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Bode Miller : Der kontaktfreudige Einzelgänger

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Der Professionelle: Auf der Suche nach der Perfektion Bild: AP

„Das Beste aus den letzten 15 Jahren, ein wahres All-Star-Team“, nennt Bode Miller die Crew, mit der der amerikanische Fun-Ski-Perfektionist noch einmal das Maximum aus seinen Möglichkeiten herausholen will. Als Einzelgänger wie einst Marc Girardelli.

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          Das Wohnmobil war wieder da. Es stand wie vor zwei Jahren beim Ziel der Saslong-Abfahrt von Gröden. Die Bewohner waren dieselben wie vor zwei Jahren: Bode Miller, der ehemalige Weltmeister und Weltcupsieger, und Jake Serono, der Chauffeur und Koch. Bei seinem ersten europäischen Camping in diesem Winter hat Bode Miller, der im Super-G Zweiter und in der Abfahrt Achter wurde, neue Nachbarn.

          Auf der einen Seite hat sich Doris Büchel, die ihren Mann Marco während des ganzen mitteleuropäischen Winters begleitet, mitsamt Hund einquartiert, auf der anderen steht sein Hauptquartier. In diesem Bus wohnen seine beiden Trainer: Forest Carey und Mike Kenney. Carey, ein ehemaliger Rennfahrer im amerikanischen Team, lernte Miller zu seiner High-School-Zeit in der Carrabassett Valley Academy kennen. Kenney ist sein Onkel und seit langen Jahren ein einflussreicher Freund der Familie. Im Heim der beiden Trainer sind auch das Sitzungszimmer von Bode Millers Team und der Kraftraum untergebracht.

          Noch einmal das Maximum herausholen

          „Das Beste aus den letzten 15 Jahren, ein wahres All-Star-Team“, nennt Bode Miller die Crew, mit der er heuer noch einmal das Maximum aus seinen Möglichkeiten herausholen will. Als Einzelgänger wie einst Marc Girardelli, Ingemar Stenmark, Alberto Tomba und Hermann Maier. Zu seinem Stab gehört als Chef auch John McBride, der ehemalige Coach der amerikanischen Abfahrer. Weil seine Frau ein Kind erwartet, blieb er im Dezember zu Hause. Um ihn zu ersetzen, verließ sich Bode Miller auf den Tipp eines Freundes aus der Schweiz, Martin Duppenthaler, der ihm bei seinen Reisen in Europa behilflich ist. Duppenthaler empfahl ihm Fritz Züger, die beiden trafen sich vor den Weltcuprennen in Sölden und wurden sich bald einig.

          Der Vielfahrer: Spitze in allen Disziplinen

          Am Donnerstag vor einer Woche trat Züger seinen Job an. Er erhielt den Auftrag, auf der Turracherhöhe bei Bad Kleinkirchheim eine Trainingspiste zu suchen. Miller landete um acht Uhr morgens in München, sechs Stunden später stand er auf den Slalomskis und „knüttelte“, wie Züger sagt, immer und immer wieder durch die Tore. „Ich bin physisch so stark wie nie zuvor“, sagt Miller.

          Die ständige Suche nach der Perfektion

          Züger wohnt nicht in einem Camper. Er ist im selben Hotel wie die amerikanische Mannschaft, von der sich Miller gelöst hat, untergebracht. Aus administrativen Gründen, wie er sagt. Berührungspunkte zum offiziellen Team gebe es eigentlich keine. Frühmorgens verlässt Züger das Hotel, um mit den neuen Trainerkollegen im Bus zu frühstücken. Dort fühlt er sich schon nach einer Woche äußerst wohl. Es seien Leute, die so denken wie er, gute Laune versprühen, positiv denken. „In einem so kleinen Team“, sagt er, „würde man etwas anderes gar nicht ertragen.“

          Über Bode Miller kann er nach der ersten Woche „noch kein schlechtes Wort“ sagen. Er bewundert dessen Professionalität, die ständige Suche nach der Perfektion, aber auch die aufgestellte kollegiale Art.

          Wie einst Marc Girardelli

          Millers Professionalität und Engagement erinnern Züger unweigerlich an Marc Girardelli, mit dem er in einem noch kleineren Team vor über 20 Jahren unterwegs gewesen war. Damals waren sie nur zu dritt. Vater Helmut war der Boss und der Trainer; Züger war fürs Material verantwortlich. Sie präparierten Pisten, installierten Zeitmessungen, flaggten Kurse aus. Und Marc Girardelli, der als Einziger fünf Gesamtweltcups gewann, war sich nicht zu schade, Torstangen zu schleppen.

          „Auch 1987 in Crans, als er erstmals Weltmeister geworden war“, wie sich Züger erinnert. „Statt zu feiern, ging er mit 30 Kilo Slalomstangen auf dem Buckel auf den Slalomhang.“ Die Girardellis, so erinnert sich Züger, hätten stets allein trainiert. Papa Helmut wollte keines seiner Geheimnisse preisgeben, und er rastete aus, wenn sein Sohn von der Konkurrenz beim Training gefilmt wurde. „Einmal hat er einem Trainer die Kamera aus der Hand gerissen und in eine Gletscherspalte geworfen“, erzählt Züger.

          Miller braucht Fun und Perfektion

          Bei Miller ist das anders. Er sucht den Kontakt zu den anderen Teams, findet es „fun“, mit möglichst verschiedenen Kollegen zu trainieren. Im Sommer und Herbst trainierte er sowohl bei den Österreichern als auch den Schweizern als Gast mit. „Mitglied in einem Team zu sein“, sagt Miller, „hat großartige Aspekte. Aber so, wie sich die Dinge im letzten Jahr entwickelten, hatte ich keine andre Wahl, als es zu verlassen.“ So wie das die Girardellis taten, als Marc noch zur Schule ging. Die beiden wurden Luxemburger. Für Miller käme der Wechsel der Nationalität nicht in Frage. Er sei Patriot.

          Bode Miller verzieh es seinen Trainern im amerikanischen Ski-Team nicht, dass sie ihm verboten, im Wohnmobil durch Europa zu reisen und während der Rennen dort zu leben. „Sie verhinderten, dass ich mich richtig erholen, ernähren und zu jeder Zeit Krafttraining machen konnte“, sagt Miller. Was seiner Vorstellung von Perfektion widersprach.

          „Jedes Übersee-Team braucht einen Europäer“

          „Wer alle Disziplinen bestreitet, kann sich nicht den geringsten Energieverlust leisten“, sagt Züger und erinnert sich an einen Satz von Pirmin Zurbriggen. „Wenn ich die Schnallen an meinen Skischuhen schließe, fahre ich ein Rennen“, hatte der vierfache Weltcupsieger aus dem Wallis gesagt. Will heißen: Wer im Weltcupstress von Rennen zu Rennen hetzt, muss auch im Training Ernst machen.

          Züger weiß, dass sein Engagement beim amerikanischen Superstar auf den Monat Dezember befristet wird. Doch er hofft, dass er auch nach McBrides Rückkehr dabeibleiben darf. Der Trumpf, den er dabei ausspielen möchte: „Mein Netzwerk.“ In allen Skistationen kenne er alle wichtigen Leute, und das sei, um das Training zu organisieren, äußerst wichtig. „Jedes Übersee-Team braucht einen Europäer“, sagt er.

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