https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/big-wave-surfer-sebastian-steudtner-im-interview-13571489.html

Big-Wave-Surfer Steudtner : „Meine Welle war die größte“

Sebastian Steudtner ist immer auf der Suche nach der perfekten Welle Bild: privat

Sebastian Steudtner surfte die größte Welle des Jahres. Den Weltrekord aber brach er damit nicht. Im FAZ.NET-Interview spricht der Big-Wave-Surfer über die Entscheidung der Jury und den Eklat um den „Stiefsohn von Hitler“.

          5 Min.

          Sie haben am Freitag zum zweiten Mal in Ihrer Karriere den Oscar der Wellenreiter, den XXL Global Big Wave Award für die größte gesurfte Welle des Jahres, gewonnen. Die Jury in Los Angeles gab aber auch bekannt, dass Sie den Weltrekord nicht gebrochen haben. Überwiegt die Freude oder die Enttäuschung?

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Definitiv die Freude. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, in diesem Jahr die größte Welle zu surfen, die auf der Welt gebrochen ist. Und dieses Ziel habe ich erreicht. Natürlich ist es ein bisschen schade, dass ich den Weltrekord nicht geknackt habe, aber da steckt man einfach nicht drin. Das ist die Bewertung, die hier in Amerika stattfindet. Da ist sicher auch ein bisschen Politik dabei.

          Die Welle, die Sie im Dezember vor Portugal gesurft sind, soll 21,6 Meter hoch gewesen sein. Der Weltrekord, den der Amerikaner Garret McNamara 2011 an gleicher Stelle aufgestellt hat, liegt bei knapp 24 Metern.

          Wenn man das Bild von meiner Welle mit dem Weltrekord-Bild vergleicht, besteht für mich keine Frage, dass meine Welle größer war. Die Surf-Industrie, die für die Größenmessung verantwortlich ist, ist eben komplett in amerikanischer Hand, und für die Amerikaner ist es schwer zu akzeptieren, dass der Weltrekord nach Deutschland geht.

          Sebastian Steudtner : Ein Ritt auf der Monsterwelle

          Wäre mit dem Weltrekord ein Kindheitstraum für Sie wahrgeworden?

          Mein Traum war es nie, einen Weltrekord aufzustellen. Mein Ziel war, dass ich mich in meinem Leben voll aufs Surfen konzentrieren kann. Ich habe als 16-Jähriger die Schule in Nürnberg abgebrochen und bin nach Hawaii gezogen. Für Hawaiianer ist es selbstverständlich, jeden Tag zu surfen, deswegen ist deren großes Ziel vielleicht der Weltrekord oder der Award. Den habe ich 2010 schon zum ersten Mal gewonnen und in diesem Jahr jetzt wieder. Aber mein eigentlicher Traum ist es, mich 100-prozentig aufs Surfen konzentrieren zu können. Diesem Ziel komme ich näher. Und der Weltrekord wäre nur das i-Tüpfelchen gewesen. Es bricht für mich keine Welt zusammen, weil ich den nicht geholt habe.

          2010 waren Sie der erste Europäer, der den Oscar der Wellenreiter gewonnen hat. Damals kam es bei der Verleihung zu einem Eklat.

          Ja, der Surfer, der eigentlich die Laudatio auf mich halten sollte, hat mich auf der Bühne als Stiefsohn von Hitler bezeichnet. Er war Teil einer Bewegung, die gegen meine Disziplin kämpfte: Das Tow-in-Surfen, bei dem man sich von einem Jetski in die Welle ziehen lässt. Die Surfer, die in die Wellen paddeln, standen jahrelang im Schatten der Tow-in-Surfer und haben damals versucht, an mir ein Exempel zu statuieren. Das echte Surfen wird mit den Händen betrieben, war ihre Botschaft. Für die war es auch komisch, dass ein Deutscher jetzt diesen Preis gewinnt, deswegen bot ich die perfekte Angriffsfläche.

          Bevor der Brasilianer Gabriel Medina im vergangenen Jahr Surf-Weltmeister geworden ist, hat er sich in einem Interview über Rassismus in der Szene beschwert. Amerikanische und australische Surfer würden brasilianische Surfer ausgrenzen. Spielen Nationalitäten im Wasser eine Rolle?

          Na ja, das ist wie überall. Wenn du auf eine deutsche Rennstrecke gehst und du kannst als Japaner beim Fachsimpeln nicht mitreden, dann bist du da außen vor. Viele große Surf-Events sind eben in Amerika, surfen ist außerdem so ein Cliquen-Sport. Auf der Welttour ist die amerikanische Clique wahrscheinlich die größte, und die Brasilianer haben den Ruf, im Wasser sehr aggressiv zu sein. Vielleicht werden sie dann wirklich ausgegrenzt. Für mich persönlich war das nie ein Thema, ich bin in Hawaii von einer großen Surferfamilie aufgenommen worden. Nachdem ich mich in der Familie durchgesetzt hatte, konnte ich überall surfen, wo ich wollte.

          „Nur“ 21,6 Meter: so hoch soll die Wellte gewesen sein, die Sebastian Steudtner im Dezember bezwungen hat Bilderstrecke
          „Nur“ 21,6 Meter: so hoch soll die Wellte gewesen sein, die Sebastian Steudtner im Dezember bezwungen hat :

          Gab es einen Moment, als Sie gemerkt haben, jetzt bin ich angekommen?

          Ja, das war ziemlich am Anfang. Die Hawaiianer haben mich mit zu einer Welle genommen, die eigentlich nur Einheimische surfen dürfen. Ich bin als Erster von meiner Gruppe auf dem Jetski angekommen, und es waren ziemlich krasse Typen im Wasser. Die haben mich begrüßt wie einen von ihnen. Von den Hawaiianern akzeptiert zu werden war mir immer viel wichtiger, als in der kommerziellen internationalen Surfszene anerkannt zu sein.

          Wie hart ist der Konkurrenzkampf im Wasser vor Hawaii, wenn es große Wellen gibt?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Aussichten auf Wirtschaftswachstum sehen für Deutschland im nächsten Jahr nicht gut aus.

          Konjunktur : Deutschland ist das Schlusslicht

          Kaum ein anderes Land im Euroraum hat derart schlechte Aussichten auf Wachstum. Vor allem ein Nachbarland eilt weit voraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.