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Nach Hymnen-Skandal : Niedersächsischer Box-Präsident bietet Rücktritt an

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Bei einer Box-Veranstaltung in Niedersachsen kommt es zum Eklat (Symbolbild). Bild: Picture-Alliance

Auf einer Box-Veranstaltung wird bei der Nationalhymne die erste Strophe des Deutschlandliedes gespielt. Der Vorfall schlägt hohe Wellen. Und der Eklat hätte beinahe erste Konsequenzen gehabt.

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          Nach dem Hymnen-Eklat bei einer Box-Veranstaltung in Steinhude hat der Präsident des Niedersächsischen Boxsportverbandes seinen Rücktritt angeboten. Aus seinem Verband erhielt Manfred Schumann aber die volle Rückendeckung. „Unsere beiden Unterverbände haben mir ihre hundertprozentige Loyalität zugesichert“, sagte Schumann am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

          Beim internationalen Box-Vergleich am Samstag vergangener Woche, der unter dem Motto „Boxen am Meer – Sportler gegen Rassismus und Gewalt“ stand, war es vor dem Vergleich zwischen einer niedersächsischen und einer südafrikanischen Staffel zu einem Eklat gekommen. Statt der deutschen Hymne war die erste Strophe des Deutschlandliedes angespielt worden.

          „Ich stelle mich selbstverständlich vor meinen Verband. Und wenn das nun solche politischen Wellen schlägt, dann ziehe ich auch die Konsequenzen und trete sofort zurück“, sagte Schumann der „Welt“ (Montag). Sollte der Verband zu großen Schaden nehmen, wäre ein Rücktritt denkbar. Das sei aber derzeit kein Thema, sagte Schumann der dpa.

          Der anwesende deutsche Boxverbands-Präsident Jürgen Kyas war beim Anklingen des falschen Liedes empört zu den Verantwortlichen geeilt und hatte das Abspielen abbrechen lassen. „Das ist natürlich ein Skandal“, sagte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), der „Welt“: „Ich glaube auch nicht, dass man das einfach so abtun kann, da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Hier muss man auf eine Entschuldigung drängen und den Vorfall gründlich aufarbeiten.“

          Der ehemalige Hürdenläufer und CDU-Politiker Schumann betonte, er habe sich nach dem Vorfall umgehend bei allen Anwesenden entschuldigt. Er kritisierte aber zugleich, dass aus dem Vorfall nun so eine große Sache gemacht werde: „Es war ein tragisches Unglück, wenn man so will, aber ich finde es irgendwo unverständlich, dass das so hochgedreht wird. Das hat mit Rassismus gar nichts zu tun.“

          Der Inhaber der Beschallungsfirma, deren kurzfristig eingesprungenem Mitarbeiter der fatale Fehler passiert war, entschuldigte sich. Der Mitarbeiter habe es versäumt, im Vorfeld eine im Internet heruntergeladene Datei zu überprüfen. Von Vorsatz könne aber keine Rede sein. „Den Verband, allen voran Manfred Schumann, trifft nicht die geringste Schuld“, hieß es in der schriftlichen Mitteilung.

          Hinweis der Redaktion

          In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Niedersächsische Box-Präsident Manfred Schumann sei zurückgetreten. Nachdem Schumann nun die in der „Welt“ veröffentlichten Zitate gegenüber der Deutschen Presse-Agentur genauer erklärt hat, wurden die entsprechenden Passagen im Text angepasst.

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