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Bill-Gates-Tochter Jennifer : „Das hat Spaß gemacht, großen Spaß“

  • -Aktualisiert am

„Das hat Spaß gemacht, großen Spaß“: Jennifer Gates Bild: Picture-Alliance

Jennifer Gates, Tochter des amerikanischen Microsoft-Erfinders Bill Gates, ist Springreiterin und wagt sich beim Derby auch in schwere Parcours. In Hamburg ist sie erfolgreich und hat viel Freude – genau wie ihr Freund.

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          Nur am vergangenen Mittwoch hat sich der Springreiter Daniel Deußer hinten anstellen müssen: Da verbrachte er qualvolle Stunden im Stau zwischen seiner Wahlheimat nahe Brüssel und Hamburg. Danach konnte das fröhliche Vatertagswochenende beim Derby-Turnier in Klein Flottbek beginnen, mit einem Sieg zum Aufwärmen am Donnerstag und einer gewaltigen Steigerung am Samstag: Deußer gewann auf spektakuläre Weise die sechste von 20 Etappen der Global Champions Tour, 100.000 Euro Preisgeld und die Führung in der Gesamtwertung.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Und außerdem eine Erkenntnis, die seine Laune noch weiter verbesserte. Sein Pferd, die Schimmelstute Jasmien van Bisschop, ist zwar ein bisschen schwierig. Deußers belgischer Chef hatte sie schon einmal in die Vereinigten Staaten verkauft, und sie war wieder zurückgekommen, weil die dortige Reiterin nicht mit ihr zurechtkam. Das aber ist das Gute an diesem Sport, wo man sich zwar ein Stück vom Erfolg kaufen kann, aber die wahre Meisterschaft dann doch nicht: Mit Deußer im Sattel gibt die zehnjährige Stute Anlass zu ganz großen Erwartungen. Seine Stech-Runde am Samstagnachmittag gehört zum Besten, was man in diesem Jahr überhaupt in Hamburg sah.

          Perfektes Timing und ein Pferd, das konzentriert und clever die Herausforderungen annahm. Schon der Normalparcours war ein verschärfter Test gewesen mit einer dreifachen Kombination in so grellem Multicolor, dass so manches Pferd sich davon irritieren ließ. Nur vier Paare erreichten das Stechen. „Ich setze ganz große Hoffnungen in sie“, sagte Deußer, dessen Top-Pferd Tobago Z Pause hatte, über Jasmien. Sie sei auch den Belastungen eines Titelkampfes gewachsen. Ihr Alter spräche für einen Einsatz in Tokio 2020. Aber Vorsicht, das Leben ist unwägbar, und Pferde sind empfindlich. Wenn alles gutgeht, lautet der übliche Nachsatz. Formal jedenfalls ist es wieder möglich. Deußer, der zwei Jahre lang im Clinch mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung lag, ist vor kurzem zur Nationalmannschaft zurückgekehrt.

          Ein bisschen schwierig, aber sprunggewaltig: Daniel Deußer im Sattel von Jasmien von Bisschop.
          Ein bisschen schwierig, aber sprunggewaltig: Daniel Deußer im Sattel von Jasmien von Bisschop. : Bild: dpa

          So perfekt Deußers Runde auch war: Fast hätte ihn ein Ägypter auf einem mindestens so spektakulären Pferd noch eingeholt. Nayel Nassar fehlten auf dem in Westfalen geborenen und ausgebildeten Wallach Lucifer nur 23 Hundertstelsekunden zum ersten Platz. Wer den Reiter aus dem Wüstenland noch nicht kannte, erfuhr bei einem Blick auf die jüngsten Ergebnislisten aus den Vereinigten Staaten mehr. Das war kein Zufallstreffer: Nassar hat dieses Jahr mit Lucifer schon mehrere lukrative Springen dort gewonnen, zum Beispiel den Great American Million Grand Prix in Ocala in Florida. Der Braune sei gewöhnungsbedürftig, sagte der 28 Jahre alte Nassar, ein eigenwilliger Geselle, der schon einmal nach links und rechts schaue, statt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Aber er hat ihn auf seine Seite gebracht und genießt nun seine Vorzüge. „Er ist ein sehr schnelles Pferd, weil er eine große Galoppade hat und über den Hindernissen keine Zeit verschwendet.“ Da hat der Ägypter, der in den Vereinigten Staaten geboren wurde und in Kuweit seine Kindheit verbrachte, also eine spektakuläre Eroberung gemacht.

