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Zäsur beim Radsport-Team Bora : Topsprinter Sagan und Ackermann verabschieden sich

  • -Aktualisiert am

Peter Sagan nach einem Sturz bei der Tour de France: Für den Slowaken ist es das letzte Jahr im Trikot von Bora-hansgrohe Bild: EPA

Insgesamt 66 Siege bescherten Peter Sagan und Pascal Ackermann der deutschen Bora-Equipe. Nach fünf Jahren ist nun Schluss in Raubling für beide. Das Team richtet sich neu aus.

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          Im Jahr 2017 schlugen Peter Sagan und Pascal Ackermann jeweils ein neues Kapitel in ihrer Radkarriere auf. Der slowakische Superstar wechselte auf der Höhe seiner Schaffenskraft zum deutschen Team Bora-hansgrohe, der pfälzische Youngster startete dort zeitgleich seine Profilaufbahn. Während Sagan vom ersten Tag an das Zugpferd der jungen Equipe war und dem Zweitdivisionär schnell den Zutritt in den WorldTour-Kreis verschaffte, musste Ackermann sich noch an den Lebenswandel eines Berufsfahrers gewöhnen.

          Fünf Jahre später werden am Jahresende beide Bora-hansgrohe verlassen, wie das Team am Donnerstag mitteilte. Sagan, der Spezialist für Sprintentscheidungen und schwere Eintagesrennen, hat der Raublinger Mannschaft 28 Siege beschert, der reine Sprinter Ackermann 38. Die beiden, an Tageserfolgen gemessen, erfolgreichsten Profis brechen also auf zu neuen Ufern. Teammanager Ralph Denk bedauert die Abschiede der beiden Topkräfte, mit denen die Equipe nach seinen Angaben gerne weiter zusammengearbeitet hätte. Der Oberbayer sieht aber auch die Chancen, die sich aus dem sich nun vollziehenden großen Umbruch ergeben. „Unser Anspruch ist sehr hoch. Darum haben wir im Hintergrund auch bereits begonnen, uns für die Zukunft neu aufzustellen“, sagt Denk.

          Mehrere Jahre lang hatten die Raublinger personelle Kontinuität zu ihrem Leitfaden gemacht. Die Selbstbezeichnung als „Band of Brothers“ wäre auch unglaubwürdig gewesen, wenn jedes Jahr die halbe Belegschaft ausgetauscht worden wäre. Dazu wird es nun am Jahresende nahezu kommen. Den Teams ist es erst vom 1. August an, wenn das Radsport-Transferfenster öffnet, erlaubt, ihre – meist schon längst getätigten – Neuverpflichtungen bekanntzugeben. Dem Vernehmen nach wird der beste deutsche Rennstall künftig auf eine stärkere Rundfahrerfraktion im Kader setzen. Man soll sich mit dem Australier Jay Hindley, dem Kolumbianer Sergio Higuita und dem Russen Aleksandr Vlasov einig sein.

          Mit dem Abgang von Großverdiener Sagan werden im Budget Mittel frei. Zumal Sagan, der wohl zum französischen Team TotalEnergies wechseln wird, nur mit einer mehrköpfigen Entourage aus Betreuern und Mitfahrern zu haben ist. „Die letzten fünf Jahre waren zweifellos unter den Besten meiner Karriere, mit vielen besonderen Momenten, an die ich mich immer erinnern werde“, sagt Sagan.

          Bei Ackermann ist auch Frust dabei

          Auch wenn er in diesem und vergangenen Jahr nicht mehr oft glänzte, hat der 31-Jährige der deutschen Mannschaft große Erfolge beschert. Zum einen im Kampf um mediale Aufmerksamkeit und Zuwendungen von Sponsoren, der Währung schlechthin im Profiradsport. Zum anderen auf der Straße: Fünf Etappensiege bei der Tour de France, zwei beim Giro d’Italia sowie der Gewinn des Trikots des besten Sprinters bei beiden Landesrundfahrten, der Weltmeistertitel 2017, der Triumph bei Paris-Roubaix 2018.

          Ackermann dagegen entwickelte sich zu einem Topsprinter im Peloton und hatte seine größten Momente unter anderem 2019 beim Giro und beim Gewinn des Radklassikers Eschborn-Frankfurt. Doch obwohl von Denk versprochen, kam „Ackes“ in den fünf Jahren nicht zu seinem Tour-Debüt. In diesem Jahr wurde der 27-Jährige trotz des sprinterfreundlichen Rennprofils kurz vor Beginn ausgebootet, was Ackermann verletzte und letztlich zum Bruch führte. Der Sprinter hatte in der ersten Jahreshälfte keinen einzigen Sieg verbucht, zuletzt holte er fünf Tageserfolge bei weniger prestigeträchtigen Rennen. Ackermann wird mit dem Team UAE Emirates in Verbindung gebracht.

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