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Davis Cup : Diese Zverevs

  • -Aktualisiert am

Training fürs Doppel: Die Zverevs könnten am Samstag zusammen auf dem Platz stehen Bild: dpa

Erstmals spielt ein Brüderpaar im Davis Cup für Deutschland - wenn auch erst mal nur einer im Einzel antreten wird. Vielleicht spielen Mischa und Alexander Zverev aber im Doppel zusammen gegen Belgien.

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          Am Ende ergriff Alexander Zverev freiwillig das Wort. Jener 19 Jahre alte deutsche Tennisspieler, dem seit zwei Jahren eine Zukunft unter den Top drei der Welt vorausgesagt wird und der ansonsten nur gelangweilt oder mit Widerwillen oder gar nicht die Zähne auseinander bekommt, wenn er nach seinem beruflichen Schaffen befragt wird. Also sprach Alexander Zverev: „Wir sind eine Mannschaft und wollen weiterkommen, das ist die Hauptsache. Unsere Geschichte ist zweitrangig. Wenn wir nicht zusammen spielen, ist das auch in Ordnung.“

          „Unsere Geschichte“ - das ist die seine und die seines zehn Jahre älteren Bruders Mischa. Zum ersten Mal in seiner Geschichte nominierte der Deutsche Tennis-Bund (DTB) für das Erstrundenspiel der Weltgruppe im Davis Cup gegen Belgien am Wochenende in der Frankfurt ein Brüderpaar.

          Kohlschreiber tritt im ersten Einzel an

          Nach Stand der Dinge ist es nun aber so, dass die Zverevs zumindest am Freitag nicht nacheinander auf den Platz gehen werden. Für die Einzel setzt Teamchef Michael Kohlmann auf Alexander Zverev und Philipp Kohlschreiber, der im Auftaktmatch in der Frankfurter Fraport Arena (14.00 Uhr/DAZN) auf Steve Darcis trifft. Danach spielt Alexander Zverev gegen Arthur de Greef. Im Doppel sind zunächst Mischa Zverev und Jan-Lennard Struff aufgeboten. Allerdings sind Änderungen bis kurz vor Beginn der Partien möglich. Es ist also nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass am Samstag (13.00 Uhr) zum ersten Mal in der deutschen Davis-Cup-Geschichte zwei Brüder gemeinsam auf dem Platz stehen.

          Die Zverevs sind prädestiniert dafür, gemeinsam im Doppel anzutreten. Zusätzlich wird die Geschichte angeheizt durch die Auftritte der Brüder vor gut einer Woche bei den Australian Open. Alexander lieferte dem späteren Finalisten Rafael Nadal bei seiner Drittrundenniederlage einen mitreißenden Kampf, und Mischa zog durch einen Viersatzsieg über die Nummer eins der Welt, Andy Murray, ins Viertelfinale ein, wo er dann dem späteren Sieger Roger Federer unterlag.

          Mit Familiensinn und Teamgedanken

          Die Hoffnungen des DTB auf mehr Rampenlicht für die deutschen Herren gründeten zuletzt fast ausschließlich auf das außergewöhnliche Talent Alexander Zverevs. Dessen Umgangsformen außerhalb des Spielfeldes ließen allerdings bisweilen Zweifel aufkommen, ob er sich für die Rolle des jungen, sympathischen Tennishelden eigne. Umso bemerkenswerter war der Auftritt des Teenagers am Dienstag beim ersten offiziellen Termin vor der Davis-Cup-Begegnung. Er verkaufte nicht nur den Teamgedanken überzeugend, sondern bewies auch Familiensinn. „Ich habe immer gewusst, dass Mischa das Zeug dazu hat, mindestens die ersten 50 der Welt zu erreichen, wenn nicht die ersten 30. Und ich habe ihm auch immer wieder gesagt, dass er besser ist als viele, gegen die ich auf der Tour spiele.“

          in Brüderpaar für Deutschland: Alexander (l.) und Mischa Zverev

          Zum ersten Mal in seinem Leben als Tennisprofi muss Alexander Zverev die Aufmerksamkeit mit seinem Bruder Mischa teilen. Und es fällt ihm offensichtlich leicht. In der Weltrangliste liegen nur noch 13 Plätze zwischen ihnen (Nr. 22 und Nr. 35), nachdem sie vor einem Jahr noch Welten trennten. Hier die künftige Nummer 1, da der Erfolglose, kurz vor dem Ende der Karriere.

