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Ironman auf Hawaii : Der Triathlon-Oldie

Aufhören? Ein oder zwei Jahre will Bracht noch weitermachen. Bild: dpa

Er ist 41 Jahre alt, hat den Ironman zehnmal gewonnen und ist noch immer nicht müde. Für Timo Bracht ist das ultimative Kräftemessen auf Hawaii etwas besonderes – an diesem Samstag will er ihn wieder bezwingen.

          In ein Apartment am White Sands Beach hat es ihn nicht gezogen. Und weiter draußen in eines der Luxushotels an den Lavafeldern am Queen Ka’ahumanu Highway auch nicht. Statt Ruhe und Abgeschiedenheit sucht Timo Bracht das pralle Leben auf Big Island. „Ich bin im Epizentrum“, sagt der Triathlet. Mittendrin am Alii Drive.

          Dort, wo das Herz des Ironman Hawaii schlägt. Dort, wo an diesem Samstag nach dem Weltmeister gefahndet wird. Sehr wahrscheinlich wird er wie im Vorjahr Jan Frodeno heißen. Der Titelverteidiger des wichtigsten Triathlonrennens der Welt ist in bestechender Form. Doch das sind die anderen Widersacher, die seit Jahren fast ausnahmslos aus Deutschland kommen, auch. Sebastian Kienle, Andreas Raelert, Andreas Böcherer – und eben Timo Bracht.

          Bracht ist, man darf das so sagen, eine Art Exot im Feld der Langstreckentriathleten. Denn der Mann aus Eberbach am Neckar kann mit Pfunden wuchern, die die anderen in dieser Fülle nicht haben: Erfahrung, Reife, Lebensalter. 41 ist Bracht, der Älteste im Feld der Profis, die sich anschicken, möglichst unbeschadet nach 3,8 Kilometer Schwimmen im Pazifik, 180 Kilometer Radfahren durch die Lavawüste und 42,195 Kilometer Laufen rund um Kona und den legendären Alii Drive in den Zielkanal einzubiegen, um dort von Mike Reilly, der „Voice of Ironman“, mit der klassischen Formel empfangen zu werden: „You are an Ironman.“ Du bist ein Ironman.

          „Und genau dafür brenne ich.“

          Timo Bracht ist ein Ironman. Ein ausgewiesener sogar. Zehn Mal schon hat er sich rund um den Globus bei einem der Rennen den Sieg gesichert. In Frankfurt, Schauplatz der Europameisterschaft, hat er sich zwei Mal, 2007 und 2009, den Titel geholt. Doch Hawaii ist etwas anderes. „Es ist ein Mythos“, sagt Bracht: „Und genau dafür brenne ich.“ Dreizehn Mal in Folge, von 2001 bis 2013, ist Bracht Jahr für Jahr nach Big Island geflogen. Seine Ausbeute: „Ich bin sieben Mal unter den Top Ten gewesen.“ Auch jetzt, da fast all die Menschen vor Ort dabei sind, die ihm am Herzen liegen? Seine Frau, sein Bruder und Trainer, sein Physiotherapeut, sein Mechaniker – mit Ausnahme seiner beiden schulpflichtigen Kinder sind sie mitgeflogen in den 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

          Nach Kona, wo das Leben 51 Wochen im Jahr so dahinplätschert, bis die Triathleten kommen. „Genau darauf habe ich hintrainiert“, sagt Bracht. Auf diese Woche, auf diesen Tag, auf diesen Samstag. „All mein Training ist für die Glasur des Kuchens“, sagt er. „Hawaii ist das einzige Rennen der Welt, das sich seinen Spirit bewahrt hat. Dieses Rennen kann man nicht kopieren.“ Auch deshalb zieht es Bracht nun wieder zurück zu den Wurzeln. Ein 41-Jähriger, der den Jungspunden zeigen will, wer ein richtiger Eisenmann ist? „Ganz klar, ich will wieder unter die Top Ten“, sagt er. Seit 2008 ist er nie schlechter als Platz neun gewesen. 2001, bei seinem Debüt auf Big Island, hat Bracht kurz vor der Wendemarke auf der Radstrecke eine Begegnung gehabt, die ihm noch heute allgegenwärtig ist und die ausschlaggebend für seinen Biss und seinen Ehrgeiz ist.

          Noch nicht die Zeit, um aufzuhören

          Es war der Moment, als Bracht das Tempo seiner Rennmaschine drosselte und sich vor einem Konkurrenten verbeugte, der auf Hawaii zu einer Ikone geworden ist. „Ich habe ihm meine Reverenz erwiesen“, erinnert sich Bracht. Ehrerbietung für den damals 47 Jahre alten Dave Scott, für „The Man“, wie sie ihn respektvoll in der Welt des Triathlons nennen. Für den Amerikaner, der sechs Mal auf Hawaii triumphierte. Wie sein Landsmann Mark Allen, die zweite prägende Persönlichkeit des Rennens aller Rennen. „Wenn sich meine Konkurrenten vor mir verbeugen und an mir vorbeifahren, dann ist es Zeit aufzuhören“, sagt Bracht.

          Diesen Zeitpunkt aber sieht der immer noch jugendlich ausschauende Oldie im Feld der Profis noch nicht gekommen. „Ein, zwei Jahre“, so die Hoffnung, will er, der sich selbst als „Trainingsguru“ bezeichnet, noch schuften und sich schinden. Ironman-Siege in Australien und Florida, auf Lanzarote und Mallorca – alles bedeutsame Wegmarken in Brachts Karriere. Doch alles nichts gegen die Reisen nach Hawaii. Und, ja, der 41 Jahre alte Bracht fühlt sich reif für einen weiteren Coup. „Die letzten Wochen waren einfach genial“, sagt er über die Vorbereitung für Kona. „2016 wird einer meiner letzten Ironman auf Hawaii sein.“ Auch deshalb ist er in das pralle Leben eingetaucht, das in diesen Tagen rund um den Alii Drive herrscht. „Hawaii gibt dir viel“, sagt der erfahrene Deutsche. „Aber es nimmt auch viel.“ Wie viel, das wird sich zeigen. An diesem Wochenende, an diesem Samstag. Beim Mythos Hawaii.

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