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Davis Cup : Boris Becker zwischen Hand anlegen und Hand auflegen

  • -Aktualisiert am

Der Weg nach oben: Cedrik-Marcel Stebe (links) hört Boris Becker aufmerksam zu Bild: Paul Zimmer

Boris Beckers Mission leidet beim ersten Auftritt mit dem Davis-Cup-Team noch unter Befangenheit. Aber alle hoffen allein schon auf die Aura des dreimaligen Wimbledonsiegers beim Relegationsspiel in Portugal.

          3 Min.

          Der Rahmen konnte würdevoller kaum sein. Der Palácio do Marquês de Pombal de Oeiras wird zwar im Moment an ein paar Stellen restauriert, aber der Gesamteindruck des in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten Gebäudes bleibt beeindruckend. Ein wunderbarer Garten umgibt die frühere Residenz des Ersten Ministers Portugals, Sebastião José de Carvalho e Mello, der wegen seiner Verdienste um sein Land zum Marquis von Pombal und Conde de Oeiras geadelt wurde.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Der Repräsentationssaal besticht durch zahlreiche Skulpturen und ein imposantes Deckenrelief. Wo vor 250 Jahren der große Staatsmann die Geschicke Portugals lenkte, wohnt Boris Becker, der die Geschicke des deutschen Herren-Tennis lenken soll, der Davis-Cup-Auslosung bei. Das deutsche Tennis-Idol, das einst der Rote Baron genannt wurde, heißt jetzt ganz offiziell „Head of Men’s Tennis“. Zum ersten Mal tritt er in dieser Funktion beim deutschen Davis-Cup-Team auf. Er sitzt in der zweiten Reihe, neben Klaus Eberhard, dem Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes. Ab und zu tuschelt er mit seinem Funktionärskollegen, ansonsten wirkt Becker, als bewege er sich hinter einer unsichtbaren Schutzmauer, neugierige Blicke prallen von ihm ab, niemand wagt ihn anzusprechen. „Können Sie ihn mal anschubsen, damit er rüberschaut?“, wird Eberhard von einem Hobby-Fotografen gefragt. Der Sportdirektor hat Besseres zu tun.

          Die große Hoffnung

          Ganz vorne, neben dem Podium mit den Offiziellen der Verbände und Politik, sitzt das deutsche Team: Kapitän Michael Kohlmann, die deutsche Aushilfs-Nummer-eins, Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe, der zum letzten Mal vor fünf Jahren berufen wurde, sowie die Debütanten Yannick Hanfmann und Tim Pütz. Sie sollen in Lissabon gegen Portugal (Spielbeginn 12 Uhr) verhindern, dass der DTB aus der Weltgruppe absteigt. Und Boris Becker soll ihnen dabei behilflich sein.

          Die eine Hoffnung, die der Tennisbund mit der Verpflichtung des Stars verknüpfte, erfüllte sich nicht auf Anhieb. Becker sollte und soll die besten deutschen Spieler mit seinem Ruf und seiner Aura davon überzeugen, im Davis Cup ihr Land zu vertreten. Mit den Brüdern Alexander und Mischa Zverev ist er zudem bestens bekannt. Aber die beiden derzeit am höchsten plazierten Profis sagten ihre Teilnahme ab, genauso wie Philipp Kohlschreiber, weil in Portugal auf Sand gespielt wird und auf der ATP-Tour derzeit vornehmlich auf Hartplätzen. Die Umstellung könnte Plätze in der Weltrangliste kosten. Die Ziehung der Lose ergibt, dass an diesem Freitag um zwölf Uhr (MESZ) Stebe, die deutsche Nummer zwei und Nummer 90 der Weltrangliste, gegen die portugiesische Nummer eins, João Sousa, beginnt. Danach trifft Struff auf Pedro Souza, der mit seinem Namensvetter nicht verwandt ist. Für das Doppel am Samstag sind vorläufig Hanfmann und Pütz nominiert.

          Der Hoffnungsträger: Boiris Becker soll durch seine Aura wirken
          Der Hoffnungsträger: Boiris Becker soll durch seine Aura wirken : Bild: dpa

          „Michael Kohlmann hat das letzte Wort.“ Boris Becker lässt im Gespräch keinen Millimeter Spielraum, wer im deutschen Davis-Cup-Team die Entscheidungen trifft. Aber er sagt auch, dass sie schon viele gute Gespräche geführt hätten – bei den US Open, die sie beide besuchten, danach telefonisch und seit Mittwochabend in Lissabon, als Becker zum Team stieß. Reden, darin sieht der Tennis-Star seine vordringlichste Aufgabe – seinen Erfahrungsschatz teilen, Druck nehmen. „Es ist vielleicht ganz gut, dass die Spieler nicht so sehr im Fokus stehen, sondern ich. Jedenfalls bin ich der Einzige, der ein Round-Table-Gespräch führt“, sagt er selbstironisch beim Treffen mit den deutschen Journalisten.

          Beckers Erfahrung

          Einen Fotografen, den er seit seinen Jugendtagen kennt, hat er während der Auslosung sogar kurz gekitzelt, als ihm die ganze Sache zu staatstragend und langweilig wurde. Becker löst mit seinem Erscheinen Befangenheit aus, manchmal scheint ihm das zu behagen, manchmal zieht er es vor, die Situation aufzulockern. Auch die deutschen Spieler begegnen ihm noch nicht mit Natürlichkeit. Der „Head of Men’s Tennis“ bestätigt die Annahme der Journalisten: „Ja, es ist bis jetzt so, dass ich auf die Spieler zugehe und sie anspreche, nicht sie mich.“ Wenn sie von diesen Gesprächen berichten sollen, wirken die Spieler verklemmt. Nur nichts Falsches sagen.

          Am entspanntesten im deutschen Team wirkt überraschenderweise Teamkapitän Michael Kohlmann. Derjenige, der durch Beckers Berufung ganz konkret an Verantwortung und an Bedeutung eingebüßt hat. Ob er es wie Becker sieht, der die Chancen gegen Portugal auf 50 zu 50 einschätzt, wird Kohlmann gefragt. Seine Antwort: „Es wäre ein schlechter Einstand, wenn ich Boris gleich widersprechen würde.“ Und nach dem Witz führt er ganz ruhig und detailliert aus, dass Beckers Erfahrungen wertvoll seien und dass es nur auf eine gute Kommunikation ankomme, sie für das deutsche Tennis zu nutzen.

          Auch als Becker zwei Stunden später auf dem Trainingsplatz steht und entgegen allen Erwartungen den Spielern Tipps gibt und sie korrigiert, drücken Kohlmanns Gesicht und Körpersprache nur Wohlwollen aus und keinen Widerwillen. Lektionen zu geben, verhindert Beckers Körper. Nach einer Knöcheloperation benötigt er zwar keine Krücken mehr, doch er geht noch recht schleppend. Aber mit dem Schläger in der Hand kann der 49 Jahre alte Leimener schon noch deutlich machen, wie ein Schlag richtig auszusehen hat. In diesen Momenten ist von Beklommenheit zwischen Ikone und Profis nicht mehr viel zu spüren. Was wird es bringen, was kann es bringen, Beckers Engagement, das zwischen Hand anlegen und Hand auflegen anzusiedeln ist? Portugal kann die Antwort nicht geben. Für eine Einschätzung ist die Beziehung viel zu frisch.

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