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Boxen : Flaggschiff Sturm übersteht Hurrikan ohne Schaden

  • -Aktualisiert am

Sebastian Sylvester (l.) bewies immerhin Nehmerqualitäten Bild: REUTERS

Felix Sturm verteidigte seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht erfolgreich: Im Kampf gegen Sebastian Sylvester siegte der WBA-Champion einstimmig nach Punkten. Nun hoffen die Box-Fans auf einen Vereinigungskampf gegen Arthur Abraham. Wer aber soll diesen Fight bezahlen?

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          Selbst nach dem Schlussgong war Felix Sturm unerreichbar für Sebastian Sylvester. Der Herausforderer war hinübergegangen in die Ringecke des Weltmeisters, um zu gratulieren. Aber der WBA-Champion im Mittelgewicht stand hoch oben auf einem Ringseil, grüßte ins Publikum, suchte den Augenkontakt mit seinem Kumpel Lukas Podolski. Sylvester wartete, bis Sturm wieder auf dem Ringboden war und wurde dann endlich seine Glückwünsche los. Das alles passierte noch vor der Urteilsverkündung, denn über den Sieger des deutsch-deutschen Duells gab es gar keine kontroversen Meinungen. Das Votum der Punktrichter fiel mit 118:110, 118:110 und 119:109 entsprechend deutlich aus.

          Die vollmundige Ankündigung des Sylvester-Lagers, das Flaggschiff des Hamburger Box-Imperiums Universum zu versenken, erwies sich als leere Phrase. (siehe: Boxen: Der „Hurrikan“ kennt keinen Felix Sturm) Es herrschte Flaute beim „Hurrikan“, so der Kampfname des Greifswalders Sylvester. Ihm waren seine Grenzen aufgezeigt worden von einem, der seinerseits nicht einmal bis ans Limit seiner Möglichkeiten gehen musste. Nur einmal, in der dritten Runde, geriet Sturm in raue See, als Sylvester zwei Wirkungstreffer landete. Doch ansonsten glichen die zwölf Etappen einander. Der Weltmeister diktierte. Immer wieder stach die Führhand zu. Viel zu schnell für Sylvester, der vollauf damit ausgelastet war, „zuzumachen, abzublocken“.

          Filigrantechniker gegen einen Handwerker

          Marcel Nartz, Technischer Leiter bei Universum und schon in der Vor-Henry-Maske-Ära eine der bestimmenden Figuren im Berufsboxen, hatte vor ausverkauftem Haus in Oberhausen einen „Filigrantechniker gegen einen Handwerker“ gesehen. Es war redlicher Einsatz, den Sylvester an den Tag legte, ohne den Hauch eines Überraschungselements.

          Einseitiger Kampf, aber gute Unterhaltung: Sturm (r.) gegen Sylvester
          Einseitiger Kampf, aber gute Unterhaltung: Sturm (r.) gegen Sylvester : Bild: dpa

          Immer wieder baute sich dessen Trainer Hartmut Schröder in den Ringpausen vor ihm auf und verlangte das für seinen Boxer an diesem Tag Unmögliche. Sturm bestimmte das Tempo, variierte mit Kopf und Körper das Ziel, schlug Dubletten, die Sylvester schlicht und ergreifend gar nicht im Repertoire hat. „Ich habe alles gegeben, er hat alles genommen“, brachte der Sturm das Geschehen des Abends auf einen Nenner.

          Wer finanziert Sturm gegen Abraham?

          Im Nachsatz grenzte er sich dann vom Herausforderer ab, „der für seine Verhältnisse einen tollen Kampf gemacht hat“. Sturm, der wie aufgezogen wirkte, bis zum Schlussgong hochtourig blieb, ist halt von einem anderen Kaliber als Sylvester. Sturm boxt in der Liga der Weltmeister Kelly Pavlik (WBC und WBO) sowie Arthur Abraham (IBF).

          Im Idealfall kommt es für das Publikum zum Vereinigungskampf der Champions. Abraham gegen Sturm - das wär's. „Beide wollen den Kampf“, behauptet Sturms Promoter Klaus-Peter Kohl, „aber man muss ihn erst bewerkstelligen können.“ Drei Millionen für jeden der beiden Ringhelden aus deutschen Landen ist das Mindeste dessen, was dabei herausspringen sollte.

          Wer soll das bezahlen? Ihre Boxställe finanzieren sich im Wesentlichen über die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Der Intendant, der diesem Deal zugunsten von Topverdienern zustimmen würde, muss wohl erst noch gefunden werden. Und wie ausgeprägt die Risikobereitschaft im Hause Kohl samt ZDF und seinem Kollegen Wilfried Sauerland ist, der im Verband mit der ARD Abraham unter seinen Fittichen hat, müsste erst noch ausgelotet werden.

          Sturm: „Ich boxe den Mann, der zur Verfügung steht“

          „Nach Punkten kann er nicht gegen Abraham verlieren“, hat Kohl eine ausgesprochen hohe Meinung von Sturm. „Aber gegen einen Puncher wie Abraham kann er auch k. o. gehen“, räumt der Hamburger ein. „Man sollte nach so einem Kampf abgesichert sein“, warf Sturm ein. Also alles eine Frage der Börse.

          Acht Jahre sind seit dem letzten deutsch-deutschen WM-Duell zwischen Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani ins Land gegangen. In acht Jahren geht Felix Sturm auf die 37 zu. So lange wird er wohl nicht auf den Zahltag warten wollen und können. „Wir machen das, was möglich ist, ich boxe den Mann, der zur Verfügung steht“, kürzte Sturm die Debatten um seine Zukunft ab.

          Sylvester will sich bei anderen Verbänden umsehen

          Die Gegenwart ist ja auch ganz schön, zumal mit der Perspektive einer ausgedehnten Pause nach einem ausgesprochen anstrengenden Jahr. Und Sylvester? Der war bei aller Enttäuschung zugleich stolz, „zwölf Runden gegen den Weltmeister gegangen zu sein“. Auf der Suche nach einer entscheidenden Lücke im Deckungssystem des Weltmeisters war er nie fündig geworden.

          Sein Manager wird sich jetzt bei der Konkurrenz „umsehen, es gibt viele Verbände“, sagte Winfried Spiering. Ganz so, als würden sich dort Türen öffnen. Der Angriff der Wikinger, wie sich die Männer vom Viking-Box-Team nennen, hatte sich erledigt. Im Verbund mit dem Box-Unternehmen Sauerland sitzen sie, um im Bild zu bleiben, nur im Beiboot.

          Die Wikinger wollten Flaggschiff Sturm „jagen, rammen, versenken“. Schön angeheizt haben sie die Chose in Oberhausen. Viel Ballyhoo und wenig dahinter. Da müssen schon andere kommen. Abraham zum Beispiel. (siehe auch: Felix Sturm: Das Beste aus zwei Welten)

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