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Vorbild und Wegbereiter : Trauer über Tod von Basketball-Ikone Bill Russell

  • -Aktualisiert am

Bill Russell, ehemaliger Spieler der Boston Celtics, erfolgreichste NBA-Profi der Geschichte ist im Alter von 88 Jahren friedlich an der Seite seiner Frau Jeannine gestorben, teilte seine Familie auf seinem offiziellen Twitterkanal mit. Bild: dpa

Einer der wichtigsten Basketballer der Geschichte ist tot: Bill Russell ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Für junge schwarze Basketballer bleibt er auch nach seinem Tod unvergessen.

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          Den einen Gegner hatte er schon früh im Griff. Denn als Bill Russell Basketballspieler wurde, waren Männer wie er – 2,08 Meter groß, und lange Arme mit einer Spannweite von 2,24 Metern – noch eine Rarität. Und Spieler, die sich Gedanken über das Potential der Sportart machten, noch viel seltener. Vor seiner Zeit klebten die langen Kerls förmlich am Boden.

          Sei es nur unter dem eigenen Korb oder im Angriff, für den Trainer die taktische Parole ausgaben, sich bloß nicht mit dem Ball in der Hand in die Luft zu katapultieren und von da oben aus zu punkten. Mit beiden Beinen am Boden zu bleiben galt als sicherer.

          Sich gegen diese Konvention durchzusetzen fiel Bill Russell leicht. Als Mitglied der Leichtathletikmannschaft der University of San Francisco hatte er mit einer altmodischen Hocke im Hochsprung eine Bestmarke von 2,06 Metern erzielt. Als er 1956 nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Melbourne von den Boston Celtics in die NBA geholt wurde, entfaltete er sein besonderes Talent in der Defensive. Russell wurde mit seinen Rebounds und der Blockade von Korbwürfen zur dominierenden Figur eines Teams, das mit ihm bis zu seinem Karriereende 1969 elfmal die Meisterschaft gewann.

          Rassismus war sein schwerster Gegner

          Der andere Gegner war schwieriger zu bezwingen. Denn der Rassismus, der ihm als schwarzem Sportler in dem populären amerikanischen Mannschaftssport entgegenschlug, bestand aus Hass und Ablehnung, aus Aggressionen und verkappten Einschüchterungsversuchen. Nicht nur im Süden der Vereinigten Staaten, wo er am 12. Februar 1934 in Monroe im Bundesstaat Louisiana geboren wurde, sondern auch in Boston.

          Bill Russell (l) von den Boston Celtics wird von Trainer Arnold „Red“ Auerbach beglückwünscht, nachdem er im NBA-Spiel gegen die Baltimore Bullets im Boston Garden seinen 10.000sten Punkt erzielt hat.
          Bill Russell (l) von den Boston Celtics wird von Trainer Arnold „Red“ Auerbach beglückwünscht, nachdem er im NBA-Spiel gegen die Baltimore Bullets im Boston Garden seinen 10.000sten Punkt erzielt hat. : Bild: dpa

          Bei einem Einbruch in sein Haus, dessen Mobiliar die Täter kurz und klein schlugen, hinterließen sie an einer Wand das Wort „Nigga“. Als er sich in einem Artikel über den alltäglichen Rassismus beklagte, begann das FBI sich für ihn zu interessieren. In dessen Akten wurde er als „arroganter Neger“ geführt, der „weißen Kindern keine Autogramme gibt“.

          Um mit dieser Erfahrung innerlich zurechtzukommen, sah Russell nur eine Möglichkeit: Er betrachtete sich ausschließlich als Angestellter der Celtics und als Teil der Mannschaft. „Für die Stadt Boston und die Fans habe ich nicht gespielt.“ Die wusste auch jahrelang gar nicht zu würdigen, welche Pionierleistungen er vollbracht hatte. Wozu seine Rolle als Spielertrainer gehörte. Russell wurde der erste schwarze Coach in einer der amerikanischen Profiligen. Das strich Michael Jordan heraus, als am Sonntag bekannt wurde, dass Russell im Alter von 88 Jahren in Seattle gestorben war: „Er hat jedem schwarzen Spieler, der nach ihm in die Liga kam, den Weg bereitet und ihnen ein Beispiel gegeben. Auch mir.“

          Barack Obama, der Russell während seiner Amtszeit einen der höchsten Orden des Landes verliehen hatte, die „Presidential Medal of Freedom“, hob Russells politisches Engagement hervor. So sei der mit dem Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 nach Washington marschiert und habe Muhammad Ali unterstützt, nachdem dem Schwergewichtsweltmeister der Titel aberkannt worden war und er vor Gericht gestellt wurde, weil er den Kriegsdienst verweigert hatte. Die NBA hat schon vor mehreren Jahren sichergestellt, dass die Erinnerung an Russell, der 1975 in die Hall of Fame aufgenommen worden war, erhalten bleibt. Der Goldpokal, den der wertvollste Spieler der Finalserie jedes Jahr erhält, trägt seinen Namen: Es ist der „Bill Russell NBA Finals Most Valuable Player Award“.

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