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Ärger um Handball-WM : „Das ist arrogant und respektlos“

  • Aktualisiert am

DHB-Vizepräsident Bob Hanning reagiert „stocksauer“ auf die Forderung, die Handball-WM 2021 abzusagen. Bild: Picture-Alliance

Die Corona-Krise erschwert die Planungen des Sports. Nun kommen aus der Bundesliga Forderungen, die Handball-WM 2021 in Ägypten abzusagen. Die Reaktion aus dem deutschen Verband ist harsch.

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          „Stocksauer und fassungslos“ hat Bob Hanning auf die Forderung aus Kiel und Flensburg nach einer Absage der Handball-WM vom 13. bis 31. Januar 2021 in Ägypten reagiert. Besonders die Begründung von Boy Meesenburg, dem Beiratschef der SG Flensburg-Handewitt, stieß dem Vizepräsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB) im Gespräch mit dem Sport Informations Dienst (sid) mächtig auf: „Es ist arrogant und respektlos, den Ägyptern abzusprechen, Hygienestandards einhalten zu können. Natürlich können sie das. Die gehen doch nicht noch im Vierfüßlerstand über die Straße.“

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          Meesenburg hatte in der „Sport Bild“ erklärt: „In Ägypten treffen sich 32 Handball-Völker aus aller Welt, teils aus Corona-Krisengebieten. Ägypten steht zudem nicht gerade in dem Ruf, die höchsten Hygienezustände der Welt zu haben.“ Diese „WM darf nicht stattfinden“, sagte er. Diese und andere Aussagen stießen nach sid-Informationen auch bei der SG selbst auf Ablehnung und Unverständnis.

          Auch Marc Weinstock, Aufsichtsratschef bei Meister THW Kiel, will die WM im Januar nicht. Der „Sport Bild“ sagte er: „Wenn ich entscheiden könnte, ob man diese WM absagen soll, würde ich sagen: Ja! Nichts gegen Ägypten, aber die Spieler müssten voraussichtlich hinterher 14 Tage in Quarantäne. Das macht überhaupt keinen Sinn.“

          „Im Rahmen der Völkerverständigung finde ich es traurig, so etwas einfach in den Raum zu stellen“, sagte Hanning zudem bei „Sport 1“. „Wenn der Weltverband eine WM vergibt und Ägypten zusichert, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dann sehe ich keinerlei Grund für eine Verlegung. Ich weiß nicht, mit welcher Arroganz wir an Themenfelder herangehen. Ich empfinde dies als unangebracht und distanziere mich davon.“

          Eine WM-Absage ist dagegen für Hanning, Geschäftsführer des Bundesligavereins Füchse Berlin, keine Option. Er ist sich vielmehr sicher, dass eine solche Forderung keine weiteren Kreise ziehen wird. „Es gibt nicht im Ansatz irgendeinen Druck, darüber nachzudenken, es wird keine Diskussion darüber geben“, sagte der DHB-Vize dem sid weiter: „Der Verband hat wirtschaftliche Zwänge und braucht die Strahlkraft seiner Nationalmannschaft.“

          Auch einem späteren Saisonstart der Bundesliga erst zum 1. Januar 2021 erteilte Hanning eine klare Abfuhr. „Wir müssen so schnell wie möglich wieder auf die Plattform. Diese Möglichkeit aus der Hand zu geben, wäre völlig verkehrt“, sagte der 52-Jährige. Die Saison der HBL soll am 1. Oktober starten, trotz steigender Infektionszahlen möglichst auch mit Zuschauern.

          „Die Formel 1 fährt, die Fußball-Bundesliga spielt – da frage ich mich schon, warum wir keinen Handball spielen sollen“, sagte Hanning.  Die Bundesliga-Spielzeit soll am 1. Oktober beginnen, bereits am 26. September ist der Supercup zwischen Meister Kiel und Vizemeister Flensburg in Düsseldorf geplant. Ob zum Saisonstart Zuschauer zugelassen sind, ist wegen der Corona-Lage derzeit ungewiss.

          DHB-Präsident Andreas Michelmann und Liga-Boss Uwe Schwenker sprachen sich vehement gegen eine Absage der Handball-WM 2021 und eine Verlegung des Saisonstarts der Bundesliga aus. „Der gesamte deutsche Handball profitiert von einer Weltmeisterschaft der Männer im Januar“, sagte Michelmann am Donnerstag und betonte: „Die Übertragungen von ARD und ZDF ermöglichen der Nationalmannschaft Spiele in der Primetime und damit Reichweiten von bis zu zehn Millionen Zuschauern. Unsere Teilnahme ist wichtig für die nationale und internationale Positionierung des deutschen Handballs und muss daher unser gemeinsamer Wille sein.“

          Schwenker erteilte der Verschiebung der Bundesliga zudem eine umgehend Absage. „Ein Saisonstart am 1. Oktober bleibt fest in unserem Fokus“, sagte der HBL-Präsident. „Wir sitzen alle in einem Boot. Sämtliche Entscheidungen wurden bis dato im Bewusstsein großer Solidarität getroffen. Diese gemeinsamen Entscheidungen besitzen weiterhin uneingeschränkte Gültigkeit.“

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