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Culcay besiegt Baraou : Der „Kampf des Jahres“ hält, was er verspricht

  • Aktualisiert am

Die Faust des Siegers: Jack Culcay Bild: dpa

Großes Boxen im kleinen Fernsehstudio. Was der frühere Weltmeister Jack Culcay und Talent Abass Baraou liefern, begeistert die Beobachter. Der Kampf ist so eng, dass es unterschiedliche Einschätzungen gibt.

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          Der Generationenwechsel im kleinen Kreis der deutschen Top-Boxer ist vertagt. Der 34 Jahre alte frühere Weltmeister Jack Culcay hat im Superweltergewicht den Angriff des neun Jahre jüngeren Abass Baraou abgewehrt. Culcay gewann in der Nacht zum Samstag in den Berliner Havelstudios den Kampf gegen das derzeit wohl größte Boxtalent in Deutschland äußerst knapp mit 2:1 Punktrichterstimmen.

          Zwei Kampfrichter (115:114, 115:113) stimmten für den Berliner Culcay, ein Unparteiischer (116:113) votierte für den ebenfalls in der Hauptstadt lebenden Baraou. „Das Beste, was wir je gesehen haben“, schwärmte Sport1-Ko-Kommentator Axel Schulz. Nach seinem 29. Sieg im 33. Profikampf rückt Culcay auf Position zwei des Verbandes IBF vor und darf einen WM-Ausscheid bestreiten.

          Wäre das mitreißende Duell mit einem Unentschieden oder einem knappen Sieg für Baraou gewertet worden, hätte sich niemand beschweren können. „Das war Werbung für den Boxsport. Das Urteil nicht“, sagte Experte Jean-Marcel Nartz, einst Technischer Leiter bei Sauerland und Universum. „Mehr als ein Unentschieden hätte Culcay nicht verdient gehabt.“ Der subjektive Eindruck der drei um den Ring plazierten Punktrichter, die die einzelnen Aktionen aufgrund ihrer Positionen nie aus dem gleichen Blickwinkel sehen und damit nie gleich bewerten können, ist jedoch ausschlaggebend.

          „Ich finde, ich habe eine Superleistung gezeigt. Ich fühle mich nicht besiegt, aber ich habe trotzdem verloren“, resümierte Baraou. Den in Deutschland geborenen Sohn togoischer Eltern wird die erste Niederlage im zehnten Profikampf nicht stoppen. „Dieser Kampf wird mich nicht daran hindern, an die Spitze zu kommen“, meinte der Sauerland-Boxer und erntete von den lediglich 118 zugelassenen Zuschauern im TV-Studio Applaus. Erstaunt war Culcay: „Neun Kämpfe und dann so stark - also das muss man ihm lassen.“

          Die begeisternde Auseinandersetzung zweier starker Athleten hat das erfüllt, was der veranstaltende Agon-Boxstall versprochen hatte: einen ehrlichen Kampf auf Augenhöhe, bei dem niemand das Urteil schon vorher kennt. Die Einstellung der Berliner, die den gesamten Kampfabend finanziert sowie Börsen und Reisekosten für sämtliche Kämpfer übernommen hatten, wird von anderen Boxställen mit Argwohn betrachtet. Ihnen geht es meist um den schnellen Euro, um aufgeblasene Kampfbilanzen mit vielen Siegen gegen heillos überforderte Rivalen, um schnelle Ranglistensprünge.

          „Uns geht es nicht nur um einen guten Kampf. Wir wollen ein salonfähiges System entwickeln, um enttäuschte Boxfans und auch Fernsehsender nach den Erfahrungen der Vergangenheit zurückzugewinnen“, sagte Agon-Manager Horst-Peter Strickrodt. „Wir wollen nicht Einmaliges, wir wollen Nachhaltiges, Dauerhaftes.“ Obwohl sich alle Beobachter einen Rückkampf wünschen, wird es diesen vermutlich nicht geben. „Jack ist in der Endphase seiner Karriere. Er möchte noch einmal um die WM boxen. Wir müssen jetzt sehen, wie die IBF plant“, sagte Strickrodt. Der Sauerland-Stall hatte bei den Vertragsverhandlungen auf eine Rückkampfklausel verzichtet. Jetzt wird er sich wohl ärgern.

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