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Nach Trennung von Djokovic : Vorteil, Becker

  • -Aktualisiert am

Zwei, die sich gern hatten: Novak Djokovic herzt Boris Becker nach seinem Wimbledon-Triumph vor zwei Jahren Bild: AP

Der Mentaltrainer von Novak Djokovic predigt ein Leben voller Frieden und Liebe. Boris Becker hat das Ganze eher genervt. Doch vielleicht finden die beiden in Zukunft ja noch einmal zusammen.

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          Als sich Novak Djokovic vor genau drei Jahren entschied, Boris Becker in sein Trainerteam aufzunehmen, war in Deutschland die Überraschung groß. Das Tennis-Idol hatte über viele Jahre durch die verschiedensten Irrtümer, Eskapaden, Unschicklichkeiten und irritierende Äußerungen seinen Ruf so nachhaltig beschädigt, dass er eigentlich als kaum noch vermittelbar galt. Schon gar nicht an einen der größten Spieler der Geschichte, einen, der den Ehrgeiz hatte, zum dritten Mal die Nummer eins der Welt zu werden.

          Djokovic behielt recht, auf den Trainer Boris Becker zu setzen. Mit der Unterstützung des ewigen Leimeners erreichte der Serbe alle seine Ziele, dominierte den Sport von Sommer 2015 bis Sommer 2016, als er vier Grand-Slam-Turniere nacheinander gewann und sich dabei auch den Traum vom Triumph in Roland Garros erfüllte.

          Es ging um Nuancen

          Wie groß Beckers Anteil tatsächlich war, wissen wohl nur die beiden so ganz genau. Das Tennisspielen musste Djokovic nicht mehr beigebracht werden, es ging um Nuancen im Spiel. Und es ging Djokovic um den Erfahrungsaustausch mit einem Champion, der alles schon am eigenen Leibe erfahren hatte, um eine unabhängige Expertenmeinung. Wenn man sich die Statistiken so ansieht, kann Becker nicht so ganz falsch gelegen haben mit seinen Tipps und Anregungen.

          Die Beziehung war von gegenseitigem Respekt geprägt, bis zuletzt, obwohl die Ergebnisse des letzten halben Jahres höchstens noch durchwachsen zu nennen waren. Aber das lag nicht an Becker, und das weiß auch Djokovic, der die Zusammenarbeit gerne fortgesetzt hätte. Nach der Erfüllung des Karriere-Grand-Slams in Paris zeigte der Tennis-Roboter menschliche Züge. Wohl auch auf Druck seiner Frau widmete er sich etwas mehr seiner Familie. Eine Verletzung kam hinzu, und am Ende der Saison verlor der Serbe nach 122 Wochen die Spitzenposition an Andy Murray.

          Diese Delle hat Trainer und Spieler jedoch nicht auseinandergebracht. Auch die nicht mehr ganz so konsequente Einstellung Djokovics zum Beruf war kein Trennungsgrund. Wer sonst als Boris Becker könnte dafür mehr Verständnis aufbringen?

          Am Ende erfolgte die Trennung wegen Djokovics Mentaltrainer Pepe Imaz, der immer größeren Einfluss auf den Serben gewann. Imaz versteht sich als göttliches Wesen aus Licht und Liebe, glaubt an die Wirkung langer Umarmungen und predigt ein Leben voller Frieden und Liebe. Damit traf und trifft er Djokovics Nerv, der einen Ausgleich zum Tennis-Stress sucht. Becker nervte das Ganze eher. Am Ende sah er seine Arbeit so beeinträchtigt, dass er in dieser Konstellation nicht weitermachen wollte. Und er ließ sich auch nicht umstimmen, als Djokovic noch mal anrief. Den Motivations-Guru in die Schranken weisen wollte der Tennis-Star aber auch nicht, und so kam es zur Trennung - im Guten, wie beide behaupten.

          Beckers Beharren zeigt seine Unabhängigkeit und seinen gesteigerten Marktwert. Nach vielen Irrwegen hat er bei Djokovic erfahren, wo seine Bestimmung liegt - im und am Tennis-Rechteck. Sein Wunsch, als Trainer weiterzuarbeiten, wird sich erfüllen. Es gibt nur wenige, die vermitteln können, was ein Champion vermitteln kann. Und vielleicht finden sogar in gar nicht so ferner Zukunft Becker und Djokovic wieder zueinander. Auch Murray und Ivan Lendl hatten sich zwischenzeitlich getrennt. Und erleben in zweiter Tennis-Ehe höchste Glücksgefühle.

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