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Boxen : Geschenkter Titel für Felix Sturm

  • -Aktualisiert am

Der Brite Matthew Macklin (links) unterlag Felix Sturm knapp nach Punkten Bild: dapd

Der Ire Matthew Macklin ist aktiver - und verliert doch in Köln. Weil zwei Punktrichter offensichtlich falsch entscheiden, behält Felix Sturm seinen Box-Titel. Immerhin bietet er seinem starken Konkurrenten spontan Revanche an.

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          Lennox Lewis twittert seine Meinung: „Straßenraub“. Die „Straßenräuber“, die er meint, heißen Roberto Ramirez aus Puerto Rico und Jose Ignacio Martinez aus Spanien. Sie schenkten Felix Sturm, dem Weltmeister im Mittelgewicht nach Version der World Boxing Association (WBA), mit ihren 116:112-Wertungen am Samstagabend in Köln einen unverdienten Punktsieg über den weitaus kampfstärkeren Iren Matthew Macklin.

          Diese Punktzahlen bedeuten: In gerade einmal vier Runden sahen die beiden Punktrichter den unentwegt in der Halbdistanz angreifenden, mit Schlagserien aller Varianten weitaus aktiveren Herausforderer im Vorteil. Ein großartiger Boxkampf mit zwölf aktionsgeladenen Runden, wie man sie in einem deutschen Ring lange nicht mehr gesehen hat, endete mit einem offensichtlichen Fehlurteil.

          „Lasst mal was hören, Kölner für den Kölner“

          Nur der Amerikaner Levi Martinez traf mit 115:113 die richtige Entscheidung. So behielt der zweiunddreißigjährige Sturm Titel und Gürtel. Aber Freude kam bei ihm und seinem Publikum nicht auf. „Ein bisschen lauter. Lasst mal was hören, Kölner für den Kölner“, forderte Sturm nach der Urteilsverkündung per Mikrofon die 18.000 verhalten reagierenden Besucher zu mehr Beifall auf.

          Passt zu Felix Sturm: Der alte WBA-Superweltmeister im Mittelgewicht ist auch der neue

          Sturm konnte wohl nachempfinden, wie sich sein Gegner nach dieser Entscheidung der Punktrichter fühlte. Er selbst hatte vor sieben Jahren in Las Vegas den Kampf gegen Oscar de la Hoya unter ähnlichen Umständen verloren - durch eine klare Fehlentscheidung. Immerhin bot Sturm seinem starken Konkurrenten spontan Revanche an. „Wir machen auf jeden Fall einen zweiten Kampf.“ Schließlich sei es „eine enge Kiste“ gewesen. Auch als sein eigener Promoter bedankte sich der Champion bei seinem draufgängerischen Gegner für dessen spektakulären Auftritt. Sturms Publikum, ebenso die 4,5 Millionen Fernsehzuschauer, waren dank Macklin auf ihre Kosten gekommen.

          „Ich habe gedacht: Das geht den Bach runter“

          Es war erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die „Goodfellas“, so der irische Teamname, die Benachteiligung hinnahmen, nachdem Trainer Joe Gallagher seine Tränen getrocknet hatte. Das blaurot gefleckte Gesicht des 29 Jahre alten Macklin verriet, dass auch Sturm getroffen hatte. Doch in gebrochenem Deutsch stellte der ehemalige Jurastudent fest: „Es war ein großer Kampf mit einem klaren Sieger: mich. Kein Zweifelsfall. Ich war stärker als Felix, habe die härteren Punches geschlagen. Ich habe gewonnen. In seinem Inneren weiß das Felix auch.“

          Bereits nach den Runden acht, neun und zehn riss Macklin die Arme in Siegerpose hoch. Er widerstand den späten Attacken Sturms in den letzten beiden Runden, im sicheren Gefühl, „dass Felix nur noch durch K.o. gewinnen kann. Aber dazu fehlt ihm der Punch.“ Nach dem Schlussgong trugen ihn seine Betreuer unter dem Jubel der kleinen, aber lauten Schar angereister Iren durch den Ring, während Sturm bedröppelt in der Ecke bei seinem Trainer Fritz Sdunek stand. „Nach den ersten drei Runden habe ich gedacht: Das geht den Bach runter“, gestand Sdunek.

          „Okay, nehmen wir's hin und hoffen auf den Rückkampf“

          Macklins Manager Brian Peters verlas auf der Pressekonferenz eingegangene Twitter-Nachrichten, darunter auch die Kurznachricht Lou DiBellas, Manager des Mittelgewicht-Weltmeisters des Verbandes WBC (World Boxing Council): „Jetzt wisst ihr, warum Sergio Martinez nie in Deutschland boxen wird.“ Peters gab auch die Internet-Umfrage des übertragenden Fernsehsenders zum Besten: 72 Prozent hatten Macklin als Sieger gesehen. „Okay, nehmen wir's hin und hoffen, dass Felix mit dem Rückkampf Wort hält.“

          Was blieb dem irritierten Sturm bei all den Stimmen gegen ihn anderes übrig, als selbstkritisch auf seine Fehler zu verweisen? Er hatte sich, meist hinter einer Doppeldeckung, zum Schlagabtausch gestellt, anstatt mit seinem linken Jab Macklin auf Distanz zu halten. Er will daraus gelernt haben: „Ich muss mich noch daran gewöhnen, mich daran zu halten, was Fritz sagt.“

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