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Diamond League : Letzter Zahltag Brüssel

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Bei der Europameisterschaft in Amsterdam freute sich Stabhochspringerin Lisa Ryzih über Silber. Bild: dpa

Beim Finale der Diamond League warten 640.000 Dollar im Jackpot auf 16 Sieger. Als einzige deutsche Leichtathletik-Botschafterin ist Stabhochspringerin Lisa Ryzih dabei.

          Großer Dollar-Regen zum Saisonabschluss im König-Baudouin-Stadion: Beim Finale der Diamond League greifen die Leichtathleten noch einmal nach dem Jackpot. Jeweils 40.000 Dollar (36.000 Euro) liegen für die 16 Disziplin-Gesamtsieger der globalen Premium-Serie im Safe. Weitere 30.000 Dollar werden an die acht Top-Plazierten der Tageswertung ausgeschüttet, alleine 10.0000 Dollar erhält der Brüssel-Sieger.

          Von den dicken Schecks konnten die deutschen Athleten im siebten Jahr der Welttour diesmal allerdings nur träumen. Weil auch Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler den Jackpot Anfang September in Zürich knapp verpasste, endet de Diamanten-Liga erstmals seit sechs Jahren ohne deutschen Gesamtsieger.

          Kugelstoßerin Christina Schwanitz hatte im vergangenen Jahr den Jackpot geknackt, 2014 war dies damals überraschend Röhler gelungen. In der gleichen Disziplin hatte 2011 schon Matthias de Zordo gewonnen. Christina Obergföll, die soeben beim Istaf ihre erfolgreiche Speer-Karriere beendete, entschied sogar zweimal die Serie für sich (2001 und 2013). Gar dreimal nacheinander von 2011 bis 2013 hatte Silke Spiegelburg den Jackpot der Stabhochspringerinnen gewonnen.

          Olympiasieger Thomas Röhler verpasste als zweiter beim Istaf in Zürich knapp den Gesamtsieg.

          In diesem Jahr ist die deutsche Leichtathletik weit davon entfernt, große Sprünge zu machen. Von den 168 Athleten, die am Donnerstag (Kugelstoßen Frauen) und Freitagabend in den 16 Jackpot-Disziplinen in Brüssel starten, kommt eine Einzige aus Deutschland: Stabhochspringerin Lisa Ryzih.

          Die EM-Zweite von Amsterdam kann sich aber bestenfalls um das Platzgeld bemühen. Der Jackpot in ihrer Sparte ist längst vergeben: Olympiasiegerin Ekaterini Stefanidi hat in dieser Saison das Stabhochspringen beherrscht. Sie gewann vier der bislang sechs Diamond-League-Meetings und wurde zudem Europameisterin. Die Griechin hat die 40.000 Dollar für den Gesamtsieg schon sicher – und dazu die begehrte Wild Card für die WM 2017 in London.

          Die Überfliegerin der Saison: die Griechin Ekaterini Stefanidi gewann 2016 alles,was zu gewinnen war

          „Froh über EM-Silber und das Olympia-Finale“

          Das diesjährige Erfolgsbilanz der EM-Zweiten Ryzih ist in der Diamond-League dagegen überschaubar: Fünfter Platz in Rabat, zwei Punkte, 2500 Dollar. Doch die 27-Jährige vom ABC Ludwigshafen ist mit sich im Reinen – auch ohne Gold und Geld. „Platz zehn in Rio war im Großen und Ganzen schon eine Enttäuschung für mich. Aber der Silberglanz überstrahlt die Saison, ganz klar“, sagte Ryzih der Deutschen Presse-Agentur. „Brüssel ist einfach noch mal ein wichtiger Wettkampf für mich. Da will ich meine Leistung bestätigen. Es geht weiter!“

          Große Sprünge kann sie auch künftig nicht machen – zumindest, wenn sie auf ihre Kontoauszüge guckt: 300 Euro bekommt Ryzih als A-Kader-Athletin von der Sporthilfe; 400 Euro Stipendium fallen mit dem Uni-Abschluss als Diplom-Psychologin weg. „Ohne die Unterstützung des Landesportbundes Rheinland-Pfalz müsste ich meinen Sportjob an den Nagel hängen. Im Moment steht alles in den Sternen“, sagt sie. „Deshalb bin ich froh über EM-Silber und das Olympia-Finale. Da wird man mich ja nicht gleich rauskicken. Aber ich könnte dann ruhiger schlafen.“

          Das Format bleibt unübersichtlich

          Immerhin 41 olympische Medaillengewinner von Rio sind beim Showdown in Brüssel dabei. Doch die zerstückelte Serie mit 14 Stationen, bei denen jeweils 16 Disziplinen ausgetragen werden, ist bei den Fans auch nach sieben Jahren noch nicht richtig angekommen. Ständig wechselnde Wettkampf-Tage und das Format mit Plätzen, Punkten und Prämien sind weiterhin unübersichtlich.

          Und die ganz große Spannung ist einen Monat nach den Olympischen Spielen auch schon draußen. 16 der 32 Jackpot-Gewinner wurden schon in Zürich gekürt, sechs weitere haben die 40.000 Dollar bereits vor dem 40. „Memorial Van Damme“ in der belgischen Hauptstadt sicher. Immerhin in zehn Wettbewerben geht es allerdings noch ums große Geld: Ein besonders prickelndes Finale versprechen die Hochspringer: Ein Männer-Quartett mit Bohdan Bondarenko (Ukraine), Mutaz Barhim (Qatar), dem Briten Robert Grabarz und dem Amerikaner Erik Kynard liegt nur sechs Punkte auseinander. Der einzige, der bei diesem illustren Jackpot-Springen fehlt, ist der Kanadier Derek Drouin - aber der ist Olympiasieger in Rio geworden.

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