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Boris Becker : Zurück in seiner Welt

Ein „Selfie“ für die „Twitter“-Gemeinde: Boris Becker spielte zuletzt nur noch auf dem Boulevard eine Rolle. Vom Sport schien der Sportheld a.D. weit weg Bild: dpa

Es ist die Tennis-Überraschung des Jahres: Boris Becker wird Trainer des Serben Novak Djokovic. Mit 46 Jahren erhält er damit die Chance, seinem Leben wieder einen Inhalt zu geben.

          Typische Redaktionsdiskussion im Jahr 2013: Sollte man vielleicht doch etwas über Boris Becker schreiben? Ist er überhaupt noch ein Fall für den Sportteil? Schwierige Frage. Becker hat in diesem Jahr ja alles noch Fehlende dafür getan, nicht mehr als der deutsche Jahrhundertsportler wahrgenommen zu werden, der er war. Sondern als Depp vom Dienst im Karussell von Privat-TV, Boulevard und Internet-„Shitstorms“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Seit diesem Mittwoch aber ist er eindeutig wieder ein Fall für den Sportteil. Da wurde bekannt, dass Becker im neuen Tennisjahr Trainer des Weltranglistenzweiten Novak Djokovic wird. Zwar spielt ein Trainer im Profi-Tennis längst nicht so eine wichtige Rolle wie in einem Mannschaftssport, gerade bei arrivierten Spielern wie Djokovic, der mit 26 Jahren schon exakt so viele große Turniere gewonnen hat wie Becker in seiner ganzen Karriere: sechs Grand-Slam-Titel, drei ATP World Tour Finals. Dennoch war die Nachricht eine riesige Überraschung, nicht nur in der Tennisszene.

          Becker hat, sieht man von zwei mageren Jahren als Teamchef der Davis-Cup-Mannschaft (1997 bis 1999) ab, schließlich noch nie als Trainer gearbeitet. Und körperlich wie feinmotorisch machte der übergewichtige Altstar, dem als Souvenirs seiner langen Karriere eine künstliche Hüfte und eine Metallschiene im Sprunggelenk geblieben sind, zuletzt nicht nur bei Spielshows im Privatfernsehen eine schlechte Figur.

          Sein in der deutschen Öffentlichkeit lädierter Ruf ist in der internationalen Tennisszene aber offenbar noch intakt. „Ich bin total begeistert, die Möglichkeit zu haben, mit Boris zu arbeiten. Er ist eine wahre Legende“, erklärte Djokovic. Becker, der erstmals bei den Australian Open im Januar den Serben betreuen wird, der dort Titelverteidiger ist, und ihn danach zu den anderen drei Grand-Slam-Turnieren und den acht „Masters-Events“ der Saison begleiten soll, teilte mit: „Ich bin stolz, dass Novak mich gefragt hat, sein Coach zu sein.“

          Boris Becker: Zuletzt hinterließ er bei seinen Auftritten einen erschütternden Eindruck Bilderstrecke

          Bietet ihm die Rückkehr in die vertraute, begrenzte Welt des Tennis die Chance, wieder eine echte Aufgabe für sich zu finden? Und von seinen Landsleuten wieder ernst genommen zu werden? Das war zuletzt nicht mehr oft der Fall. Gerade da, wo Becker sich der deutschen Heimat verbunden zeigen wollte, war die sprachliche Peinlichkeit sein steter Begleiter.

          Er war nur noch der Spielball

          Etwa, als sein unablässiges Gestammel bei „Twitter“ vor einem Jahr folgende Gestalt annahm: „Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als sie Friedensnobelpreis gewonnen hat!!!“ Oder natürlich sein erst zwei Monate altes, aber längst legendäres Bekenntnis zum Deutschsein unter Umgehung deutscher Grammatik. Er gab es auf der Frankfurter Buchmesse ab, bei der Vorstellung seiner zweiten Autobiographie: „Ich sage auch ganz klar in diesem Buch, dass ich stolz Deutscher zu bin.“ Die Häme war billig. „Wenn er so stolz Deutscher zu bin, warum nicht er Sprache lernt“, spottete Stefan Raab und fand: „Pep Guardiola kann nach vier Monaten besser Deutsch als Boris Becker nach 45 Jahren.“

          Worauf Becker, statt mit Humor oder wenigstens mit Schweigen zu reagieren, seine „Follower“ aufforderte, ihm belastendes Material über Raab und dessen Familie zu liefern.

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