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Saudi-arabische Bergsteigerin : „Ich will von Siegerinnen hören“

Raha Moharrak beim Eisklettern Bild: Zhi Yuen Yap

Raha Moharrak war die erste saudische Frau auf dem Mount Everest. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über den Wert von Sport für Mädchen in der islamischen Welt und den Streit mit ihrem Vater.

          7 Min.

          Raha Moharrak ist 31 Jahre alt und war im Jahr 2013 als erste Frau aus Saudi-Arabien auf dem 8848 Meter hohen Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde. Von den „seven summits“, den höchsten Bergen der sieben Erdteile, hat sie sechs bestiegen, am Denali in Alaska ist sie bislang gescheitert. Raha Moharrak studierte an der American University in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und bekam dort nach einem Jahr ein Volleyball-Stipendium. In ihrem Heimatland ist Mädchen der Weg in den Mannschaftssport verschlossen. Ihnen wird einzig Judo, Laufen, Reiten und Fechten im wahhabitisch geprägten Königreich, in dem das Prinzip der gesetzlichen männlichen Vormundschaft gilt, gestattet. Schulsport ist im Lehrplan weiterführender Schulen für Mädchen weiterhin nicht vorgesehen und wird nur vereinzelt von Privatschulen angeboten.

          Erst im Jahr 2012 nahmen erstmals Frauen mit saudi-arabischen Pass an Olympischen Spielen teil. Jüngere Mitglieder des Königshauses al Saud wie der stellvertretende Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammad bin Salman al Saud versuchen sich derzeit an einer vorsichtigen gesellschaftlichen Öffnung des Sports. Vor kurzem wurde die Eröffnung von Fitness-Studios für Frauen für zulässig erklärt. Dort dürfen allerdings keine Spielsport- und Mannschaftssportarten angeboten werden. Eine jüngste Studie hat ergeben, dass sieben von zehn Menschen in Saudi–Arabien übergewichtig sind. 37 Prozent der Frauen haben demnach auf Grund von Übergewicht mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die Zahl der von Diabetes Betroffenen hat demnach in den vergangenen zehn Jahren um dreißig Prozent zugenommen.

          Welche Erinnerung haben Sie an Ihre Kindheit?

          Ich habe mich immer ein bisschen anders gefühlt. Ehrlich gesagt: ganz anders. Ich bin in eine Mädchenschule gegangen, wie alle in Saudi-Arabien. Diese Schulen sind alle sehr ähnlich. Aber mir haben immer Dinge gefallen, die Jungs gemacht haben: Sport. Auf Bäume klettern. Auto fahren. Reiten. Außerdem habe ich deutlich meine Meinung gesagt und wollte lieber Hosen als Kleider tragen. Als Teenager hatte ich oft Ärger in der Schule.

          Sport ist für Mädchen im Lehrplan auf weiterführenden Schulen gar nicht mehr vorgesehen. Gibt es Möglichkeiten für Mädchen, in Saudi-Arabien Sport zu treiben, ohne dass es jemand merkt?

          Das ist sehr schwierig. Erstens muss man außer Haus die Abaya tragen, und vollverschleiert Sport treiben ist praktisch unmöglich. Reiche Leute können sich die Mitgliedschaft in Fitnessstudios leisten – bislang war das nicht erlaubt, soll sich aber bald ändern. Bisher geht man in ein Friseurstudio oder Beauty-Salon, vorne sitzt die Omi und lässt sich die Haare machen, und dann geht man durch eine Tür nach hinten durch und steht in einem Underground-Fitnessstudio. Oder einer Underground-Ballettschule. Da hat meine Mutter mich hingeschickt, weil ich hyperaktiv wurde als Kind. Und ich durfte reiten. Eine Stunde außerhalb Dschiddas, wo ich aufgewachsen bin, gibt es einen Reitstall, wo sonst niemand ist.

          Werden diese Orte toleriert von den Behörden?

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