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Launische Berliner Füchse : Der Schnellkurs des Stefan Kretzschmar

  • -Aktualisiert am

Bei den Füchsen im Fokus: Stefan Kretzschmar Bild: dpa

Der neue Handball-Sportchef der Berliner Füchse knobelt an einer schwierigen Aufgabe. Bringt er den kriselnden Bundesligaklub wieder in die Spur? Dafür gilt es vor allem eine Aufgabe zu bewältigen.

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          Seinen Schnellkurs für Handball-Manager hat Stefan Kretzschmar unter realen Bedingungen schon hinter sich gebracht – das hat nur acht Wochen gedauert. Kretzschmar, seit Jahresbeginn Vorstand Sport der Füchse Berlin, hat bereits einen bekannten Spieler präsentiert, einen Trainer entlassen und einen neuen als Zwischenlösung geholt. Ganz schön was los bei den Füchsen. Und der 47 Jahre alte Sportchef ist mitten drin.

          Es ist kurios, wie die launische Mannschaft ihn zum Handeln gezwungen hat. Oft haben die Füchse exzellent gespielt – und wirkten doch nur 72 Stunden später, als hätten sie das Handballspielen verlernt. Manchmal zu Spitzenleistungen fähig, fehlte es dem Team, egal in welcher Konstellation, an Stetigkeit, um in der Bundesliga Konkurrenten wie den THW Kiel, die SG Flensburg oder die Rhein-Neckar Löwen zu attackieren. Glanzvolle Einzel-Auftritte sicherten in der jüngeren Vergangenheit immerhin Titel wie den im DHB-Pokal, die Vereins-Weltmeisterschaft oder den EHF-Cup.

          „Weltstar für Berlin“

          Kretzschmar soll dafür sorgen, dass die Füchse vom Verein für gewisse Stunden zum ernstzunehmenden Schwergewicht im deutschen Handball werden. „Unser Ziel ist es, konstant die Nummer eins oder zwei zu sein“, hat der frühere Profi gesagt. Dank Kretzschmars Ausstrahlung, Netzwerk und Erfahrung wollen die Füchse vom Sommer an den entscheidenden Schritt nach vorn bewältigen. Mit einem Vier-Jahres-Vertrag ausgestattet, ist Kretzschmar seit dem 1. Januar nicht nur für den Sport zuständig, sondern soll auch im Sponsoring und der Kommunikation mithelfen.

          Hand drauf: Trainer Roth und Sportchef Kretzschmar (rechts)
          Hand drauf: Trainer Roth und Sportchef Kretzschmar (rechts) : Bild: Imago

          Doch bis es soweit ist, strategische Pläne umzusetzen, hält der Alltag viele Aufgaben bereit. Beim 25:24 gegen den Ostrivalen SC Magdeburg Mitte Februar schienen die Füchse auf einem guten Weg. Kretzschmar hatte gerade für sein erstes Ausrufezeichen gesorgt, indem er den 2,15-Meter-Mann Dainis Kristopans nach Berlin gelockt hatte. Seit Jahren schon leiden die Füchse unter vielen Verletzten; ein Bereich, den Kretzschmar dringend analysieren sollte, denn von allen Spitzenklubs haben die Berliner seit Jahren die meisten nicht einsatzfähigen Spieler – zum Teil fünf, sechs Stammkräfte gleichzeitig. So auch jetzt. Da Fabian Wiede und Mattias Zachrisson fehlen, stand kein erstklassiger Linkshänder mehr im Kader. In Skopje bei Vardar hatte Kristopans seit Monaten kein Geld mehr bekommen. So war der Weg nach Berlin frei. Im Sommer wird Kristopans die Füchse in Richtung Paris verlassen; das war schon vorher klar. Für den Moment aber war Kretzschmar ein echter Coup gelungen. Von einem „Weltstar für Berlin“ war die Rede.

          Rätselhafte Leistungseinbrüche?

          Doch nur zwei, vier und neun Tage später landeten die Füchse hart in der Gegenwart. Erst das 25:30 in Nettelstedt gegen die Mindener, dann das 25:26 im EHF-Cup bei Logrono La Rioja, schließlich das 30:32 zuhause gegen den Tabellenletzten aus Nordhorn: Rätselhafte Leistungseinbrüche – oder ist schlichtweg nicht mehr möglich, wenn die entscheidenden Rückraumspieler Paul Drux und Wiede verletzt fehlen? An diesem Dienstag (19.00 Uhr) steht gegen den Bergischen HC die nächste Belastungsprobe an.

          Seit mehr als drei Jahren hat Velimir Petkovic die Mannschaft trainiert, dabei manche Kröte geschluckt, denn wer Bob Hanning als Geschäftsführer und Frank Steffel als Präsident über sich hat, kann nicht nach eigenem Gusto agieren. Dass sich zwischen dem alten Fuchs Petkovic und der nicht pflegeleichten Mannschaft manches abgenutzt hatte, war kein Geheimnis. Trotzdem haben die Füchse ihm einiges zu verdanken, und gern hätten Hanning und Kretzschmar die Saison mit Petkovic zu Ende gebracht, ehe im Sommer Jaron Siewert übernimmt.

          Weniger die beiden Bundesliga-Niederlagen ließen Kretzschmar aktiv werden: Ende Mai sind die Füchse Gastgeber des EHF-Final-Four. Und da wäre es eine Blamage, sollte der Ausrichter fehlen. So war es zwingend erforderlich, am Sonntagnachmittag Logrono La Rioja im Rückspiel zu bezwingen. Mit Michael Roth als kurzfristiger Lösung auf der Trainerbank gewannen die Berliner 33:26 und haben jetzt wieder gute Chancen, die Finalrunde zu erreichen – auch, weil Roth den ihm aus Melsungen bekannten und unter Petkovic kaum spielenden Linkshänder Michael Müller einwechselte, und der mit entscheidenden Toren dankte. Kristopans ist im EHF-Cup nicht spielberechtigt.

          Kretzschmar atmete durch. Es ist seine Verantwortung, dass Roth „funktioniert“. Beim Trainerwechsel sei es um den „Impuls“ gegangen, den ein neuer Mann auf der Bank einem verunsicherten Team geben könne, sagte Kretzschmar. Petkovic wollte er keine unfreundlichen Worte hinterherrufen: „Die Ausfälle von Paul Drux, Fabian Wiede und Simon Ernst können wir nicht kompensieren.“ Manchmal muss ein Sportchef auch Diplomat sein.

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