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Berlin erfüllt die Mission : Der Sehnsuchtsort des Volleyballs

Spektakulär erfolgreich: Berlin Volleys Bild: dpa

Die Berlin Volleys spielen spektakulär, erfolgreich und wirken der Bundesliga ein wenig entwachsen. Zudem spielt der Klub auch in der Berliner Gesellschaft eine Rolle – und das ist der Verdienst eines besonderen Machers.

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          Den entscheidenden Punkt zum Sieg der Berlin Volleys im fünften Satz des fünften Spiels der Playoffs erzielte Moritz Reichert. Der Nationalspieler verwandelte, vor dem Publikum des VfB Friedrichshafen und nach zweieinhalb Stunden Spielzeit, den ersten Matchball mit einem Ass. Da stand es dann 16:14, und auf einen Schlag war die Saison vorüber. Die Berliner hatten erfüllt, was sie ihre „Miss10n“ nannten: den zehnten Titel gewonnen, den siebten in den vergangenen acht Jahren, den vierten hintereinander und den dritten in Folge beim Rivalen am Bodensee. Spannender und auch deutlicher konnte es das Team aus Berlin nicht machen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wenn dieser Sport größere Resonanz hätte, könnte man die Berlin Volleys den FC Bayern des Volleyballs nennen. Die Mannschaft spielt erfolgreich, sie spielt spektakulär, und sie wirkt der Liga ein wenig entwachsen. Als es in der vergangenen Saison nicht lief, holten die Volleys Stelian Moculescu aus dem Ruhestand nach Berlin – den langjährigen Friedrichshafener Trainer. Als es in diesem Jahr rumpelte, verstärkte überraschend der russische Weltklasse-Zuspieler Sergej Grankin das Team. Dessen Spiele wollen so viele Zuschauer sehen wie nirgendwo sonst in der Bundesliga. Mit einem Zuschauerschnitt von reichlich fünftausend sind die Volleys europäische Spitzenklasse. Zum letzten Heimspiel der Saison kamen achteinhalbtausend Besucher.

          Über Show und Erfolge der Volleys hinaus ist die Schmeling-Halle, in der sie spielen, in diesem Jahr zum Sehnsuchtsort des europäischen Volleyballs geworden. Am kommenden Wochenende finden dort die Super-Finals statt, die Endspiele der Frauen und der Männer in der Champions League.

          Wie in Europa spielt der Klub auch in der Berliner Gesellschaft eine Rolle. Ob die Volleys Sponsoren und Publikum zum Charity-Tag bitten oder sich mit einer eigenen Veranstaltung für die Obdachlosenhilfe im Bahnhof Zoo engagieren, auch dabei sind sie erfolgreich. Auch für das Credo, dass der Sport noch längst nicht die Rolle in der Zivilgesellschaft spielt, die ihm zusteht, steht ein Mann: Kaweh Niroomand. Der im Iran geborene und in Westfalen aufgewachsene Unternehmer ist viel mehr als der Geschäftsführer des Klubs. Er ist Motor der Volleys, bestimmt deren Richtung und öffnet Türen.

          Im Präsidium des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, als Sprecher der Berliner Profiklubs und als Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes vertritt er sportlichen Ehrgeiz ebenso wie die gesellschaftliche Verantwortung des Sports. Selbst da sein Klub gerade die „Miss10n“ erfüllt und die zehn vollgemacht hat, wirkt Niroomand wie jemand, der sich mit dem Erreichten aus Prinzip nicht zufrieden gibt. Man wird sich auf die nächste Volleyball-Saison freuen dürfen. Und die Frage stellen, ob es nicht weitere Missionen im deutschen Sport gibt für Mister Volleyball aus Berlin.

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