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Deutsche Fechter : Ausgestochen

Abgang für die deutschen Fechter: ernüchternde Resultate sorgen für bange Zukunftsaussichten Bild: dpa

Die Bilanz der deutschen Fechter nach der WM ist ernüchternd: Britta Heidemann und Co. droht ein olympiafreies Jahr. Wenn es schlecht läuft, schaffen es nur zwei Solisten nach Rio.

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          Wenn sich die Vorstellungen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière über die Zukunft des deutschen Spitzensports durchsetzen, stehen den Fechtern schwierige Zeiten bevor. „Erfolg und Misserfolg im Spitzensport misst sich an Ergebnissen“, hatte der für den Sport zuständige Minister im F.A.Z.-Interview jüngst gesagt. Intensiv gefördert werde demnach langfristig nur noch, wer auch in Form von guten Resultaten zurück zahle, so die These. Nimmt man Medaillen als Währung, dann droht den ruhm- und traditionsreichen deutschen Fechtern, dass sie auf absehbare Zeit ausgestochen werden. Bei den Weltmeisterschaften in Moskau, die am Sonntag zu Ende gingen, errangen sie gerade mal zwei Medaillen. Beide gingen auf das Konto der Dormagener Säbel-Schule von Bundestrainer Vilmos Szabo. Max Hartung gewann als Solist ebenso Bronze wie gemeinsam mit seinen Teamgefährten Matyas Szabo, Benedikt Wagner und Nicolas Limbach.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Degen- und Florettfechter blieben dagegen medaillenlos, bei Damen und Herren, in Einzel und Mannschaft. Und da sie dabei zumeist schon frühzeitig in den ersten Runden scheiterten, konnten sie sich auch keine nennenswerten Wertungspunkte für die Olympiaqualifikation sichern.

          Nur noch sehr vage Qualifikations-Chancen: Britta Heidemann
          Nur noch sehr vage Qualifikations-Chancen: Britta Heidemann : Bild: dpa

          Olympiasiegerin Britta Heidemann, 2014 noch WM-Zweite, zog nicht mal ins Achtelfinale ein. Sie scheiterte, von Achillessehnenproblemen geplagt, mit 13:14 an der Italienerin Bianca Del Carretto, der Europameisterin von 2014.

          Auch bei der von ihr angeführten Degen-Equipe kamen Pech mit der Auslosung und fehlende Nervenstärke zusammen. Mit einem einzigen Treffer (42:43) unterlagen Heidemann, Monika Sozanska und Alexandra Ndolo dem späteren Weltmeister China - allerdings schon im Achtelfinale. Da sie deshalb frühzeitig in die Trostrunde abbogen, könnten die Olympischen Spiele ganz ohne deutsche Degen-Damen über die Bühne gehen.

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          In den vier Team-Events qualifizieren sich jeweils acht Mannschaften plus Gastgeber Brasilien mit jeweils drei Fechtern, die dann auch im Einzel auf die Planche dürfen. Die restlichen acht bis zwölf Einzelplätze pro Waffengattung werden über einen komplizierten Modus verteilt und ausgefochten.

          Der viermalige Florett-Weltmeister Peter Joppich, der in Moskau immerhin noch ins Viertelfinale vorstieß, muss ebenfalls damit rechnen, Rio nur am Fernseher verfolgen zu können. Und der zweimalige Degen-Europameister Jörg Fiedler belegte Rang 39. Nicht nur für Sportdirektor Sven Ressel war die Weltmeisterschaft „ernüchternd“ verlaufen. „Wir gehen mit einer negativen Bilanz nach Hause“, sagte er. In Moskau hatten die alten Trümpfe nicht mehr gestochen, und neue waren nicht zu erkennen.

          Klinge am Hals: den deutschen Fechtern geht es an den Kragen
          Klinge am Hals: den deutschen Fechtern geht es an den Kragen : Bild: dpa

          Vor allem in den vier olympischen Teamwettbewerben, die besonders gestützt werden sollten, war die Ausbeute bescheiden. Die Florett-Herren wurden Zehnte, die Degen-Damen Zwölfte, die Säbel-Damen kamen als 15. ins Ziel. Die Degen-Herren waren als Achte noch die Besten. Und sie bewiesen immerhin Nervenstärke: Sowohl gegen Usbekistan (12:11) als auch gegen Polen (5:4) gewannen sie per „Sudden Death“.

          „Wir haben noch vier Weltcupturniere“

          Pech, dass ausgerechnet der Teamwettbewerb der Säbel-Herren 2016 pausiert. Als Einzelkämpfer dürfte Hartung gesetzt sein, Limbach, Wagner und Szabo kämpfen um einen möglichen zweiten Platz. Ansonsten drohen leere Felder auf den Meldebögen.

          Vorzeitig aufgeben ist freilich auch keine Option: „Wir haben noch vier Weltcupturniere. Wir sehen das Potential“, sagte Britta Heidemann, noch immer verhalten optimistisch. Vor den Olympischen Spielen von London qualifizierten sich die Degen-Damen schließlich auch erst mit dem letzten Treffer beim letzten Gefecht im letzten Turnier.

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