          Und das ist nicht seine einzige. Nassars Freundin ist Jennifer Gates, die Tochter des amerikanischen Microsoft-Erfinders Bill Gates, und die beiden wirken nicht, als müssten auch sie auf dem Weg zur Show über Hunderte von Kilometern im Vatertagsstau stehen. Seite an Seite genossen sie das Hamburger Turnier-Flair. Auch die 23 Jahre alte Milliardärstochter ist Springreiterin und wagte sich in schwere Parcours.

          Die Global Champions League, der dem Einzelspringen vorgeschaltete Mannschaftswettbewerb, ist der ideale Tummelplatz für sie. Das Prinzip hat der Niederländer Jan Tops erfunden: Jeweils ein potenter Geldgeber gründet eine Mannschaft. Dafür muss er fünf Millionen Euro für zwei Jahre in einen Topf zahlen, aus dem später die Preisgelder bestritten werden. Die sechs Mannschaftsreiter werden nach bestimmten Vorgaben aufgestellt, das Wichtigste aber ist: Ein Amateur ist auch dabei. Zum Beispiel die Tochter des Geldgebers. Sie kann sich dann in Gesellschaft von Profis aus den Top-Rängen der Weltrangliste im Sport messen.

          Dazu muss gesagt werden, dass einige der Reichen sich sportlich eindrucksvoll entwickelt haben. Jennifer Gates hat sich zum Beispiel in der vergangenen Saison ganz regulär für das Weltcup-Finale qualifiziert. In der Global Champions League ist sie die Managerin des Teams Paris Panthers, das in Hamburg den dritten Platz belegte. Es war ihr erster Einsatz überhaupt für die Mannschaft. Und schon landete sie auf dem Podium, gemeinsam mit ihrem Freund und Teamkollegen Nassar wurde sie Dritte – bei jeder Etappe bilden zwei bis drei Teamreiter eine Mannschaft.

          Freizeitgestaltung auf höchstem Niveau also. Nur das Öffnen von Champagnerflaschen müsse sie noch lernen, erklärte Jennifer Gates auf Instagram, nachdem sie bei der Siegerehrung ewig an dem Verschluss herumgeknobelt hatte. Klar doch, eine Champagnerdusche nach Formel-1-Vorbild gehört zum Service. Nur Tour-Erfinder Tops konnte diesmal nicht mitlachen. Er hielt sich am Wochenende in Monte Carlo auf bei der Hochzeit von Fürsten-Nichte Charlotte Casiraghi mit dem französischen Filmproduzenten Dimitri Rassam. Auch die Grace-Kelly-Enkelin ist Springreiterin.

          Seit Oktober des vergangenen Jahres wohnen und trainieren Jennifer Gates und Nassar, wenn sie in Europa sind, auf einer Farm in Turnhout in der Nähe von Antwerpen, die Bill Gates laut belgischen Presseberichten für gut drei Millionen Euro für seine Tochter gekauft hat. Trainer der beiden ist der Niederländer Harrie Smoulders, der aktuell auf Rang drei der Weltrangliste steht. Offensichtlich macht er seine Sache glänzend. Nach der Siegerehrung erschien das Paar ganz normal auf der offiziellen Pressekonferenz. „Das werden wir so schnell nicht vergessen“, sagte Nassar zu dem Gefühl, zusammen mit der Freundin auf dem Podium zu stehen. Und die meinte: „Das hat Spaß gemacht, großen Spaß.“

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