          „Natürlich nervt mal ein kleiner Bruder“

          Viele Verletzungen, darunter ein Bruch des Handgelenks, warfen Mischa Zverev immer wieder zurück, der es mit knapp 22 Jahren kurz auf Platz 45 der Weltrangliste gebracht hatte. Ohne die Familie hätte er den jahrelangen Kampf in der zweiten Tennis-Liga wohl längst aufgegeben. Der Tennis-Familienbetrieb Zverev besteht aus Vater Alexander, einem ehemaligen sowjetischen Davis-Cup-Spieler, Mutter Irina, ehemals Nummer 22 der Welt, und Alexander, der ihn nicht nur pushte, sondern seinen großen Bruder auf seinem Weg nach oben auch gut gebrauchen konnte. Das Verhältnis der Zverev-Brüder war frei von Eifersucht.

          „Natürlich nervt mal ein kleiner Bruder. Aber jeder nervt mal jeden. Ich kann mich an nichts Extremes erinnern“, sagt Mischa, der Alexander von klein auf half. „Er war zwei, als ich ihn das erste Mal auf den Tennisplatz mitnahm. Und es war ein gutes und angenehmes Gefühl, als ich das erste Mal mit ihm trainieren konnte, da war er acht oder neun“, sagt er. Wie viele 18-Jährige freuen sich eigentlich, mit ihrem acht Jahre alten Bruder Tennis spielen zu dürfen? Umgekehrt ist Mischa dem kleinen Bruder für dessen ständigen Zuspruch in schlechten Zeiten dankbar. „Man hat ja selbst so viele Fakten im Kopf. Da hilft es, wenn jemand etwas Naives und sehr Positives sagt, man sich mal von den eigenen Erfahrungen löst, sich entspannt und mal nur dem kleinen Bruder folgt.“

          Auftakteinzel: Steve Darcis (l) aus Belgien und Philipp Kohlschreiber eröffnen das Davis-Cup-Duell

          Auch für seinen Erfolg in Melbourne sei die Unterstützung der Familie sehr wichtig gewesen: „Sie haben die ganze Zeit auf mich eingeredet: Du bist gut, du kannst es schaffen. Irgendwann beginnt man daran zu glauben.“ Von einem Wunder mag Mischa jedoch nicht sprechen, was mit ihm in Melbourne geschehen ist. „Ich weiß, was ich in all den Jahren an Arbeit getan habe, ich vertraue meinen Schlägen. Ich wusste, was ich in den verschiedenen Spielsituationen zu tun hatte. Ich musste nur ausblenden, dass ich es mit stärkeren Gegnern zu tun habe. Das ist mir zum Glück gelungen.“

          Mischa Zverev hofft, dass Melbourne nicht der unverhoffte Höhepunkt seiner Laufbahn gewesen ist, sondern der Startplatz für eine bessere Karriere: „Ich muss verletzungsfrei bleiben und auf dem Platz hungrig und aggressiv. Daran sind vor mir schon einige gescheitert.“ Die bessere Zukunft ist eng an seinen Bruder Alexander geknüpft. Die beiden haben ihre Turnierplanung für das Jahr zusammengelegt, was früher wegen der Abstände in der Weltrangliste nicht sinnvoll gewesen wäre. Mischa hätte bei größeren Turnieren keinen Startplatz erhalten. Nun führt sogar der DTB die Brüder zusammen. Ob Mannschaftskapitän Kohlmann das historische Doppel noch mit einer kurzfristigen Umstellung ermöglicht?

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