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Boxen : Der Riese aus der Ukraine soll sich kleiner machen

  • -Aktualisiert am

Schnelligkeit und Beweglichkeit verbessert: Wladimir Klitschko Bild: dpa/dpaweb

Freddie Roach heißt der neue Mann bei den Klitschko-Brüdern. Nach Witali bereitet der Trainer nun auch Wladimir Klitschko in New York auf seinen nächsten Kampf in Kiel vor.

          Skeptisch blickt Justin Blair auf die Uhr in seinem fensterlosen Kellerbüro. Ob Wladimir Klitschko noch kommen wird? Die Trainingsgruppe ist seit einer Stunde überfällig. Draußen fegt ein Schneesturm durch die Church Street. Church Street? Die Parallelstraße zum Broadway in Downtown Manhattan hat schon Schlimmeres erlebt als einen Blizzard. Gewaltige Staublawinen wälzten sich am 11. September 2001 am "Church Street Boxing Gym" vorbei. Ground Zero liegt nur einen Häuserblock entfernt schräg gegenüber.

          Justin Blair klickt auf die Tastatur seines PC und zeigt dem wartenden Besucher Fotos von den brennenden und qualmenden Türmen des World Trade Centers. Nie habe er eine Kamera dabei. Doch ausgerechnet an diesem Tag wollte er Felix Trinidad fotografieren, der sich für einen Weltmeisterschaftskampf bei ihm vorbereitete. Als Blair kurz nach neun Uhr aus der Metrostation Cortlandt trat, sah er das Inferno über sich. Die Trainingsstätte indes nahm keinen Schaden. Das weißgetünchte Gewölbe unter einem Geflecht von Rohren liegt tiefer als ein U-Bahn-Schacht. "Nicht ein Staubkörnchen", erzählt der 32 Jahre alte Besitzer des Boxstudios. Da werden doch ein paar Schneeflocken Wladimir Klitschko nicht vom Training abhalten? Schließlich muß der ehemalige WBO-Champion im Schwergewicht am 20. Dezember in Kiel gegen den Amerikaner Danell Nicholson antreten.

          „Seit Tagen nicht bei der Sache“

          Es ist der Abend vor dem Kampf des großen Bruders gegen Kirk Johnson im Madison Square Garden. Die Limousine mit dem jüngeren Klitschko und seinen Betreuern kämpft sich schließlich im Schnee- und Verkehrschaos zur Church Street durch. Aber anderthalb Stunden Stau kosten zusätzlich Nerven. Wladimir Klitschko ist wegen seines Bruders ohnehin äußerst angespannt und überaus nervös, so, als müßte er selbst anderntags in den Ring steigen. "Es ist nicht einfach, sich vor einem Kampf Witalis auf den eigenen Kampf zwei Wochen später zu konzentrieren", gibt er zu. An Witalis Kampftag nimmt sich Wladimir daher trainingsfrei.

          Auch Freddie Roach, seit einigen Monaten der neue Trainer im Team, klagt: "Seit Tagen ist Wladimir nicht bei der Sache." Er wirke abgelenkt und habe nur den Kampf des Bruders im Kopf, aber nicht seinen eigenen. Obwohl im Sparring über jeweils zwei Runden die beiden lokalen Prügelknaben Alfred Cole und Will Palms nach linken Doubletten bedrohlich wackeln, setzt Wladimir noch nicht zur vollen Zufriedenheit des amerikanischen Trainers all das um, was der ihm beizubringen versucht: Geschmeidigkeit in den Hüften, Beweglichkeit auf den Beinen, Elastizität in den Knien, Pendeln mit dem Oberkörper. "Wladimir steht zu aufrecht und verliert leicht die Balance", findet Roach. "Er macht sich zu groß." Furchtlose Haudraufs wie zuletzt der Südafrikaner Corrie Sanders im März in Hannover treffen so leichter ins Ziel. Wladimir Klitschko ging schwer k.o.

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