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Bintou Schmill : Aus dem Leben einer Boxerin

  • Aktualisiert am

Schlagkräftig: Bintou Schmill Bild: Foto Dariusz Dobaj

Zu Hause ein Lämmchen, im Ring ein Monster: Bintou Schmill, in Togo geboren und in Hamburg von den Großeltern adoptiert, über ihren Weg zur Faustkämpferin, Lehrerin und Penthouse-Model.

          5 Min.

          Zum Boxen gekommen bin ich in Bremen. Im Uni-Sport konnte man beim Hallenwart Geräte ausleihen, Bälle, alles Mögliche, und sich damit in der Halle austoben. Eines Tages hat mich der Boxtrainer angesprochen. Er meinte, er hätte mich beim Badminton gesehen, und ich würde mich wie eine Boxerin bewegen. Wie eine Boxerin?

          Okay, dachte ich, probier ich mal aus! Es hat mir auf Anhieb riesig Spaß gemacht, und nach zwei Wochen Training habe ich gesagt: Ich will jetzt endlich richtig boxen, ich will in den Ring! Das ist bis heute so geblieben. Ich motiviere mich durch den Kampf. Wenn ich nicht in den Ring dürfte, würde es viel weniger Spaß machen. Man trainiert Boxen heute oft für die Fitness, ich bin da aber etwas altmodisch, ich trainiere Boxen für den Kampf.

          Das ist kein Verbrechen

          Eine Entscheidung folgt der anderen, so formt sich das Leben der Menschen. Ich bin vor 30 Jahren in Togo geboren, an der Westküste Afrikas, dort habe ich mit meiner Mutter und meinem Bruder gelebt, bis ich dreizehn war. Meine Großmutter lebte in Hamburg, sie hatte einen Deutschen geheiratet, und beide waren ohne gemeinsame Kinder geblieben. Eines Tages kam sie nach Togo und fragte meine Mutter, ob sie mich nach Deutschland mitnehmen dürfe.

          Das hört sich jetzt ein bisschen blöd an für deutsche Ohren, aber das ist ganz normal in Togo. Das ist kein Verbrechen, nichts Schlimmes, man sieht es einfach als Chance für das Kind, woanders aufzuwachsen, in einem Land, das reicher ist, mehr und bessere Möglichkeiten bietet. Und das Kind bleibt ja in der Familie, es geht nicht verloren.

          Ein Problem: das Heimweh

          Ich war dreizehn, und ich habe mich erst einmal gefreut, wie man sich auf ein großes Abenteuer freut. Aber dann war es doch ein Problem, das Heimweh nach Togo. Aber man zeigt es nicht, weil man nicht will, dass die Mama herausfindet, dass man doch Heimweh hat.

          Ich kam nach Hamburg und konnte Französisch, die offizielle Sprache in Togo. Auf Deutsch konnte ich bis zehn zählen, das hatte mir mein Großvater, der später mein Adoptivvater werden sollte, beigebracht, als er uns einmal in Togo besuchte. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn - es war nicht viel, was ich konnte, aber für eine spätere Boxerin auch kein ganz schlechter Anfang.

          Jahre voller Unsicherheit

          Meine Großeltern haben mich in Hamburg auf der Französischen Schule angemeldet. Sie waren keine reichen Leute, eher so Mittelschicht, ich habe erst viel später erfahren, was das alles gekostet hat, die französische Privatschule, es war eine ganze Menge, was meine Großeltern geopfert haben für mich. Ich hatte damals ein Touristenvisum, und schon bald begannen die Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung, nach drei Monaten sollte Schluss sein. Mir drohte die Ausweisung, aber meine Großeltern waren darauf vorbereitet, auch auf den Papierkrieg mit den Ämtern.

          „Ich motiviere mich durch den Kampf!“

          Sie ließen sich rechtlich beraten, und es war bald klar, dass die Adoption die einzige Möglichkeit für mich war, auf Dauer in Deutschland zu bleiben. Eineinhalb Jahre voller Unsicherheit, Beten und Bangen folgten, dann wurde ich ganz offiziell zur deutschen Staatsbürgerin. Meine Großeltern hatten mich adoptiert.

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