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Boxen : Die neue Bescheidenheit des Arthur Abraham

  • -Aktualisiert am

Comeback: Arthur Abraham siegt in Offenburg Bild: dpa

Das Comeback war erfolgreich: Nach dem K.-o.-Sieg über den Argentinier Farias will der Boxprofi nun härter denn je arbeiten.

          3 Min.

          Erst spät, eigentlich zu spät, offenbarte sich der neue Arthur Abraham. Erst als alles vorbei war, im Moment des Triumphes. Nach seinem K.-o.-Sieg in der fünften Runde über den Argentinier Pablo Oscar Natalio Farias kletterte Abraham Samstagnacht in allen vier Ecken auf die Ringseile und ließ sich von den 4000 Zuschauern in der Baden-Arena Offenburg bejubeln.

          Statt jedoch in Heldenpose die Arme hochzureißen, beließ es der Berufsboxer aus Berlin bei einer Demutsgeste. Er verschränkte die Arme vor der Brust und verneigte sich. Der frühere Herrscher im Ring, einst vermarktet als Furcht und Schrecken verbreitender „King Arthur“, übt sich in neuer Bescheidenheit. „Das war nichts Besonderes, es hätte noch besser sein können. Wir brauchen jetzt keine großen Sprüche zu machen“, sagte Abraham, der nach drei herben Niederlagen in den vorausgegangenen vier Kämpfen nicht nur Besserung, sondern gar Erneuerung gelobt hatte.

          Schlagfertig: Abraham trifft Farias

          Er wolle wieder Akteur im Ring sein, hatte der 31 Jahre alte Abraham angekündigt, anstatt sich beinahe wehrlos der Übermacht des Gegners zu ergeben - so geschehen im Rahmen des „Super-Six-Turniers“ der sechs besten Supermittelgewichtler der Welt, die dem aus dem Mittelgewicht aufgestiegenen Abraham die Grenzen aufzeigten. Dreimal innerhalb von 14 Monaten bezog der gebürtige Armenier, der zuvor in der angestammten Gewichtsklasse alle 30 Kämpfe gewonnen und seinen Weltmeistertitel zehnmal verteidigt hatte, Prügel - Zweifel an seiner Wettbewerbsfähigkeit kamen auf.

          Aktiver als gewohnt

          Gegen Farias boxte Abraham etwas aktiver als gewohnt - was er sich jedoch gefahrlos erlauben konnte. Vom boxenden Müllmann aus Buenos Aires, der zwei Schusswunden als Nachweis für seine Tapferkeit in den Ring trug, ging keine Gefahr aus. Kein Druck in den Schlägen, keine Beinarbeit, keine Deckung. Dass es Farias mit diesen Qualitäten auf Platz drei der Weltrangliste des Verbandes IBF gebracht hat, ist ebenso Beleg für das absurde Treiben der Box-Weltverbände wie der vakante Europameistertitel der WBO, der am Samstag auf dem Spiel stand. Hätte Farias auf wundersame Art gesiegt, er hätte die Heimreise nach Argentinien als Europameister angetreten.

          Aber zum Siegen war Farias, Kampfname „Pokemon“, nicht eingekauft worden, und so hielt er sich brav an das Drehbuch, das einen vorzeitigen Sieg des einstigen K.-o.-Schlägers Abraham bei seiner Rückkehr in den Ring vorsah. In der fünften Runde stürmte Abraham mit einem seiner überfallartigen Angriffe auf Farias ein und streckte den Argentinier mit einem linken Haken nieder. Nach zwei weiteren Attacken des Berliners und zwei weiteren Niederschlägen hatte Farias genug. Kostproben der Urgewalt Abrahams, vor der einst alle Herausforderer kapituliert hatten, reichten, um Farias die Lust auf eine Fortsetzung der Auseinandersetzung zu nehmen. So wird er zwar mit der zweiten Niederlage im 21. Kampf nach Buenos Aires zurückkehren, dafür aber unversehrt.

          Neuer WM-Anlauf

          „Das war ziemlich souverän. Aber Arthurs Leistung muss noch runder werden“, sagte Ulli Wegner, als Trainer seit jeher Abrahams strengster Kritiker. Zuletzt, nachdem Wegner seinem Boxer gar Feigheit vorgeworfen hatte, hatte es arg gekriselt beim einstigen Erfolgsgespann. „Es war nicht einfach in letzter Zeit“, sagte Abraham. Um seinen Trainer künftig wieder zufriedenzustellen, kündigte der Boxer an, „alles, was ich mache, doppelt zu machen“. In das Mittelgewicht, wo Abraham mit einer Körpergröße von 1,75 Meter nicht zu den kleinsten Athleten gehörte, wird er dennoch nicht zurückkehren. Das Gewichtslimit von rund 72 Kilogramm schafft er nicht mehr, auch fortan darf er also vier Kilogramm mehr wiegen.

          Nach zwei vergeblichen Anläufen gegen den Briten Carl Froch und den Amerikaner Andre Ward im vergangenen Jahr soll Abraham in den nächsten zehn Monaten ein drittes Mal um die WM im Supermittelgewicht boxen. „Wir können kein anderes Ziel haben, als wieder Weltmeister zu werden. Alles andere ist Pillepalle“, sagte Wegner. „Ich muss mich strecken, um auf Weltklasseniveau zu kommen“, sagte Abraham. Schon allein der Börse wegen. Am Samstag musste sich Abraham mit rund 100.000 Euro begnügen - sonst durfte es schon mal beinahe des Zehnfache sein.

          Einen, der bereits Weltmeister ist, hatte Abraham am Samstag auch ohne Krone in das Vorprogramm verwiesen. In einem deutschen Duell verteidigte der Magdeburger Robert Stieglitz seinen WBO-Weltmeistertitel deutlich nach Punkten gegen Herausforderer Henry Weber aus Stralsund. „Ein Kampf gegen Stieglitz wäre sehr interessant für das deutsche Publikum“, sagte Abraham und brachte sich als Herausforderer für den Magdeburger ins Gespräch. „Wenn Arthur meinen Gürtel haben will, muss er mich herausfordern. Ich werde auf jeden Fall annehmen“, sagte Stieglitz. Zunächst ist jedoch Abrahams Stallgefährte Mikkel Kessler an der Reihe. Der Däne ist am 14. April in Kopenhagen Pflichtherausforderer des deutschen Weltmeisters. Auch im eigenen Stall muss sich Abraham in Bescheidenheit üben.

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