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Bergsteigen : Und jetzt der Kangchendzönga

Am Shisha Pangma: Gerlinde Kaltenbrunner Bild: Ralf Dujmovits

Die Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner tut einfach, was ihr am meisten Spaß macht im Leben. Daß sie dabei außergewöhnlich gut ist, die Beste der Welt womöglich - schön. In diesen Tagen versucht sie ihr Glück an einem weiteren Achttausender. Es wäre ihr neunter.

          5 Min.

          Sie starteten um zehn Uhr abends, auf 6.300 Meter. Die Stimmung war gut, das Wetter perfekt. Es war viel Neuschnee gefallen. Viel kräfteraubende Spurarbeit würde nötig sein. Gerlinde Kaltenbrunner stapfte voran. Wühlte sich durch teils hüfthohen Schnee nach oben, Stunde um Stunde, auch dann noch, als die meisten anderen der sechzehn Bergsteiger schon den Rückzug angetreten hatten.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am Ende war jeder Schritt ein Kraftakt. Allein die letzten dreißig Meter kosteten sie eineinhalb Stunden. Gegen zwei Uhr nachmittags stand Gerlinde Kaltenbrunner auf dem Gipfel des Gasherbrum II (8035 Meter), zwei Italiener folgten wenig später. Es war ihr achter Hauptgipfel der 14 Achttausender. Der Abstieg war nicht weniger aufreibend. Beim Spuren hatte sie sich die Zehen angefroren. Also stieg sie die ganzen 3000 Höhenmeter ins Basislager ab. Als sie ankam, war sie dreißig Stunden unterwegs gewesen.

          Der Himalaya auf einer Dachterrasse in Neckarau

          Mit Touren wie dieser hat sich die 35 Jahre alte Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner aus Österreich in den letzten Jahren viel Respekt erarbeitet - sogar unter den Männern, den Abenteurertypen mit Vollbärten und von der Höhensonne bronzen getönten Gesichtern. Nun sitzt da also Gerlinde Kaltenbrunner, es ist ein Frühlingsnachmittag in Mannheim, wenige Stunden vor einem ihrer Vorträge, für die sie durch Deutschland und Österreich gefahren ist. Sie erzählt von ihren Erfahrungen wie am Gasherbrum II, von der "traumhaften Vollmondnacht", in der sie damals ins Basislager abstieg, von dem "großartigen Erlebnis" am Nanga Parbat, im "kitschig schönen Basislager" mit den leuchtend-grünen Wiesen, den blühenden Schlüsselblumen, dem rauschenden Bach. Es klingt fast so, als erzähle sie diese Geschichten zum erstenmal, als sei sie schnurstracks aus dem Karakorum nach Mannheim gekommen und nicht über die Autobahn5 aus dem Schwarzwald, wo sie zu Hause ist. Und für kurze Zeit wird sogar hier, auf einer Dachterrasse im Industriegebiet von Neckarau, über Gleisfeldern, Parkflächen und Fabrikhallen, die Faszination der Felsriesen des Himalaja lebendig.

          Am Anfang ihrer grenzenlosen Bergbegeisterung stand ihr Gemeindepfarrer. In Spital am Pyhrn war das, in Oberösterreich. Der Pfarrer war passionierter Bergsteiger und Kletterer. Sonntags nach dem Gottesdienst zog sie mit ihm in die Berge. Von Sport konnte sie damals nicht genug kriegen. Leistungsturnen, Schwimmen, Mountainbike, Skifahren. Sie besuchte ein Ski-Internat in Windischgarsten, war eine der besten Rennläuferinnen ihrer Altersklasse - bis sie genug hatte vom Konkurrenzkampf mit den Mitschülerinnen, die ihre Freundinnen waren, bis es auf die Skipiste ging. Mit sechzehn besuchte sie einen Vortrag über eine österreichische Expedition zum K2. Ihr war klar: "Da will ich hin." 1994, mit 23 Jahren, wurde der Achttausendertraum Wirklichkeit, am Vorgipfel des Broad Peak (8.027 Meter). Das Erlebnis war überwältigend.

          Der Kopf entscheidet

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