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Boxen : Das Großmaul ist der Sieger im Kampf des Jahrhunderts

  • -Aktualisiert am

Floyd Mayweather Jr. dominierte den Kampf deutlich Bild: Reuters

Im größten Kampf der vergangenen Jahrzehnte steigt Floyd Mayweather nach zwölf Runden als Sieger aus dem Ring. Er ist jetzt der beste Boxer seiner Generation. Doch Verlierer Pacquiao zweifelt die Entscheidung der Richter an.

          Der beste Boxer dieser Generation, quer durch alle Klassen, heißt Floyd Mayweather. Der 38-jährige Amerikaner schlug in der Nacht zum Sonntag in der MGM Arena von Las Vegas den Filipino Manny Pacquiao nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten. Während Mayweather schon Sekunden vor Ende des Kampfes den Arm als Zeichen des Sieges hob und sich seiner Sache demonstrativ sicher war, sah Pacquiao sich selbst als Sieger. „Er hat doch nichts gemacht“, sagte er zu seinem Gegner. Soll heißen: Er ist doch nur weggelaufen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Aber man konnte den Kampfausgang durchaus auch im Sinne des Amerikaners sehen. Eine Skandalentscheidung war das Urteil jedenfalls nicht, auch wenn es mit 118:110, 116:112 und 116:112 allzu deutlich ausfiel. „Ich bin sehr überrascht von diesem Score“, sagte Pacquiao. „Ich habe ihn viel öfter getroffen als er mich.“ Mayweather war es egal, er kündigte an, mit einem weiteren Kampf im September seine Karriere zu beenden. Mit seinem Sieg gegen Pacquiao verteidigte er die WM-Titel im Weltergewicht nach Version der Verbände WBC und WBA und gewann den von Pacquiao bis dato gehaltenen Titel der WBO dazu.

          Die Luft vibrierte

          16.800 Zuschauer brachten an diesem boxhistorischen Abend 75 Millionen Dollar in die Kasse, was daran lag, dass im Publikum kein normaler Fan saß. Es war ein Abend der Besser- bis Großverdiener. Für jedes einzelne Ticket hatten die Leute ein Vermögen bezahlt, ein Platz am Ring war im Internet zuletzt mit 130.000 Dollar gehandelt worden, das günstigste Ticket, auf dem Papier 1500 Dollar wert, mit 6000. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, die Luft vibrierte schon vor dem Hauptkampf, eine Mischung aus Vorfreude und Glück dampfte durch die Halle, dabei zu sein bei einem Kampf der Superlative, einem Kampf, auf den man sechs Jahre gewartet hatte.

          Auch die Promidichte am Ring war rekordverdächtig: Die Basketball-Legenden Michael Jordan und Magic Johnson waren gekommen, die Sänger Sting und Justin Bieber, der Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood, auch Steffi Graf und Andre Agassi, die in Las Vegas leben. Als die Superstars des Boxens gegen 20.45 Uhr Ortszeit nacheinander die größte Bühne betraten, die der Boxsport derzeit zu bieten hat, explodierte die Stimmung. Pacquiao lief zu einem eigenen Song ein, „Lalaban Ako Para Sa Filipino“ heißt der Titel in seiner Muttersprache, was so viel heißt wie: „Ich kämpfe für das philippinische Volk“. Die Sympathien in der Halle, das zeigte sich schnell, lagen auf seiner Seite.

          Manny Pacquiao musste einiges einstecken Bilderstrecke

          Die große Frage war: Kann dieser 400, vielleicht 500 Millionen Dollar teure Kampf halten, was er verspricht? Kann er in die Geschichte des Boxens eingehen, in einer Reihe stehen mit Kämpfen wie Ali gegen George Foreman 1974, Ali gegen Joe Frazier 1975, Sugar Ray Leonard gegen Marvin Hagler 1987 oder Evander Holyfield gegen Tyson 1995? Kann Pacquiao den in all seinen 47 Profikämpfen siegreichen Mayweather schlagen, hat er eine Chance gegen ihn? Der Filipino stand im Kampf seines Lebens vor einer Herkules-Aufgabe. Mit 1,69 Meter ist er vier Zentimeter kleiner als Mayweather und ihm in der Reichweite um dreizehn Zentimeter unterlegen, er musste dem Favoriten auf den Pelz rücken, musste ihm ein erbittertes Gefecht aufzwingen. das versuchte er von Beginn an.

          Es wurde der erwartete Kampf der Systeme. Hier Pacquiao, der Haudrauf mit Herz, dort Mayweather, der Boxkünstler, der Supertechniker. Die erste Runde war noch ein Abtasten, dann aber drückte Pacquiao mächtig aufs Tempo, Bis zur siebten Runde war Mayweather hauptsächlich im Rückwärtsgang unterwegs, das ist zwar seine Art, aber da sah es aus, als hätte Pacquiao eine gute Chance zu gewinnen, auch in Las Vegas, auch mit amerikanischen Kampfrichtern. Er versuchte immer wieder, Mayweather an den Seilen zu stellen und deckte den Amerikaner mit seinem berühmten Schlaghagel ein. Die Zuschauer tobten bei jedem Schlag, und Mayweather musste mehr einstecken, als er gewohnt ist.

          Aber in der siebten Runde fand der Amerikaner besser ihn den Kampf.  Pacquiao musste das Tempo ein wenig drosseln, und Mayweather spielte von nun an seine ganze Klasse aus. Brillante Jabs, donnernde Haken, schnelle Beine und ein Überblick, als hätte er in jeder Situation eine Radaranlage zur Verfügung. Pacquiao arbeitete weiterhin wie ein Berserker, aber Mayweather behielt zumeist den Überblick. „Es gab ein paar kritische Momente in diesem Kampf“, sagte er. „aber ich habe das klug zu Ende gebracht.“

          Ob der Kampf die Erwartungen erfüllte? Es war ein großer Boxkampf, keine Frage, aber in die Geschichte der allergrößten Fights wird er nicht eingehen.

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