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Sydney-Hobart-Regatta : Selbst Australiens bisherige Außenministerin geht baden

Die Scallywag-Yacht aus Hongkong verlässt den Hafen für die Sydney-Hobart-Regatta. Bild: AFP

Erstmals kämpft eine reine Frauencrew um den Sieg beim Traditionsrennen vor der australischen Küste. Eine deutsche Segler-Familie überführte ihr Boot gar eigenhändig um den halben Globus.

          Am Ende ging auch die bisherige Außenministerin Australiens baden: Mit einem gekonnten Sprung in die offene See verließ Julie Bishop die Supermaxi Wild Oats X gut eine Stunde nach dem Start der diesjährigen Sydney-Hobart-Regatta. Wie geplant wurde sie von einem Schlauchboot geborgen. Bishop warb als Botschafterin für eine Yacht besetzt mit einer Crew weiblicher Segelprofis. Gewinnen werden sie wohl nicht, aber vom Start weg schlugen sie sich vorne mit den großen Favoriten des 74. Rennens, das am Zweiten Weihnachtstag traditionell aus dem Hafen von Sydney nach Tasmanien führt. In diesem Jahr treten 85 Yachten gegeneinander an, darunter auch der Deutsche Freddy Böhnert, hochsee-erfahrener Anwalt in Auszeit.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Es war ein Bilderbuchstart unter strahlendem Himmel, denn Australien wird von einer Hitzewelle geplagt. In Führung ging bei leichtem Wind zwischen 3 und 10 Knoten zunächst nicht der Favorit Comanche, sondern die australische Supermaxi Black Jack von Peter Harburg, gefolgt von Seriensieger Wild Oats XI (Oatley Familie). Durch eine riesige Flottille von Zuschauerbooten erreichte die Black Jack die entscheidende Wendemarke vor den „Heads“, dem Eingang in die Bucht von Sydney mit leichtem Vorsprung. Die folgenden Supermaxis, Boote mit einer Länge von bis zu 100 Fuß, schlossen bei halbem Wind rasch auf. Um drei Uhr nachmittags australischer Zeit führte dann die Favoritin Comanche das Feld an; alle Supermaxis segelten zu diesem Zeitpunkt schneller als der letztjährige Rekord.

          Der Rest der Flotte aber versackte zunächst in einer Flaute in Sydney Harbour und kämpfte sich nur Meter um Meter auf die offene See. Unter den zu erwarteten Bedingungen für das Gesamtrennen scheint es unrealistisch, dass der Rekord der Comanche aus dem vergangenen Jahr von einem Tag, neun Stunden, 15 Minuten und 24 Sekunden für die 628 Seemeilen lange Strecke unterboten werden wird. Als Favorit für die Handycap-Wertung der schnellsten Yacht nach einer Ausgleichsrechnung gilt der Australier Matt Allen mit seiner Ichi Ban, der im vergangenen Jahr triumphierte und seitdem alles entlang der Ostküste Australiens gewonnen hat, was zu gewinnen war.

          Spektakulär aber ist das Ringen der Supermaxis um den Titel, als erste die Ziellinie in Hobart zu queren. Über Nacht werden 30 Knoten Wind auf Raumschotskurs erwartet, der dann am Morgen des nächsten Tages abflauen soll – was die größte Hürde darstellen dürfte.

          Erste reine Frauencrew

          Die erste reine Frauencrew bei der Traditionsregatta hat damit durchaus Chancen. 13 sehr erfahrene Seglerinnen unter dem Kommando von Stacey Jackson, die schon am Volvo-Ocean Round the World Race teilgenommen hat, kämpfen auf der 66-Fuß-Maxi Wild Oats X. „Wir wollen zeigen, dass Frauen auf dem höchsten Level beim Seesegeln mitmischen können“, sagte Jackson vor dem Start. Sie selber hat schon zwölf Sydney-Hobart-Rennen gesegelt, alle Seglerinnen des Bootes zusammengenommen kommen auf 68 Sydney-Hobart-Rennen und 17 Weltumrundungen.

          Australiens ehemalige Außenministerin Julie Bishop beim Start der Sydney-Hobart-Regatta.

          Mit Katie Spithill hat Jackson eine Sportlerin aus einer der Segeldynastien Australiens an Bord, und mit der Holländerin Carolijn Brouwer die Gewinnerin des Titels der Weltseglerin des Jahres. Sie bekamen ihre Rennmaschine, die Wild Oats X, von der Familie gestellt, die das Sydney-Hobart-Rennen seit Jahren dominiert: Da die Oatleys mit der Wild Oats XI selber mit einer Profimannschaft um den Sieg kämpfen, haben sie nun zwei Boote am Start. Die Wild Oats XI ringt gegen die Supemaxis Comanche, Black Jack, Info Track und Scallywag um den Gesamtsieg.

          Mit ihm wird Böhnert nichts zu tun haben. Doch hat der Deutsche, der einst die Vorschot beim auf den Regattabahnen als verbissen gefürchteten Gerd Eiermann bediente, enorme Erfahrung. Sie wuchs noch einmal, weil er sein Boot eigenhändig von Deutschland nach Australien überführte. Seine Ehefrau Heinke ist in Seglerkreisen nicht nur aufgrund ihrer Regattaerfahrung bekannt, sondern auch weil sie als Künstlerin echte Segel in ihre Bilder integriert. Die Eltern haben ihre Kinder Inga und Arno als erfahrene Crew an Bord. Auf mehr als 18.000 Seemeilen auf dem Weg nach Sydney folgen nun die letzten gut 600 Seemeilen auf ihrer X-50 Lunatix.

          Gewinnen kann und will Böhnert nicht – aber heil ankommen. Auf dem Zubringer, zwischen der Pazifikinsel Vanatau und Australien, hatte die „Lunatix“ einen schweren Ruderschaden erlitten. Damals mussten Crew und Boot gerettet werden.

          Ein Bilderbuchstart bei strahlend blauem Himmel.

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