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American Football : Letzter Vorhang für die Feldherren

  • -Aktualisiert am

Beim Spiel gegen die Denver Broncos geht es für Tom Brady (Mitte) um den Einzug in den Superbowl. Bild: dpa

Beim Duell zwischen Patriots und Broncos schauen alle auf die Quarterbacks Tom Brady und Peyton Manning. Wer von beiden ist denn eigentlich der bessere Football-Feldherr?

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          Auf dem Weg zum ganz großen Erfolg laufen sich zwei der besten Spieler der National Football League (NFL) seit Jahren immer wieder fast zwangsläufig über den Weg. Die Begegnungen sind eher oberflächlicher Natur. Denn sowohl der eine Quarterback – Tom Brady von den New England Patriots – als auch der andere – Peyton Manning von den Denver Broncos – stehen nie zur selben Zeit auf dem Rasen. Außer am Schluss beim obligatorischen Handshake.

          Das liegt an der arbeitsteiligen Sportart, in der die Spielgestalter eine spezielle Angriffsformation kommandieren. Und daran, dass ihnen auf der anderen Seite eine Gruppe von Defensivspezialisten gegenüberstehen. Schon allein deshalb wirkt das Gerede von der Rivalität, das amerikanische Medien diesen Treffen andichten, äußerst gewollt. Und keiner der beiden stichelt gegen den anderen. „Sie haben beide großen Respekt voreinander“, sagte Bradys Vater Tom sr. vor einer Weile.

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          Was man vermutlich mit einem Vorbehalt versehen sollte. Denn Brady jr. musste um alles kämpfen - sei es um Anerkennung oder auch nur um einen Platz in einem NFL-Team. Als er 2001 Profi werden wollte, kam er als einer der letzten Nachwuchsspieler der Draft bei den Patriots unter: An Platz 199 in der sechsten Runde der Ziehung. Peyton hingegen war von Anfang als Sohn des Profi-Quarterbacks Archie Manning eine große Nummer. Und so sicherten sich ihn die Indianapolis Colts, sein erster Arbeitgeber, 1998 als Allerersten aus dem Pool der jungen Aspiranten. Aufgebauscht wird die Konstellation schon seit einer Weile.

          Das gipfelte vor ein paar Monaten sogar in einem eigenen Buch. Titel: „Brady vs Manning: The Untold Story of the Rivalry That Transformed the NFL“. Die Geschichte über eine Rivalität, die die ganze Liga veränderte. Natürlich schwingt in allem jene reizvolle, aber ziemlich akademische Frage mit: Wer von beiden ist denn eigentlich der bessere Football-Feldherr? Es gibt keine verbindliche Antwort. Wer möchte, kann sich deshalb auch einfach an diesem Sonntag, wenn die New England Patriots und die Denver Broncos im Halbfinale aufeinandertreffen, seine eigene Meinung bilden. Es geht bei dem Match um den Einzug in den Super Bowl. Und es ist womöglich das letzte Mal, dass man beide zusammen live erleben kann.

          Keine Konsequenzen nach Doping-Fernsehdokumentation

          Der schon 39 Jahre alte Manning, ein Meister des präzisen, kaltblütigen Passspiels, zeigt Verschleißerscheinungen und dürfte froh sein, wenn er sich mit einem Sieg für das große Finale qualifizieren könnte. Das hatte er nur einmal gewonnen - 2007 gegen die Chicago Bears. Auf dem Papier läuft seine Zeit in Denver zwar erst in einem Jahr aus. Aber auf dem Platz sah es im Laufe der Saison bereits so aus, als sei der 15 Millionen Dollar teure Star der Mannschaft nicht mehr die unumstrittene Nummer eins auf der Position des Quarterbacks. Cheftrainer Gary Kubiak favorisierte zwischendurch Ersatzmann Brock Osweiler und ließ Manning schmoren, nachdem der unter einigen Blessuren litt. Tom Brady ist mit 38 Jahren zwar nur unwesentlich jünger.

          Aber abgesehen von einer Bänderverletzung im linken Knie 2008, kam der Patriots-Quarterback die 15 Jahre in der Liga fast unversehrt davon. Auch die Geschichte mit den regelwidrig nicht hinreichend aufgepumpten Bällen im vergangenen Jahr, die unter dem Arbeitstitel „Deflategate“ für Gesprächsstoff sorgte, konnte ihn nicht bremsen. Ein ordentliches Gericht annullierte die Vier-Spiele-Sperre der NFL. Demgegenüber sah sich Peyton Manning neulich in der Defensive, als er im Rahmen einer Doping-Fernsehdokumentation des Senders Al Dschazira in Verdacht geriet, sich verbotene Wachstumshormon-Injektionen zu verabreichen. Die Nummer 18 der Broncos bestritt die Beschuldigungen vehement. Konsequenzen zeichnen sich keine ab.

          Brady gewann den Superbowl schon viermal

          Was gut für das Interesse am Kern der Sache auf dem Rasen ist. Dort dürften sich eine Reihe von subtilen Finessen entfalten. Denn Brady, der schon viermal den Super Bowl gewinnen konnte, hat es bei den Broncos mit der derzeit besten Defensivformation in der Liga zu tun. Umso besser für ihn, dass er sich auf zwischendurch verletzte Vorderleute stützen kann wie den riesigen Tight End Rob Gronkowski, der mal seinen Mitspielern den Weg freiblockt und dann wieder irgendwo frei auftaucht, um sich einen der Pässe seines Quarterbacks zu angeln.

          Auch sein Bodyguard Sebastian Vollmer aus Kaarst, der als Offensive Tackle den Ansturm der Gegner auf seinen Quarterback verhindern soll, war bereits in der vergangenen Woche nach einer Knöchelverletzung wieder einsatzfähig und ist ein wichtiger Stabilisierungsfaktor im Aufbau des Angriffsspiels der Patriots.

          Die meisten Experten glauben denn auch, dass Peyton Manning auf die aufmerksame und hart zupackende Broncos-Verteidigung angewiesen sein wird, wenn man das Spiel gegen die Patriots gewinnen will. Selbst dann, wenn Tom Brady wie so oft schon in der dünnen Luft von Denver rund 1500 Meter über dem Meeresspiegel, in der die Bälle weiter fliegen als gewohnt, nicht in Topform sein sollte. „Ich habe gar nicht begriffen, dass wir dort eine Bilanz von zwei Siegen und sechs Niederlagen haben“, sagte Brady am Montag. „Aber das war fast immer sehr knapp. Es entscheidet sich einfach immer wieder ganz am Schluss, wer gewinnt.“

          So weit würde es Broncos-Trainer Gary Kubiak, selbst einst ein ziemlich guter Quarterback, am liebsten nicht kommen lassen. Ganz egal, dass das mit 76.000 Zuschauern ausverkaufte Stadion voller laut schreiender Broncos-Fans über die gesamte Begegnung hinter der Mannschaft stehen wird: „Wir müssen besser spielen als am Sonntag. Und wir wissen das auch.“ Besser von Anfang an.

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