, verliert seinen Titel wegen Inaktivität. Damit kämpfen Tschudinow und Sturm offiziell um den vakanten WM-Titel. Froch ist als Pflichtherausforderer für Ward bestimmt. Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, sagt, Froch plane das Ende seiner Laufbahn, und zu diesem Anlass „ein großes Ding in London“ ohne Titelambition. Damit entgingen der WBA Einnahmen von drei Prozent der jeweiligen Kampfbörse, die für die Sanktionierung als WBA-WM fällig würden.

          Die Herren Sturm und Tschudinow sind der WBA des in Frankfurt anfallenden Geldsegens wegen natürlich genehmer als Froch mit seinem gemutmaßten Alleingang. Die Geschäftspolitik ist alles andere als transparent, aber sie floriert. Wohl genau deswegen.

          Sturm, Sohn bosnischer Eltern, hat es stets glänzend verstanden, sich mit der WBA zu arrangieren, die ihn in den Ranglisten so wohlwollend plazierte, dass er zeitweilig vom Status eines Superchampions im Mittelgewicht profitierte. Da darf sich der Champion mehr Zeit für die Pflichtverteidigung lassen als ein gewöhnlicher Weltmeister, und es gibt einen halbierten Gebührensatz, wenn es um die Kampfbörse geht.

          Sturm, mittlerweile 36 Jahre alt und damit neun Jahre älter als Tschudinow, setzt in Geldangelegenheiten das um, was er sich im Fachabitur Betriebswirtschaft angeeignet hat. Sein siebter Sinn fürs Materielle hat ihn 2009 selbständig werden lassen, als er sich von seinem Manager Klaus-Peter Kohl und dessen Universum Box-Promotion lossagte. Inzwischen ist er mit seiner Firma Sturm Promotion Boxer, Promoter und Veranstalter zugleich. Es fehlt ihm beileibe nicht an Selbstbewusstsein, und das macht den Umgang mit ihm bisweilen sperrig.

          36 Jahre und noch kein bisschen müde: Sturm plant den nächsten WM-Titel ein

          Der Abendveranstaltung in der Frankfurter Festhalle sieht Sturm mit großen Erwartungen entgegen. „Es ist genau der richtige Schauplatz, um ein Fest zu feiern“, steht für den Herausforderer fest, der nach seiner letzten Niederlage im Mai 2014 gegen Sam Soliman ohne schmückenden Titel dasteht und jetzt wieder Land im Reich der Boxer sieht. Das hat auch mit knapp vier Kilogramm zu tun, die Sturm jetzt mehr an austrainierter Körpermasse auf die Waage bringen darf. Statt 72,5 im Mittelgewicht toleriert das Super-Mittelgewicht als oberste Grenze 76,2 Kilogramm.

          Schwerer geworden, lebt es sich leichter. Das wurde schon beim Auftritt Sturms im vergangenen November gegen Robert Stieglitz deutlich, als die Punktrichter ein für Stieglitz schmeichelhaftes Unentschieden besiegelten. „Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl und eine ganz andere Lebensqualität“, schwärmt Sturm vom nach oben erweiterten Gewichtslimit. „Ich habe keinen Stress mit dem Abnehmen, das Gewicht reguliert sich allein durchs Training.“

          In Sturms besten Auftritten kam er der Art und Weise nahe, in der Mayweather agiert. Nämlich immer dann, wenn er gekämpft hat, um nicht getroffen zu werden. „Lieber vorbeugen als behandeln“ nennt Sturms Trainer Magomed Schaburow sein Patentrezept für den Frankfurter Abend. Sturms Gegner bringt gerade mal zwölf Profikämpfe an Erfahrung ein. „Der Gegner ist unverbraucht, ein guter Junge“, taxiert Sturm und klingt dabei gönnerhaft. Dank seiner in 47 Duellen erworbenen Routine, darunter wenigen Schlachten, ist der schlagstarke, in der Deckungsarbeit nachlässige Tschudinow die Idealbesetzung, um deutsche Boxgeschichte zu schreiben. Den Vorkampf hinter den Kulissen hat Felix Sturm bereits gewonnen.

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