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Herrmann und die Vendée Globe : Ein anderer Mensch

Erst der Schock, dann glücklich im Ziel: Boris Herrmann Bild: Yvan Zedda

Mission erfüllt: Der deutsche Skipper Boris Herrmann beendet die Vendée Globe als Fünfter – und lässt sich dabei auch von Einsamkeit, Höhenangst und einer Kollision nicht stoppen.

          6 Min.

          Jules Vernes Romanheld Phileas Fogg brauchte 80 Tage und 5 Minuten, um die Erde zu umrunden und dabei seine große Liebe zu finden. 80 Tage, 14 Stunden und 15 Minuten brauchte Boris Herrmann, um die Welt zu umsegeln und dabei ein anderer Mensch zu werden. Das jedenfalls waren seine ersten Überlegungen nach der Ankunft im westfranzösischen Les Sables-d’Olonne. „Die Vendée Globe hat mich verändert, ich weiß noch nicht genau wie, aber ich habe viel gelernt über die Geduld und das Vertrauen in Menschen und ins Boot. Viele Dinge kommen erst mit der Zeit“, sagte Herrmann. „Es war ja keine Lustreise, jeder Tag ist eine Herausforderung. Doch jetzt sind all die schönen Gefühle da. Es ist ein seltsames Verhältnis zwischen der Zeit und der Belohnung.“

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          Der deutsche Skipper hatte sich das Ziel gesetzt, unter die ersten Fünf zu kommen. Mission erfüllt. Es wäre aber noch mehr drin gewesen, wenn er am letzten Tag nicht mit einem Fischerboot zusammengestoßen wäre. Herrmann hatte da geschlafen – und seine Warnsysteme nicht reagiert. „Ich habe einen kleinen Albtraum erlebt“, sagte Herrmann an diesem Donnerstag auf einer Pressekonferenz. In einem Video berichtete er, dass er von einem Geräusch aufgewacht sei. „Ich schaute auf die große Schiffswand eines Fischkutters.“ Das Gennaker, das dreieckige Vorsegel, verhedderte sich im Kran des Kutters. Schließlich konnte er jedoch an dem Boot vorbei gleiten. Er habe sich angezogen und einen tiefen Atemzug genommen. Er habe das zerrissene Segel zurück an Bord geholt. „Das war kein einfacher Job“, sagte er. Auch der Bugspriet seines Schiffes wurde abgebrochen, ein Foil wurde beschädigt.

          Prinz Albert im Begleitboot

          Nach diesem Drama traf er an diesem Donnerstagvormittag im westfranzösischen Les Sables-d’Olonne ein, eigentlich war Herrmanns Ankunft schon in der Nacht zum Donnerstag geplant gewesen. Wegen des beschädigten Tragflügels musste er mit wenigen Knoten Segeln. Das Foil hatte er notdürftig mit Seilen befestigt. Er musste sich dann noch etwas in Geduld üben und vier Stunden warten, bis er nach dem Abzug der Ebbe in den Hafen des Küstenstädtchens einfahren konnte. Doch es lohnte sich, denn dann begleiteten ihn auch Damien Seguin und Giancarlo Pedote, die die Plätze hinter ihm belegten.

          Herrmanns Freude und Erleichterung war fast zum Greifen, als er von seiner „Seaexplorer“-Yacht dem Publikum am Rand des Hafenkanals zuwinkte, bengalische Rauchfeuer schwenkte und die deutsche Flagge hochhielt. Seine Frau Birte und ihre kleine Tochter hielt er nach dem Anlegen lange in den Armen. Die traditionelle Magnum-Champagnerflasche versprühte er sitzend auf den Schultern der Teamkameraden. Später sollte er sagen, dass er sich vor allem auf ein kühles Bier freue, doch nach achtzig Tagen auf hoher See nahm Herrmann auch den Champagner an. Zuvor hatte ihn schon der in einem Begleitboot angefahrene Prinz Albert von Monaco begrüßt. Dessen Neffe Pierre Casiraghi, der Vizepräsident des Yachtklubs im Fürstenstaat, für den Boris segelt, hatte Tränen in den Augen. Auch der deutsche Botschafter in Paris, Hans-Dieter Lucas, der am Vortag zur Begrüßung angereist war, am nächsten Tag aber andere Verpflichtungen hatte, schickte ein Grußwort. „Wissen Sie, dass Sie in Deutschland jetzt ein Medienstar sind“, fragte ein Journalist Herrmann. „Es wird einem einiges vermittelt, doch man spürt das eben nicht. Ich werde mir das jetzt mal anschauen“, entgegnete der Skipper mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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