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Boxen : Das Hoch für Österreichs Faustkämpferverband

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Kein Schmäh: Weltmeister Walujew (li.) trifft auf den einstigen Champion Holyfield Bild: AP

Ein Paradies für Funktionäre: Der deutsche Box-Promoter Wilfried Sauerland ist mit seinen Kämpfern nach Österreich gewechselt und hat dem Faustkämpferverband über Nacht zu einem Hoch verholfen - auch beim Anti-Doping-Kampf.

          Der Herr „Kommerzial Rat“ Willibald Palatin sitzt ganz vorne am Boxring und kämpft gegen die Müdigkeit. Der 64 alte Wiener Pensionär mit dem weißen Haarkranz und dem weißen Backenbart ist kürzlich direkt aus Chengdu nach Bamberg gereist. „Ich hatte drei Nächte kaum Schlaf“, sagt er gähnend. Wie schon in China, so ist seine Anwesenheit auch in Oberfranken unerlässlich: In Chengdu, um sich beim Konvent des World Boxing Council (WBC) für weitere vier Jahre als Mitglied in den Vorstand wählen zu lassen; in der Kunst- und Kulturstadt, um als oberster Aufseher über den Boxabend mit der Mittelgewichtsweltmeisterschaft Abraham gegen Marquez zu wachen.

          Willibald Palatin ist seit fast zwölf Jahren Präsident des Faustkämpferverbandes Austria (FVA). Und die Austrian Boxing Federation, so die internationale Verbandsbezeichnung, ist durch den Beitritt des deutschen Promoters Wilfried Sauerland mit seinen Kämpfern gewissermaßen über Nacht aus völliger Bedeutungslosigkeit zu einer der führenden nationalen Organisationen in der Welt des Berufsboxsports aufgestiegen. Die Konstellation ist kurios. Mit der Lizenz eines Verbandes, der gerade einmal einen einzigen Staatsmeister und nicht einmal ein halbes Dutzend Boxer mit österreichischer Staatsbürgerschaft vorzeigen kann, kämpfen zwei ausländische Weltmeister: der in Deutschland eingebürgerte Armenier Arthur Abraham und der Russe Nikolai Walujew.

          Sauerland hat Palatin exekutive Machtfülle aufgetragen

          Im Anti-Doping-Kampf gilt der FVA mittlerweile als führend in Europa, was angesichts der österreichischen Skandale bei den Olympischen Winterspielen und Turin und bei der Tour de France mit dem des Dopings überführten Bernhard Kohl höchst verwunderlich erscheint. Die Wiener Boxbehörde lässt seit September 2007 durch die in Bayern ansässige Firma Physical Work Control (PWC), die im Auftrag der Nationalen Anti-Doping-Agentur im deutschen Leistungssport die medizinischen Tests vornimmt, Kämpfer im Training kontrollieren – auf die Gefahr hin, dass ein Fernsehabend „Boxen im Ersten“ wegen eines positiven Befundes bei einem der beiden Hauptkämpfer kurzfristig abgesagt werden muss.

          Walujew kämpft mit österreichischer Lizenz

          Hinter den strengen Anti-Doping-Maßnahmen des österreichischen Verbandes stehen die ARD und Sauerland. Der 68 Jahre alte Manager trat Anfang 2004 nach ständigen Querelen aus dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) aus. Seit dem Wechsel seines Unternehmens „Sauerland Event“ nach Österreich – was nach europäischem Recht möglich ist – füllt der deutsche Promoter nicht nur die Wiener Kasse mit rund 80.000 Euro im Jahr an Genehmigungs- und Mitgliedsgebühren von seinen Veranstaltungen und Boxern. Sauerland hat Palatin auch exekutive Machtfülle aufgetragen. „Der FVA ist keine Notlösung mehr“, sagt Christian Meyer, der Geschäftsführer von „Sauerland Event“. „Wir haben einen Partner gefunden, der uns auf der Welt federführend begleitet. Vor allem in Sachen Doping.“

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