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Boxen : Koks statt K.o.'s

  • -Aktualisiert am

Ein britisches Sportidol: Ricky Hatton Bild: ASSOCIATED PRESS

Nichts fällt Boxern schwerer, als rechtzeitig abzutreten. Die meisten stehen zu lange im Ring und kassieren zu viele Schläge. Aber was kommt danach? Für viele der Griff zu Drogen und Alkohol. Jetzt hat es Ricky Hatton erwischt.

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          Unlängst hat Ricky Hatton seine Boxlizenz verlängert. Brav überwies er dem ehrwürdigen British Boxing Board of Control die Jahresgebühr in Höhe von umgerechnet rund 70 Euro. Er wolle für den Fall der Fälle gerüstet sein, sagte Hatton. Falls er doch noch einmal boxe. Dass der frühere Weltmeister bei seiner Ankündigung mehr wie ein Dartspieler aus dem Pub aussah, musste nicht irritieren. Zwischen seinen Auftritten im Ring nahm der Berufsboxer aus Manchester regelmäßig rund 20 Kilogramm zu - dem Guinness konnte der Sohn eines früheren Kneipenbesitzers einfach nicht widerstehen. Scherzhaft nannte er sich „Ricky Fatton“.

          Nun enthüllte ein britisches Boulevardblatt, dass Hatton nicht nur mit den Pfunden kämpft. Der frühere Weltmeister, der sich in 47 Profikämpfen nur den Größen Manny Pacquiao und Floyd Mayweather geschlagen geben musste, wurde heimlich beim Schnupfen von Kokain in einem Hotelzimmer in Manchester gefilmt. Von einer Freundin, die sich angeblich große Sorgen um ihn macht.

          Der Gascoigne des Boxens zeigt Nehmerqualitäten

          Er sei auf dem besten Wege, zum Paul Gascoigne des Boxens zu werden. Denn wie der frühere Fußballnationalspieler soll auch Hatton Drogen und Alkohol verfallen sein. So soll er während des zehnstündigen Feiermarathons laut „News of the World“ neben dem Kokain elf Guinness, vier Gläser Wodka, zwei Gläser Weißwein und mehrere Sambuca zu sich genommen haben - auch als Boxer hatte Hatton Nehmerqualitäten. Ein Sprecher des ehemaligen Weltmeisters teilte mit, Hatton werde nun umgehend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

          Mehr Fatton als Hatton: Der Engländer Wochen vor seinem Kampf gegen Floyd Mayweather
          Mehr Fatton als Hatton: Der Engländer Wochen vor seinem Kampf gegen Floyd Mayweather : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Hatton, der in seiner Karriere rund 90 Millionen Euro verdient hat, ist in guter Gesellschaft. Auch der frühere Weltmeister Joe Calzaghe aus Wales, zweimal Sportler des Jahres in Großbritannien, griff nach seinem Rücktritt unlängst zum weißen Pulver - das Boulevardblatt, das auch Hattons schockierendes Video zeigte, hatte den als Boxer in 46 Kämpfen unbesiegten Calzaghe in eine Falle gelockt.

          Nichts gab ihm den Nervenkitzel zurück

          Hatton, ein gnadenloser Draufgänger im Ring, ist ein Idol auf der Insel. Fußballstar Wayne Rooney, auch ein nicht ganz skandalfreis Arbeiterkind aus Manchester (siehe: Englischer Fußball: Nach dem Skandal trifft Rooney wieder), trug für seinen Kumpel den Weltmeistergürtel in den Ring - auch in den Casinos von Las Vegas, wohin Hatton bei seinen Kämpfen 20.000 Fans aus der Heimat begleiteten. Hatton und Calzaghe, zwei der besten britischen Boxer aller Zeiten, versuchten sich beide als Boxveranstalter und nahmen an Fernsehshows wie dem Tanzwettbewerb „Dancing with the Stars“ teil.

          Nichts gab den Multimillionären den Nervenkitzel zurück, den sie im Ring erlebt hatten, nichts das Hochgefühl des Sieges. Keine Bühne gab ihnen das Rampenlicht zurück, in dem sie jahrelang standen. Für einen Boxer ist es die größte Herausforderung rechtzeitig abzutreten. Viel zu viele Boxer stehen zu lange im Ring und kassieren zu lange Schläge auf den Kopf - wie Muhammad Ali, Mike Tyson, Larry Holmes, die Liste ist lang. Derzeit kann es Roy Jones, einer der größten Boxer aller Zeiten, nicht lassen. Der 41 Jahre alte Amerikaner, nur noch ein Schatten früherer Tage, verliert mittlerweile in Serie. Aber was ist die Alternative? Der Griff zu Drogen und Alkohol? Dann doch lieber weiterboxen.

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