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Heidler hört auf : Betty wirft den Hammer

Mit Sonnenbrille am Strand: Abschied vom Hammerwerfen Bild: dpa

Sie war nicht nur Welt- und Europameisterin ihrer Disziplin, sondern „die“ Hammerwerferin. Nun setzte Betty Heidler die letzten Würfe ihrer erfolgreichen Karriere in den Sand.

          Die letzten Versuche ihrer erfolgreichen Karriere setzte sie alle in den Sand – und war glücklich damit. Beim Werfermeeting am Strand der Nordseeinsel Borkum ließ eine Frau ihre Karriere ausklingen, die in den vergangenen zehn, zwölf Jahren zum Synonym ihrer Disziplin geworden ist. Betty Heidler hat das Hammerwerfen attraktiv gemacht wie keine Zweite. Jetzt hat die Polizeimeisterin und Jurastudentin genug von ihrer extravaganten sportlichen Leidenschaft – und den Hammer an den Nagel gehängt.

          Mit glatten 74 Metern ließ die 32-jährige Berlinerin, die seit Jahren für Eintracht Frankfurt startete, auch in Borkum noch einmal aufblitzen, wie gut sie ihr Metier beherrscht. Von „Strandparty“ wollte sie deswegen auch nichts wissen. Es sei ein letzter ernstzunehmender Wettkampf gewesen, sagte sie. Auch wenn der Wurfkäfig am Strand aufgebaut worden war, weit außerhalb von Stadien und Städten. Oder vielleicht gerade deshalb. Die Leichtathletik hat es ja nicht mehr so leicht im Wettbewerb der Sportarten, und das Hammerwerfen hat es dabei besonders schwer. Zu gefährlich, zu kompliziert, zu schwer nachvollziehbar. Kein Mensch macht ja in seiner Freizeit Hammerwerfen. Dabei ist die Wurfbewegung eine durchaus reizvolle, allerdings auch sehr komplexe Abfolge von Drehungen.

          Die Stimme der Hammerwerfer

          Betty Heidler hat sich stets für ihre Disziplin eingesetzt, dagegen gekämpft, dass sie nicht bei der Diamond League mitmischen durfte. Mit ihrer gewinnenden Art und ihrer stets klar formulierten Meinung avancierte sie in ihrer besten Zeit zu einer Stimme der Hammerwerfer. Mit ihrer roten Mähne und ihrer eleganten Erscheinung, auf die sie stets Wert legte, verschob sie zudem das Klischee der wuchtigen Hammerwerferinnen.

          Gute Perspektive: „Mein Leben wird weitergehen“

          Doch Betty Heidler hat es vor allem dank ihrer Erfolge geschafft, als Sportlerin zu einer Marke zu werden: Weltmeisterin 2007, Europameisterin 2010, Weltrekordhalterin von 2011 bis 2014, Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2012 – so die wichtigsten sportlichen Eckdaten ihrer Karriere.

          Mit ihrer Bestleistung von 79,42 Metern führte sie fast 40 Monate lang die Weltrangliste an, ehe sie von der Polin Anita Wlodarczyk um 16 Zentimeter übertroffen wurde – und das ausgerechnet im Olympiastadion von Berlin. Ihren Traum von einem 80-Meter-Wurf konnte sich Heidler nicht mehr erfüllen. Doch noch immer ist sie die zweitbeste Werferin der Welt, auch wenn Wlodarczyk mittlerweile schon mehrfach weiter warf und den Weltrekord auf sagenhafte 82,98 Meter steigerte. Ins kollektive Gedächtnis hatte Betty Heidler es vor allem durch ihre diplomatische Höchstleistung in London geschafft. Wegen eines Computerfehlers, den ein Kampfrichter ausgelöst hatte, war ihr bester Wurf auf 77,12 Meter „verlorengegangen“. Sie ließ es sich nicht gefallen, kämpfte, redete, rannte von Kampfrichter zu Kampfrichter und bewirkte schließlich, dass ihr Versuch „gefunden“ wurde und sie ihre ersehnte Olympia-Medaille gewinnen konnte.

          Schon 2004 war sie zu Beginn ihrer internationalen Karriere bei Olympia in Athen Vierte geworden, 2016 belegte sie zum Abschluss in Rio noch einmal Rang vier. Frust darüber, dass sie im letzten Versuch noch aus den Medaillenrängen verdrängt wurde, ließ sie nicht erkennen. „Ich hätte ja auch vorher weiter werfen können“, sagte sie lakonisch. Doch nicht immer konnte sie Misserfolge so einfach wegstecken. In ihrem eigentlich besten Jahr 2011 war sie nur WM-Zweite geworden, geschlagen von der Russin Tatjana Lysenko, die davor und danach jeweils Doping-Sperren absitzen musste. Man könne sich ausrechnen, ob die Konkurrentin ausgerechnet dazwischen sauber war, klagte Heidler, für die der Kampf um Anerkennung stets auch Antrieb war. Nach gut 15 Jahren Hochleistungssport ist sie allerdings des Kämpfens müde. Die EM 2018 in ihrer Heimatstadt lockte sie nicht mehr. Sie habe im Hammerwerfen alles erreicht, was man erreichen kann, schrieb sie auf ihrer Homepage. Nun wolle sie sich neu orientieren, abtrainieren, ihr Studium beenden, reisen, Freizeitsport betreiben und war sich sicher: „Mein Leben wird weitergehen.“

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