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Boxen im Super-Mittelgewicht : Punktrichter verhelfen Abraham zu WM-Kampf

  • -Aktualisiert am

Punktsieg dank Punktrichtern: Arthur Abraham (links) gewinnt gegen Patrick Nielsen. Bild: dpa

Im fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren will Arthur Abraham nochmal zur Krone im Super-Mittelgewicht greifen. Auf dem Weg dahin erhält er auch Unterstützung von einem Polen und von einem Italiener.

          Es ist angerichtet. Zwei von drei Punktrichtern haben Arthur Abraham am Samstag den Weg zu einem baldigen WM-Kampf freigemacht. Die beiden Herren, einer aus Polen, der andere aus Italien, dürften mit der Absicht nach Offenburg gereist sein, Wohlwollen für einen ehemaligen Box-Weltmeister walten zu lassen. Nur so ist ihr Votum einzuordnen, Abraham mit jeweils 116:111 Punkten gegen den Dänen Patrick Nielsen vorn gesehen zu haben. Die tatsächlichen Kräfteverhältnisse in der Baden-Arena gab das Votum des spanischen Ringrichter-Kollegen wider: 114:113 pro Nielsen. In der Addition also 2:1 für den Mann, der seinem Arbeitgeber Team Sauerland in Ermangelung neuer Helden als Zugpferd herhalten soll. Die aufgeklärten Punktrichter müssen diesen Aspekt mehrheitlich berücksichtigt haben, als sie Runde für Runde ihre eigenwillige Rechnung aufmachten.

          Im fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren will Abraham nochmal zur Krone im Super-Mittelgewicht greifen. In Offenburg war zu sehen, dass sein Feuer, wenn überhaupt, nur noch auf Sparflamme brennt. Er, ohnehin ein Ökonom des Boxens, der sich hinter seiner Doppeldeckung verschanzt und sich auf ein Minimum an deftigen Schlägen verlässt, ist Meister darin geblieben, seine Lethargie als Erfolgsrezept zu verkaufen: „Ich bin ein Spätstarter, vielleicht kommt das vom Radfahren.“ Mit dem Rennrad war er tatsächlich mal bayrischer Meister, da ist man gut beraten, anderen lange die Führungsarbeit zu überlassen. Abrahams Wahrnehmung der Geschehnisse im Ring: „Er war vorne am Anfang, später habe ich ihn überrollt.“

          Hat er nicht. Spät, zu spät gewann er die Oberhoheit über einen nachlassenden Gegner, der ebenfalls nichts in der Weltspitze verloren hat. In der Ecke des Matadors mit armenischen Wurzeln bedurfte es wieder markiger Worte, um „König Arthur“ anzutreiben. Trainer Ulli Wegner wird sich wieder mal die Frage stellen, ob es sportlich Sinn macht, sich mit Abraham in Regionen zu begeben, wo die Luft ähnlich dünn ist wie bei der letzten Niederlage vor neun Monaten in London gegen Chris Eubank jr. „Gib alles“, lautete das Kommando am Samstag, aber Abrahams „alles“ war ziemlich wenig. Unverdrossen will er „so schnell wie möglich Weltmeister werden, den Titel zwei-, dreimal verteidigen“. Der ausgefeilte Zeitplan eines Mannes, der damit hausieren geht, die harte Arbeit und das harte Training zu lieben. Vielleicht ist es ja auch die Freude an den Kampfbörsen, die den Millionär antreibt.

          „Ich bin ein Spätstarter, vielleicht kommt das vom Radfahren“: Arthur Abraham.

          „Soll er sich das antun? Ich glaube eher nicht“, sagte die ehemalige Weltmeisterin Regina Halmich, als Frau vom Fach zu den Ambitionen Abrahams. Und legte nach: „Er muss niemandem mehr etwas beweisen.“ Auch sie als Expertin des Fernsehsenders Sport1 hatte Nielsen mit einem Punkt vorn. Kollege Graciano Rocchigiani war in seinem Urteil so gradlinig wie einst im Ring: „Hier wurde wieder mal beschissen.“ Derweil versuchte sich Wegner als Diplomat: „Wir müssen den Kampf auswerten, es war ein knappes Ding, es ging hin und her. Ich kann Arthur zum Weltmeister machen, wenn er macht, was ich von ihm verlange. Er hat das Potential, hat Qualität, aber er zeigt es nicht. Er ist etwas Besonders.“

          Abraham in die Spur zu bringen, ist zur Lebensaufgabe von Wegner geworden. Mit nunmehr 76 Jahren ist seine Zeit so fortgeschritten wie die Abrahams, dessen Formkurve in kritischen Regionen verläuft. Wie sagte der doch vor dem WM-Ausscheidungskampf mit der Witterung für einen guten Ausgang seines Duells mit Nielsen: „Wir boxen in Deutschland, da ergeben sich immer neue Chancen.“ Rocchigianis Appell vom Samstag ist schon in dessen besten Zeiten als Champion im Falle eines Falles durch höhere Mächte ignoriert worden: „Man muss denjenigen gewinnen lassen, der gewonnen hat.“

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