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Tennis : Berdych frischt seine Liebe zum Gras auf

  • -Aktualisiert am

Geschafft! Tomas Berdych freut sich Bild: REUTERS

Tomas Berdych hat das Tennisturnier in Halle Westfalen gewonnen. Im Finale besiegte der Tscheche das Geburtstagskind Marcos Baghdatis aus Zypern in zwei Sätzen. Aus „Klein-Wimbledon“ berichtet Wolfgang Scheffler.

          3 Min.

          Im Vorjahr hat Tomas Berdych in Halle seine Liebe zu Gras entdeckt: „Ich habe vorher nie gedacht, dass Rasen ein guter Boden für mich sein könnte und ich im Endspiel stehen würde. Aber seitdem weiß ich, dass ich sehr gut auf Gras spielen kann.“

          Vor zwölf Monaten stand ihm im Finale Roger Federer gegenüber. Wie alle anderen Konkurrenten war er gegen den Schweizer Maestro machtlos, auch wenn er sich drei Sätze lang tapfer wehrte. In diesem Jahr fehlte der Primus erstmals seit vier Jahren beim deutschen „Klein-Wimbledon“ in Ostwestfalen. Er hatte kurzfristig abgesagt, um sich von den Strapazen eines weiteren vergeblichen Anlaufs auf den French-Open-Titel zu erholen. Der 21-jährige Wahl-Monegasse Berdych nutzte die Abwesenheit des Rasenkönigs. Er gewann das Endspiel der Gerry Weber Open gegen den Zyprer Marcos Baghdatis 7:5 und 6:4.

          Gleich den ersten Matchball genutzt

          Berdych geriet im Finale nur einmal in die Bredouille. Beim Stand von 4:5 musste er bei eigenem Aufschlag zwei Satzbälle abwehren. Er tat das, so wie er die ganze Woche agiert hatte: mit druckvollen Schlägen von der Grundlinie. Wenig später schaffte er das Break zum 6:5. Berdych knöpfte Baghdatis gleich zu Beginn des zweiten Satzes noch einmal den Aufschlag ab. Von da an herrschte über den Ausgang des Finales kein Zweifel mehr. Der 1,95 Meter große Tscheche dominierte klar und nutzte nach 80 Minuten gleich seinen ersten Matchball.

          Die 96.000 Euro Siegprämie für seinen dritten Turniersieg, nach den Erfolgen auf Sand in Palermo und den Sieg beim Hallenmasters in Paris-Bercy, dürften seine Zuneigung zum grünen Naturboden noch kräftig weiter gesteigert haben. Baghdatis musste sich mit 56.500 Euro Preisgeld und einer Torte trösten, die ihm die Veranstalter nach dem Match auf den Platz tragen ließen – wenigstens ein kleiner Trost nach der verpatzten Party zum 22. Geburtstag, zumal die 12.000 Fans im vollbesetzten Gerry Weber Stadion in das Geburtstagsständchen „Happy Birthday to you“ einstimmten.

          Ohne Satzverlust

          Während der Weltranglistendreizehnte Berdych auch im Finale ohne Satzverlust blieb, konnte sich der fünf Plätze tiefer eingestufte Zyprer damit trösten, dem deutschen Heimpublikum getrotzt zu haben. Der Bayreuther Florian Mayer, der mit dem Sieg gegen den russischen Weltranglistendritten Nikolai Dawidenko überrascht hatte, und der Augsburger Philipp Kohlschreiber der den amerikanischen Weltranglistenachten James Blake im Viertelfinale aus dem Turnier geworfen hatte, fanden jeweils in dem Mann von der Mittelmeerinsel ihren Meister – obwohl sowohl Linienrichter als auch die Fans die deutschen Lieblinge unterstützten.

          Tragisch nahm das vorzeitige Scheitern keiner der beiden Deutschen. Beide freuten sich, vor dem kommenden Montag beginnenden Saisonhöhepunkt in Wimbledon mit Erfolgserlebnissen ihr Selbstvertrauen gestärkt zu haben. Mayer spielt in dieser Woche beim Challenger in Braunschweig – auf Asche: „Ich brauche nur ein, bis eineinhalb Stunden, um mich von Sand auf Rasen umzustellen.“ Kohlschreiber bleibt auf Gras. Er bereitet sich in s‘Hertogenbosch vor: „In Holland werde ich ein bisschen lockerer in die Spiele gehen und versuchen, mich ein wenig zu erholen.“

          Zuschauer kommen in Scharen

          Für Wimbledon allerdings gibt Kohlschreiber den Kollegen wenig Chancen, Federer zu entthronen, und steigert so gar, was nicht zu steigern ist: „Roger ist, besonders auf Rasen, der kompletteste Spieler. Er wird wieder gewinnen.“ Die Trainingskollegen Mayer und Kohlschreiber, aber auch der Saarländer Benjamin Becker sorgten mit ihren Erfolgen dafür, dass Federer in Halle kaum vermisst wurde. „Es hat sich ausgezahlt, dass wir auf die deutsche Karte gesetzt haben“, frohlockte Turnierdirektor Ralf Weber.

          Wie im Vorjahr kamen wieder über 100.000 Zuschauer – diesmal waren es 101.800 – zu den Matches. Seit dem Debüt des Turniers im Jahre 1993 haben mehr als 1,54 Millionen Fans das ständig erweiterte Stadion besucht, um Weltklassetennis zu sehen. Etienne de Villiers, der Chef der ATP Tour, hält Halle für ein Musterbeispiel dafür, wie man Tennis modern vermarkten kann.

          Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Musik, Comedy, als Höhepunkt für die jungen Fans der neue „deutsche Superstar“ Mark Medlock und für die VIPs eine Koch-Show mit Johann Lafer locken auch Leute auf die Anlage, die nicht zu den so genannten „Hardcore-Fans“ zählen. Aber auch diese Kerngruppe soll auch im kommenden Jahr bedient werden. Federer hat bereits sein Kommen zugesagt.

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