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Box-Weltmeisterschaft : Die große Enttäuschung der Christina Hammer

  • Aktualisiert am

Claressa Shields besiegte Christina Hammer (rechts). Bild: AFP

Unbezwungen gingen Christina Hammer und Claressa Shields in ihr Duell, das als größter Frauenkampf der Boxgeschichte galt. Die Deutsche unterliegt in Atlantic City – und ärgert sich.

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          Aus der Traum von der unumstrittenen Boxweltmeisterin Christina Hammer: Die deutsche Mittelgewichtlerin unterlag in der Nacht zum Sonntag in der Boardwalk Hall von Atlantic City der Amerikanerin Claressa Shields einstimmig nach Punkten (92:98, 92:98, 92:98) und musste ihren WBO-Titel der Rivalin überlassen. „Heute war nicht mein Abend. Aber ich komme zurück“, versicherte Hammer. Das als größter Frauen-Boxkampf gefeierte Duell hatte eine überlegene Siegerin gefunden. „Ich bin die Größte aller Zeiten. Ich besiege jede, die es mit mir aufnimmt“, schrie Shields in Ali-Manier und präsentierte die WM-Gürtel von WBA, IBF, WBC und WBO.

          Hammer zeigte zwar eine couragierte Leistung, konnte die zweimalige Olympiasiegerin aber nicht gefährden. „Ich habe nicht so reingefunden in den Kampf und konnte meinen Jab nicht wie erhofft bringen“, sagte die entthronte Championesse schwer enttäuscht. Eigentlich wollte die 1,80 Meter große Dortmunderin die sieben Zentimeter kleinere Amerikanerin mit ihren langen Armen auf Distanz halten. Gegen die dynamische und pfeilschnelle Rivalin, die ansatzlos zuschlagen kann, konnte Hammer ihre Linie aber nicht durchsetzen.

          Die bewegliche Shields wich den Schlägen von Hammer immer wieder gekonnt aus, während die 28-jährige Deutsche reichlich kassierte. Zwar hat die Amerikanerin erst neun Profikämpfe bestritten, doch die Umstellung von dreirundigen Kämpfen im Amateurlager, wo sie neben den Olympiasiegen 2012 und 2016 zwei WM-Titel eroberte, ist ihr in zweieinhalb Jahren bewundernswert gelungen. In der achten Runde sah es nach einem vorzeitigen Erfolg von Shields aus. Hammer wurde mit Schlägen eingedeckt. „Leider habe ich es nicht geschafft, sie da k.o. zu schlagen“, meinte Shields, die Mühe hatte, nach dem Kampf die schweren Gürtel der vier Top-Verbände zu halten.

          Hammer hatte nicht nur den WBO-Gürtel mitgebracht, sondern auch „den halben“ WBC-Gürtel. Den Titel hatte sie nämlich nie verloren, obwohl ihn Shields im vergangenen Herbst gewann. Weil die Dortmunderin den schon für Jahresende 2018 geplanten Kampf gegen Shields aus gesundheitlichen Gründen verschieben musste, wurde sie wie einst Vitali Klitschko zum „pausierenden WBC-Champion“ (Champion in Recess) erklärt und mit einem neuen WM-Gürtel ausgestattet. Den vakant erklärten regulären Titel sicherte sich Shields. Folglich standen sich in der Boardwalk Hall zwei WBC-Weltmeisterinnen gegenüber.

          Ob Hammer von ihrem vertraglich vereinbarten Recht auf einen Rückkampf Gebrauch machen wird, ist offen. Weil das Duell eindeutig endete, ist in einem zweiten Duell kein grundsätzlich anderer Verlauf zu erwarten. Andererseits hat Shields im Mittelgewicht kaum Gegnerinnen. Deshalb fordert sie die Fünffach-Weltmeisterin Cecilia Braekhus heraus. Da die Norwegerin im Weltergewicht (66,67 kg) boxt, Shields aber zwei Klassen höher im Mittelgewicht (72,57 kg), schlug die Amerikanerin die Mitte vor: Superweltergewicht (69,85 kg). Ob es was wird, ist unklar. Aber das Pay-TV giert bereits.

          Jack Culcay verlor derweil den WM-Ausscheid gegen den Ukrainer Segej Derewjantschenko. Der 33 Jahre alte Berliner unterlag seinem gleichaltrigen Rivalen in der Nacht zum Sonntag in Minneapolis einstimmig nach Punkten. Zwei Kampfrichter werteten das Duell 116:112, einer 115:113 für den Ukrainer. Culcay hat damit die Chance eingebüßt, um den WM-Gürtel der IBF zu boxen. Weltmeister bei der IBF ist Daniel Jacobs aus den Vereinigten Staaten, der seinen Titel am 4. Mai gegen WBA- und WBC-Weltmeister Saul Alvarez aus Mexiko verteidigen muss. Derewjantschenko darf den Sieger herausfordern. Culcay war in seiner Karriere 2017 Weltmeister, verlor den Titel jedoch im Kampf gegen den Amerikaner Demetrius Andrade.

          In dem spannenden Duell hatte Culcay den besseren Start. Doch im weiteren Verlauf steigerte sich der Ukrainer, landete mehr Treffer und übernahm die Führung. Erst in den Schlussrunden drehte Culcay abermals auf und setzte den in den Vereinigten Staaten lebenden Derewjantschenko stark unter Druck. Doch der in Ecuador geborene Deutsche konnte den Rückstand nicht mehr aufholen. „In den USA musst du den Gegner mindestens einmal zu Boden bringen, wenn du gewinnen willst. Ich war nah dran“, sagte Culcay und meinte: „Ich hatte am Ende das Gefühl, dass ich knapp vorn liege.“

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