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Box-Schwergewicht : Einsame Fäuste

  • -Aktualisiert am

Legendärer „Rumble in the Jungle”: Ali schlägt 1974 in Kinshasa George Foreman (l.) k.o. Bild: picture-alliance/ dpa

Als Boxen der Premiumklasse versteht sich das Schwergewicht. Doch wo ist die Qualität geblieben? Ali hatte Frazier, Holyfield hatte Tyson, die Klitschkos aber haben nur sich. Eine Bestandsaufnahme 50 Jahre nach Alis erstem Profikampf.

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          Sie haben exzellente Manieren, sehen blendend aus, sind gesellschaftlich anerkannt, intelligent, bärenstark - und doch sind die Klitschko-Brüder arm dran. Die Krise im Box-Schwergewicht schlägt auf sie zurück, ohne dass sie etwas dagegen tun könnten. Sie sind, dank ihrer Dominanz, Teil des Problems. Seit dem Abgang des Briten Lennox Lewis als Meister aller Klassen verbietet es sich, dem Schwergewicht weiterhin das Prädikat „Königsklasse“ zuzugestehen. Zu armselig ist das, was die Herausforderer zuletzt gegen Wladimir und Witali Klitschko zu bieten hatten. Namen wie Samuel Peter oder Shannon Briggs stehen für den untauglichen Versuch, den Ukrainern auch nur ansatzweise die Stirn zu bieten. Das Elend der fehlenden Konkurrenz ist zugleich Segen und Fluch ihrer Karriere.

          In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts läutete der Amerikaner Jack Dempsey die goldene Dekade des Berufsboxens mit legendären Duellen ein. 80.000 kamen, um Dempsey gegen den Franzosen Georges Carpentier siegen zu sehen. Mit 1.789.238 Dollar war die erste Millioneneinnahme im Boxgeschäft perfekt. Im Vorprogramm verkürzte ein Fighter die Zeit bis zum Hauptkampf, der fünf Jahre später Dempsey entthronen sollte: Gene Tunney.

          Der Mythos von Max Schmeling, des ersten und bisher einzigen deutschen Weltmeisters im Schwergewicht, ist den Duellen mit Joe Louis zu verdanken. Generationen erinnerten sich an den Volkshelden „Maxe“, weil er den „Braunen Bomber“ im New Yorker Yankee-Stadion ausknockte. Louis revanchierte sich im Juni 1936. Für patriotische Amerikaner zählte der Triumph über den „Nazi-Fighter“ mehr als Siege von Louis über James Braddock, Primo Carnera oder Jack Sharkey. Allesamt Ikonen des Preisboxens wie Rocky Marciano, George Foreman, Joe Frazier, Evander Holyfield, Mike Tyson und der selbsternannte „Größte“ Muhammad Ali.

          Max Schmeling - der erste und bisher einzige deutsche Weltmeister im Schwergewicht

          Ein Kampf im Grenzbereich zwischen Leben und Tod

          Am 29. Oktober 1960 begann in der Freedom Hall von Louisville im Bundesstaat Kentucky mit dem ersten Profikampf des Olympiasiegers von Rom der Aufstieg eines Berufsboxers, der nur wenige Jahre benötigte, um zum wohl bekanntesten Mann auf dem Planeten zu werden. Aber auch Ali wurde es nur durch epochale Schlachten wie den „Thrilla in Manila“, als er und Frazier sich im Grenzbereich zwischen Leben und Tod bewegten. Oder durch den „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa gegen Foreman. „Weit und breit nichts, was an die große Zeit der Fraziers, Nortons oder an Ali herankäme“, so blickte Wolf Wondratschek an Alis 60. Geburtstag wehmütig zurück. „Er boxte, als könne er sich im Regen bewegen, ohne nass zu werden“, charakterisierte der Schriftsteller die Künste der Legende. „Wenn ich abtrete, wird das Boxen in der Versenkung verschwinden“, gab Großmaul Ali in der ihm eigenen Diktion zum Besten.

          Als Boxen der Premiumklasse versteht das Publikum in erster Linie das Limit oberhalb von 90 Kilogramm, das Schwergewicht. Ganz in der Tradition jener Epoche vor dem ersten offiziellen Boxkampf 1718: Boxen war, wenn zwei hünenhafte Mannsbilder mit den Fäusten aufeinander losgingen. Über die Jahrhunderte ist die Chose verfeinert worden. Das Jahrhunderttalent Ali verkörperte die Perfektion im Ring: Reichweite, Schlagkraft, Schnelligkeit, dazu eine gehörige Portion Intelligenz. Doch sie bewahrte ihn nicht vor Irrtümern. Etwa vor dem, im fortgeschrittenen Alter noch einen Larry Holmes in Schach halten zu können. Bei Muhammad Alis letztem Comeback-Versuch hatte Champion Holmes als Gegner hautnah und unter Tränen miterlebt, wie sein einstiges Idol den einen Kampf zu viel machte. Es blieb nicht bei diesem einen. Rund zehn Jahre später beging Holmes gegen Mike Tyson den gleichen Fehler. Vor allem Tyson und Evander Holyfield widerlegten Alis These, wonach ohne ihn der Niedergang im Boxgeschäft besiegelt sei.

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