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Bikram-Yoga : Eine Fitness-Tortur bei 40 Grad

Tennisspielerin Kim Clijsters: triumphales Comeback dank Bikram Yoga Bild: REUTERS

Popstar Madonna, Modemacher Joop und die Tennisprofis Clijsters und Murray - sie alle schwören auf Bikram Yoga. „Es ist brutal“ klagt Murray, der gleichwohl gerne seine durch Yoga-Übungen gestärkten Bauchmuskeln zeigt.

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          Niemand hat die Tenniswelt in diesem Jahr derart ins Staunen versetzt wie Kim Clijsters. Wie kann es sein, fragten sich nicht nur die Konkurrentinnen, dass eine junge Mutter nach mehr als zwei Jahren Pause auf die Profitour zurückkehrt, Kraftprotze wie Serena Williams schwach erscheinen lässt und ihr Comeback mit dem US-Open-Titel krönt? Dass die Belgierin ihre viele Jahre lang eingeübten Schläge nicht von heute auf morgen verlernt haben würde, schien nachvollziehbar; aber wie leichtfüßig, wie unermüdlich sich Kim Clijsters in ihrer zweiten Karriere auf dem Platz bewegt, gilt als sensationell. Das Geheimnis ihrer Fitness hat die Flämin bisher gehütet. Dass sie mehrmals die Woche von ihrem Wohnort Bree ins hundert Kilometer entfernte Antwerpen fährt, um beim Bikram Yoga das Letzte aus ihrem Körper herauszuholen, erfährt man von ihrem Yoga-Lehrer Sameer Khan. Er habe daran mitgewirkt, dass Kim Clijsters' Comeback in New York so triumphal verlief, sagt der Inder, der die Belgierin schon jetzt für die nächste Saison trimmt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit den gängigen Lehren wie Hatha-Yoga, die hierzulande in speziellen Studios oder an Volkshochschulen unterrichtet werden, hat Bikram Yoga wenig gemein. Das sei „ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Feroze Khan, Bruder von Clijsters-Lehrer Sameer und Inhaber einer Schule in Frankfurt. Zwar besteht die neunzigminütige Einheit ebenfalls aus Asanas, doch werden die 26 Positionen in einem auf bis zu 40 Grad Celsius aufgeheizten Raum absolviert. Bikram Yoga dient nicht vorrangig der Entspannung, sondern der Ertüchtigung. Es geht nicht um Spiritualität, sondern um den inneren Schweinehund. Der Geist wird nur darin geschult, auf keinen Fall schlappzumachen, während der Körper gedehnt, gestrafft und gekräftigt wird. Bikram Yoga, sagt Feroze Khan, richte sich an „Menschen, denen Laufen, Radfahren oder Spinning zu langweilig ist“. Traditionalisten des deutschen Yogalehrer-Verbandes sprechen von „indischer Leichtathletik“.

          Bikram-Botschafter mit Schläger: Andy Murray

          Um das Fitnessprogramm, das die herkömmlichen Vorstellungen von Yoga sprengt, in Europa bekannter zu machen, kommen Studiobetreibern prominente Schüler wie Kim Clijsters gerade recht. Tatsächlich liest sich die Liste der Bikram-Jünger wie ein Who's who aus Pop, Politik und sonstiger Prominenz: Madonna und Barbra Streisand muten sich das straffe Programm mehr oder weniger ebenso zu wie Bill Clinton, Javier Solana oder Modemacher Wolfgang Joop und seine Töchter.

          Bühnenfitness dank Bikram: Madonna
          Bühnenfitness dank Bikram: Madonna : Bild: AFP

          Unter den Sportlern sind es vor allem Tennisspieler, die Bikram Yoga für sich entdeckt haben. Während Profis wie Kim Clijsters und Alexander Waske allerdings kein großes Tamtam machen, gilt Andy Murray, der derzeit viertbeste Spieler der Welt, als eine Art Bikram-Botschafter; nicht nur, weil er bei jeder Gelegenheit seine durch Übungen gestärkten Bauch- und Oberarmmuskeln herzeigt, sondern weil er ständig betont, was ihm Bikram Yoga bedeutet. „Es ist brutal, es ist grausam“, sagt der Schotte, „solange man es nicht selbst einmal gemacht hat, ahnt man nicht, wie schwierig es ist.“ Um diese Behauptung zu überprüfen, bleibt wohl oder übel nichts anderes, als selbst ein Bikram-Yoga-Studio zu besuchen.

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