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Blutdoping-Vorwürfe : „Die Athleten tun alles für einen sauberen Sport“

  • Aktualisiert am

„Nie kommen Fakten auf den Tisch”: Skilanglauf-Bundestrainer Jochen Behle Bild: picture-alliance/ dpa

Bisher wurden die Doping-Vorwürfe um die vermeintliche Blutbank in Wien nicht konkretisiert. Der Generalverdacht schadet dem Wintersport. Pikanterweise klagt nun der DSV gegen Redakteure des Senders, der zuletzt noch Lebensretter des Verbandes war.

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          Generalverdacht als Rufschädigung: Jochen Behle fürchtet wegen der ARD-Berichterstattung über die angebliche Verwicklung seiner Schützlinge in die Blutdoping-Affäre von Wien um die Zukunft des deutschen Wintersports. „Die Athleten tun alles für einen sauberen Sport. Und dann kommen solche unbewiesenen Vorwürfe ohne Namen. Das macht die Athleten und den Sport auf Dauer kaputt“, sagte der Skilanglauf-Bundestrainer.

          Behle trainiert mit seiner Mannschaft bei minus 17 Grad und bestem Winterwetter in Canmore, doch selbst in der kanadischen Wildnis bestimmt die vermeintliche Verbindung von 20 deutschen Langläufern und Biathleten zur Firma „Human Plasma“ in Wien die Diskussionen im Team. „Das ist das achte oder neunte Mal, das deutsche Langläufer pauschal unter Verdacht gestellt werden. Aber nie kommen Fakten auf den Tisch“, schimpfte Behle.

          „Es ist ein falscher Anschein erweckt worden“

          Die Dimension der neuen Vorwürfe sei ungeheuerlich: „Da ist der Anschein erweckt worden, dass 20 Topleute betroffen sind - das wären 80 Prozent der aktuellen A-Kader im Biathlon und Langlauf.“ Der Deutsche Skiverband (DSV) müsse wegen der Rufschädigung bei seinen Partnern auch finanzielle Verluste befürchten.

          Weltmeister Axel Teichmann verweist darauf, dass die deutschen Läufer mit ihren unabhängigen Blutvolumenmessungen über das normale Maß hinaus den Antidopingkampf betreiben würden: „Es hat in unserem Sport wie in anderen Sportarten auch schwarze Schafe gegeben. Aber der Generalverdacht ist ungerecht.“

          DSV-Klage gegen den eigenen Lebensretter

          ARD-Dopingfahnder Hajo Seppelt ist zwar inzwischen zurückgerudert („Keine aktuellen Mitglieder von Nationalteams sind betroffen“), aber der Schaden sei laut Behle angerichtet. Deshalb begrüßt er auch ausdrücklich die rechtlichen Maßnahmen, die der DSV gegen die verantwortlichen Redakteure vom TV-Partner ARD eingeleitet hat: „In der Wirtschaft werden solche Leute verklagt und müssen gehen.“

          Pikanterweise ist die ARD ist mit jährlich sieben Millionen Euro für den TV-Vertrag der Lebensretter des Verbandes. Doch im Dopingfall gibt es Ausstiegsklauseln. Trotz aller gegenseitigen Beteuerungen fürchtet sich jeder in der deutschen Wintersportszene vor einem derartigen Szenario.

          „Das wäre ein Schlag ins Gesicht, keine Frage“

          „Ich bin sicher, dass es nicht so ist. Aber wenn schwarze Schafe gefunden werden, dann wäre das ein Schlag ins Genick, keine Frage“, sagt Behle. Er glaubt aber, für seine Sportler die Hand ins Feuer legen zu können - international gebe es dagegen keine Garantie. Dafür spricht schon die lange Reihe von Doping-Skandalen in der laut Dopingfahnder Werner Franke „verruchtesten Sportart nach dem Radsport“.

          Bei der WM 2001 flog die gesamte finnische Mannschaft wegen des Gebrauchs von Blutplasma-Expandern auf, ein Jahr später bei Olympia der für Spanien startende Bayer Johann Mühlegg und die ebenfalls zu Olympiagold gelaufenen Russinnen um Larissa Lasutina. Letzter trauriger Höhepunkt waren die Winterspiele 2006 von Turin, als im Ausweichquartier der österreichischen Langläufer und Biathleten ein Blutdopinglabor ausgehoben wurde.

          Unteressen liegen dem Bundeskriminalamt (BKA) bislang noch keine Hinweise auf eine mögliche Verwicklung deutscher Athleten in die Blutdoping-Affäre um ein Wiener Labor vor. Dies sagte eine BKA-Sprecherin am Donnerstag. „Wir betreiben in diesem Sachverhalt einen intensiven Informationsaustausch mit den österreichischen und italienischen Strafverfolgungsbehörden“, erklärte die Sprecherin.

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