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Volleyball-Meisterschaft : Ära Berlin beginnt, Ära Moculescu endet

So sehen Meister aus: Berlin feiert den Volleyball-Titel ganz in Orange. Bild: dpa

Die Berlin Recycling Volleys sind zum siebten Mal deutscher Meister. Bei Gegner VfB Friedrichshafen endet eine große Karriere mit einer Niederlage – und einem versteinerten Gesicht.

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          Das Berliner Publikum tobte vor Begeisterung, seine Mannschaft war nur noch einen Satzgewinn vom Titel entfernt. Die Spieler der BR Volleys zappelten, sprachen, schlugen sich Bälle zu. Doch auf der anderen Seite war Schweigen. Da verweigerte Altmeister Stelian Moculescu, Trainer des VfB Friedrichshafen, seinem Team den Zuspruch. Kurz sprach er mit seinem Assistenten, dann ließ er sich mit versteinertem Gesicht auf seinem Sitz nieder: Feierabend. Es kam, was der 65-Jährige schon lange vor dem letzten Ball nicht mehr verhindern zu können schien: Er geht ohne Titel in den Ruhestand.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Berlin Recycling Volleys sind zum siebten Mal deutscher Meister geworden. Den ersten Titel holten sie 1993, dann gewannen sie 2003 und 2004. Und nun sind sie dabei, mit den Meisterschaften 2012, 2013, 2014 und 2016 eine eigene Ära zu prägen. Zu ihrer Freude trug bei, dass sie den Titel zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder zu Hause holten. Entsprechend zurückhaltend hatten sie sich über die Aussichten am Sonntag geäußert. „Wir müssen jetzt noch einmal alles in die Waagschale werfen. Wir sind noch nicht am Ziel“, hatte Mannschaftskapitän Robert Kromm gewarnt – und damit auch das Publikum herausgefordert.

          Bei strahlender Sonne über Berlin kamen reichlich 8000 Zuschauer in die Max-Schmeling-Halle am Mauerpark in Prenzlauer Berg, um ihre Mannschaft in der entscheidenden Partie zu unterstützen – und wurden bestens unterhalten. Das erste Spiel der Finalserie hatten die Berliner 3:1 (25:21, 25:23, 23:25, 25:19) gewonnen, im zweiten, am Donnerstag in Friedrichshafen, wehrten sie zwei Matchbälle ab und siegten 3:2 (13:25, 25:21, 25:23, 18:25, 19:17), und nun fegten sie die Mannschaft vom Bodensee mit einem 3:0 (26:24, 25:16, 25:21) aus der Halle.

          Stelian Moculescu (links) geht mit einer Niederlage in den Trainer-Ruhestand.
          Stelian Moculescu (links) geht mit einer Niederlage in den Trainer-Ruhestand. : Bild: dpa

          Mit der Verpflichtung des italienischen Trainers Roberto Serniotti, der am Sonntag Geburtstag hatte, mit seinem japanischen Assistenten Koichiro Shimbo sowie fünf neuen Spielern sollte ein Neubeginn bei den Volleys einhergehen. Daraus wurde eine Saison im Triumph: Das Team mit dem Berliner Kromm, dem Australier Paul Carroll, dem Franzosen Nicolas Le Goff, dem Amerikaner Paul Lotman, dem kroatischen Zuspieler Tsimafei Zhukouski sowie Libero Eric Shoji aus Hawaii wurde Pokalsieger, gewann den europäischen CEV-Pokal gegen das russische Team Ugra Surgut und holte nun die Meisterschaft zurück nach Berlin.

          Ein solches Triple ist einmalig im deutschen Volleyball. Welch ein Gegensatz zum vergangenen Jahr. Da hatte Berlin ebenfalls nach 2:1 Siegen das entscheidende Spiel zu Hause – und verlor dieses und das nächste; auch den Pokalsieg hatte das Team verpasst. Mit der Veranstaltung des Final-Four-Endturniers der Champions League und der damit verbundenen Teilnahme daran hatten die Volleys ihre Ziele aber erreicht und der europäischen Spitze schon mal ihre Aufwartung gemacht. Das zahlt sich nun aus. Keine deutsche Mannschaft ist so selbstsicher und so nervenstark wie die aus Berlin.

          Mit dieser Finalserie ist auch die Ära Moculescu zu Ende gegangen. 1972 als Nationalspieler Rumäniens zu den Olympischen Spielen nach München gekommen und in Deutschland geblieben, hat er in mehr als vierzig Jahren als Trainer seinen Sport in Deutschland geprägt. 18 Mal gewann er die Meisterschaft, 19 Mal den Pokal und mit Friedrichshafen 2006 sogar die Champions League. Mehr als zehn Jahre lang arbeitete er als Bundestrainer.

          Seit er 1997 nach Friedrichshafen ging, holte Moculescu alle Meisterschaften – es sei denn, Berlin gewann. Noch im vergangenen Jahr war er mit dem VfB Friedrichshafen Meister und Pokalsieger. „Wenn du im deutschen Volleyball etwas erreichen wolltest, musstest du besser sein als Stelian Moculescu“, rief der Berliner Manager Kaweh Niroomand diesem nach. „Er wird der Bundesliga fehlen, vor allem uns als Antreiber und Gegenpol.“

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