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Boxen : Klitschko verteidigt Titel mit links

  • -Aktualisiert am

Ungefährdet: Wladimir Klitschko Bild: AP

Ray Austin hielt gegen Wladimir Klitschko nicht lange stand. Das Wort Herausforderer mutet im Nachhinein wie Etikettenschwindel an. Klitschko, der kein einziges Mal mit rechts zuschlagen musste, hat es nun auf weitere Don-King-Klienten abgesehen. Aus Mannheim berichtet Hans-Joachim Leyenberg.

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          Für einen flüchtigen Augenblick hatte der Abend in der Mannheimer SAP Arena einen Hauch von Weltklasse im Boxring zu bieten. In jenem Moment, als zwei Heroen von einst sich in Bewegung setzten, mit erhobenen Fäusten umeinander tanzten - die Choreographie zweier Hünen, die es können: Lennox Lewis und Witali Klitschko, zwei aus einer Epoche des Schwergewichts, als der Ruf als Königsklasse des Faustkampfs noch nicht so heruntergekommen war wie heute. Witali Klitschko kehrt in den Ring zurück, aber Lewis erteilte allen Avancen, sich auf ein Comeback einzulassen, lächelnd eine Absage. Er hat einen Job als Kommentator beim amerikanischen Fernsehsender HBO.

          Entspannt registriert der Brite mit Wurzeln in der Karibik, was da inzwischen so kreucht und fleucht in seinem Spezialfach. „Ray Austin sollte nicht mit Wladimir Klitschko im Ring stehen“, machte er in seinem Urteil über den Amerikaner kurzen Prozess. Nach einer Minute und 23 Sekunden der zweiten Runde war der Herausforderer des IBF-Weltmeisters Wladimir Klitschko k.o. gegangen. Getroffen von drei linken Haken des Titelverteidigers aus der Ukraine. Das Wort Herausforderer mutet im Nachhinein wie Etikettenschwindel für einen Mann an, dem alle Klassemerkmale für seinen Beruf fehlen.

          Sieg gegen Don-King-Klienten besondere Genugtuung

          „Da draußen ist immer ein Austin, das ist das Problem des Boxsports“, machte Larry Merchant seinem Ärger Luft. Er ist der in Ehren ergraute Interviewer von HBO, der Ali, Foreman, Frazier, Tyson und alle anderen Attraktionen nicht nur aus den Archiven kennt. Wladimir Klitschko, so viel zu seiner Ehrenrettung, hat sich Austin nicht ausgesucht. Der Weltverband hat ihm diesen Gegner zugeteilt. Wenn es nach dem Weltmeister ginge, könnte er auf die Austins dieser Welt verzichten und lieber die Titelträger der konkurrierenden Weltverbände ins Visier nehmen.

          Volltreffer: Austin hatte keine Chance gegen Klitschko

          „Ein Kampf ist einfacher, als einen Deal abzuschließen“, sagte der Ukrainer zu den Geschäftspraktiken der Promoter aller Couleur. „Sie wollen ihren Mann nicht verlieren und eine Geldquelle aufs Spiel setzen“, skizzierte er das Sittenbild der Macher im Hintergrund. Seit Jahrzehnten ist Don King der Marktführer und in den Augen des Klitschko-Clans ihr größter Widersacher. Es dem Don-King-Klienten Austin in Klitschkos Boxbude mal so richtig gezeigt zu haben, war dem Triumphator eine besondere Genugtuung. Und er kündigte nach „dem wunderschönen Abend“ sogleich an, in Zukunft mit allen Don-King-Kämpfern ähnlich zu verfahren.

          Klitschko fordert Duell gegen Walujew

          King selbst war das K.o. seines Mandanten derartig aufs Gemüt geschlagen, dass er beim Geplänkel danach - völlig untypisch für den Dauerredner und Dauerlächler - wie vom Erdboden verschluckt blieb. King hatte mitansehen müssen, dass Wladimir Klitschko zum ersten Mal in seiner Laufbahn nicht ein einziges Mal von seiner rechten Schlaghand Gebrauch machte. Gegen diesen Austin hätte er zwar nicht mit verbundenen Augen, aber mit nur einem Arm antreten können.

          Als reizvolle Herausforderung sieht Klitschko im Augenblick nur WBA-Titelträger Nikolai Walujwew. Der Russe ist mit zwei Herren der Ringe verbandelt: Promoter Sauerland und eben Don King. Klitschko will den Vergleich, „auch Nikolai ist bereit“, drängt der Dreißigjährige auf ein Duell, mit dem sich Kasse machen ließe. Wenn es um die Börse geht, sind die Klitschkos mindestens so ausgeschlafen wie der mit allen Wassern gewaschene King. „Die Klitschkos sind gute Sportler und noch bessere Geschäftsleute“, macht King deutlich, worauf es eben auch ankommt.

          Klitschko hat stets auch die pekuniäre Seite im Blick

          Wer wäre der übertragende Fernsehpartner der rivalisierenden Lager? Die ARD promotet Walujew, RTL die Klitschkos. Eingebettet in Dieter Bohlens Suche nach dem Superstar brachte es Klitschkos Haussender am Samstag auf knapp 13 Millionen Zuschauer. So ein Faustpfand gibt keiner so schnell aus der Hand. Gleichwohl könnte das allseitige Wunschprogramm Ende dieses Jahres nach einer Zwischenstation Klitschkos im Juni oder Juli realisiert werden. Immer vorausgesetzt, dass Walujew bei seiner Pflichtverteidigung am 14. April in Stuttgart die Hürde Ruslan Tschagajew nimmt. Der Usbeke ist garantiert aus anderem Kaliber als Austin, doch Wladimir Klitschko geht von einem Sieg des WBA-Weltmeisters aus. „Vom Marketing her ist er die bessere Perspektive“, hat der Boxer auch die pekuniäre Seite stets im Blick.

          Die 15.000 in Mannheim pfiffen zwar nach dem Auftritt im Schnelldurchlauf auf Austin, schmachteten dann aber den Adonis Klitschko an, als sei er Bohlen und Boxer in einem. „Seine Gegner sind nicht so schlecht, wie sie aussehen, er macht sie dazu“, versuchte sich Klitschkos Trainer Emanuel Steward an einer Erklärung für das gerade Erlebte. „Lieber ein schnelles Ende als alles andere“, sagte der Champion in eigener Sache. Er hatte sein Versprechen eingelöst. Endlich sei Franz Beckenbauer seiner Einladung gefolgt. Aber der „Kaiser“ hatte zuvor eine Bedingung gestellt: „Ich komme, aber du musst gewinnen.“ Es war Beckenbauers zweiter Boxkampf, den er live erlebte. Der erste liegt knapp dreißig Jahre zurück. Mit Muhammad Ali und Earnie Shavers in den Hauptrollen. Mit 15 Runden Weltklasse im Ring des New Yorker Madison Square Garden. So bald kommt Beckenbauer wohl nicht wieder zum Boxen der Neuzeit. In Mannheim ging alles zu schnell.

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