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ATP-Finale : Was macht Nadals rechtes Knie?

  • -Aktualisiert am

Vor seinem ersten Aufschlag in London gibt es nur ein Thema, das wirklich interessiert: Nadals rechtes Knie. Bild: LANGSDO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Beim ATP-Finale in London sind alle Blicke auf Rafael Nadal und Roger Federer gerichtet. Aber vor Nadals erstem Aufschlag gibt es nur ein Thema, das interessiert.

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          Die acht besten Tennisprofis des Jahres treffen sich zum Saisonabschluss beim ATP-Finale. Ein wunderbares Format, von dem sich der Fußball etwas abschauen könnte. Die Sportart, die ihre Veranstaltungen immer weiter aufbläht und das Niveau immer weiter verwässert. In diesen Tagen von London wird jedoch deutlich, dass sogar das Tennis-Produkt noch weiter verbessert werden könnte – indem man das Finale auf ein Duell zwischen Rafael Nadal und Roger Federer destillierte. Sieben Tage, sieben Spiele: Das wäre der wahre Kulminationspunkt des Tennisjahres gewesen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In Abwesenheit der anderen Tennisstars Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka sehen die allermeisten Tennisfans das restliche Feld als Staffage an. Der Hamburger Alexander Zverev, der Österreicher Dominic Thiem, der Kroate Marin Cilic, der Bulgare Grigor Dimitrow, der Belgier David Goffin und der Amerikaner Jack Sock sollen am besten nur Spalier stehen für die beiden großen Helden, die sich schon ein Tennis-Leben lang duellieren.

          Deshalb gab es vor dem ersten Ballwechsel in London nur ein Thema, das wirklich interessierte: Nadals rechtes Knie. Vor zehn Tagen musste er vor dem Viertelfinale des Hallenturniers in Paris aufgeben. Seitdem dreht sich alles um die Frage: Wird der 31 Jahre alte Spanier in London spielen können? Dem Ja seines Trainers Carlos Moya am vergangenen Mittwoch und optimistischen Aussagen Nadals zu Beginn der Woche folgten am Samstag ein paar kryptische Worte des Weltranglistenersten, die wie das Öffnen einer Hintertür interpretiert werden können.

          „Es wäre schlecht, wenn ich nicht glauben würde, dass ich hier spielen kann. Dann wäre ich schlecht vorbereitet.“ Und: „Ich hoffe, dass ich fit sein werde.“ Die gute Nachricht: Nadal trainierte täglich in London, ohne Verband oder auch nur einen Tapestreifen am Körper. Die schlechte: „Ich habe weniger trainiert als üblich, ich wollte meinen Körper nicht überlasten.“ Bis zu seinem Auftaktmatch an diesem Montag gegen den Belgier David Goffin hat der Spanier noch ein bisschen Zeit zur Pflege.

          Auch in bester Verfassung wäre die Nummer eins der Welt nur Außenseiter für den Triumph in London. Die Bedingungen beim ATP-Finale sind wie gemacht für die Nummer zwei, für Roger Federer. Der Schweizer liebt es, in der Halle auf Hartplätzen zu spielen, seine Bilanz ist auf diesem Untergrund überragend. Nadal erlebte ein grandioses Jahr mit der Rückkehr auf die Spitzenposition nach zwei Grand-Slam-Erfolgen und insgesamt sechs Turniersiegen. Aber von vier Duellen mit Federer konnte er keines gewinnen. Darauf angesprochen, reagierte der Spanier ein wenig knatschig. „Ja, das ist mir bewusst. Aber mir ist auch bewusst, dass es jeweils auf einem Belag war, der ihm mehr liegt als mir.“

          Im Übrigen müsse er nicht Federer besiegen, um Selbstbewusstsein zu entwickeln. Er werde es jedenfalls in London wieder probieren, ihn auf dem ungeliebten Untergrund zu schlagen. „Ich muss das akzeptieren und einen Weg in meinem Spiel finden, Rogers Stärken auf dem Hartplatz zu kompensieren. Wenn mir das gelingt und ich gesund genug bin, denke ich, werde ich meine Chancen bekommen.“

          Nadal hat sich in seiner Karriere 13 Mal für das ATP-Finale qualifiziert, bisher aber nur sieben Mal mitgespielt und das Turnier noch nie gewonnen. Das amerikanischen Tennis-Idol Andre Agassi merkte gegenüber dem Sender ESPN an: „Zu Jahresbeginn oder zur Saisonmitte ist Nadal ein ganz anderer Spieler. Am Ende der Saison muss er seiner aufwendigen und intensiven Spielweise Tribut zollen.“ Mehrmals beschwerte sich Nadal zudem, dass das Finale immer auf Hartplätzen ausgetragen worden sei, er regte aus Fairness-Gründen einen Wechsel des Belags an, natürlich auf seinen geliebten Sand. Aber damit hätte die ATP alle anderen Spieler gegen sich aufgebracht, die am Ende des Jahres und am Ende der Hallensaison nicht mehr den Belag wechseln wollen.

          Während Nadal am Ende eines für ihn herausragenden Jahres weniger glücklich wirkt, als man meinen könnte, fühlt sich Federer mit 36 so fröhlich, frisch und jung wie seit Jahren nicht mehr. Sein Entschluss, auf die Sandplatzsaison inklusive den French Open (und möglichen Niederlagen gegen Nadal) zu verzichten, hat sich für ihn ausgezahlt. Die Lust am Tennis ist ihm wieder anzusehen, da er das Programm reduziert hat und sein Körper sich wieder richtig gut anfühlt. Das bekam im Auftaktspiel des ATP-Finales am Sonntag Nachmittag der Amerikaner Jack Sock zu spüren.

          Obwohl der 25-Jährige eine starke Leistung bot und zwischendurch vor allem brillant aufschlug, musste er sich dem Schweizer 4:6, 6:7 (4:7) geschlagen geben. Der große Turnierfavorit war Federer schon vor dem ersten Ballwechsel gewesen, das Match gegen Sock war nur die Bestätigung dafür.

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