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Beachvolleyball : Die Covergirls und die Realität

Es lief nicht so ganz, wie erhofft: Chantal Laboureur (l.) und Julia Sude Bild: dpa

Chantal Laboureur und Julia Sude können beim hochdotierten Turnier in Hamburg die Abwesenheit von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst nicht nutzen, um sich als deutsches Spitzenteam im Beachvolleyball zu positionieren.

          Wenn Chantal Laboureur gemeinsam mit ihrer Partnerin Julia Sude auf dem Beachfeld steht, ist für Begeisterung normalerweise stets gesorgt. Die 28-Jährige gilt nicht nur als spektakuläre Abwehrspielerin, sondern auch als eine der emotionalsten Akteurinnen auf der Tour. Ihr Jubel nach einem gelungenen Spielzug ist ebenso einschüchternd für den Gegner wie ihr Lachen ansteckend für alle.

          Beim World-Tour-Finale der Beachvolleyballer in Hamburg waren Laboureur/Sude an Position eins gesetzt und von den Veranstaltern folgerichtig als Covergirls des Turniers aufgebaut worden. Doch die beiden Sportlerinnen aus Stuttgart und Gießen konnten die hochgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen – weder die des Publikums und schon gar nicht die eigenen. Als es am Sonntag um Medaillen ging, die im Beachvolleyball bei jedem größeren Turnier ausgespielt werden, guckten die deutschen Spitzenkräfte zu.

          Sie waren am Samstagabend schon im Viertelfinale am brasilianischen Doppel Agatha Bednarczuk und Eduarda Santos Lisboa gescheitert, und das obwohl sie die beiden im ersten Satz noch vorgeführt hatten. 21:12 gewannen die Deutschen gegen die Führenden der Weltrangliste, die in der Szene nur kurz als Agatha/Duda geführt werden. Die Stimmung hätte kaum besser sein können auf den Rängen des mit Sand aufgeschütteten Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum. Doch dann folgte ein nicht erklärbarer Einbruch, als es darauf ankam. Die Brasilianerinnen sicherten sich den zweiten Durchgang 21:14 und setzten sich im Tiebreak schließlich klar 15:9 durch. „Das ist ein bisschen schade“, sagte Chantal Laboureur gefasst, „gerade nach dem ersten Satz.“

          Es war ihr bester im ganzen Turnier. Doch anschließend verloren sie vor 8000 Zuschauern völlig ihre Linie. „Die Brasilianerinnen haben einiges umgestellt“, stellte Blockspielerin Julia Sude fest und ärgerte sich. „Wir haben ein paar Bälle zu viel gebraucht, um das zu merken.“ Agatha/Duda dagegen nutzen den Flow, setzten sich im Halbfinale hauchdünn gegen ihre brasilianischen Landsfrauen Carolina Solberg Salgado und Maria Antonelli 2:0 (31:29, 21:18) durch und erkämpften sich schließlich mit einem verdienten 2:0 (21:15, 21:19) gegen die Tschechinnen Barbora Hermannová/Marketa Slukova den Turniersieg und 150.000 Dollar Siegprämie. „Ich werde mir davon Schokolade kaufen“, jubelte Agatha voller Überschwang im ersten Siegerinterview mit Olympiasieger Julius Brink, der stattdessen Champagner vorschlug. Platz drei sicherte sich das Überraschungsteam Mariafe Artacho und Taliqua Clancy aus Australien.

          Das deutsche Topteam war mit großen Erwartungen ins Turnier gegangen

          Den deutschen Meisterinnen, die schon die Vorrunde mit zwei Niederlagen und zwei Siegen nur mit viel Glück und einem Ballpunkt Vorsprung überstanden hatten, blieb dagegen nur Platz fünf, immerhin 20.000 Dollar Preisgeld und die bittere Erkenntnis, in Hamburg die große Chance verpasst zu haben, sich in Abwesenheit von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst als deutsches Spitzenteam zu positionieren.

          An Vorschusslorbeer hatte es nicht gemangelt: Julias Konterfei grüßte in Überlebensgröße. Chantal stand als Pappkameradin am Eingang parat. „Wir merken, dass wir im Fokus stehen“, sagten beide. Übermäßigen Druck von außen spürten sie aber nicht: „Das darf man nicht an sich ranlassen.“ Im Gegenteil freuten sich die EM-Dritten von 2017, sich selbst öfter mal im Fernsehen zu sehen. Dort wo sonst die meiste Sendezeit für Ludwig/Walkenhorst reserviert scheint. „Wir vergleichen uns nicht mit anderen Teams“ sagte dazu Julia Sude, Tochter des früheren „Mister Volleyball“ Burkard Sude, nur leicht genervt.

          Überraschungsmannschaft: Clemens Wickler (l) und Julius Thole

          Letztlich mussten Laboureur/Sude ihre angedachte Rolle als Publikumslieblinge an zwei Hamburger Jungs antreten, deren Anwesenheit beim Turnier nur einer Wildcard geschuldet war. Der 21-jährige Julius Thole und sein zwei Jahre älterer Mitspieler Clemens Wickler nutzten ihre überraschende Chance aber mit Bravour. Das Perspektivteam vom Eimsbütteler TV gewann in der Gruppenphase drei von vier Spielen und überstand sogar das Viertelfinale.

          Selbst gegen die Weltranglisten-Ersten und späteren Turniersieger Anders Mol und Christian Sorum (Norwegen) gewannen Thole/Wickler im Halbfinale einen Satz. Im Spiel um Platz 3 unterlagen sie den Polen Piotr Kantor/Bartosz Losiak erst, nachdem Thole im Tiebreak gestochen wurde. „Die Wespe ist Schuld“, sagte er lachend und ergänzte ernsthaft: „Wir haben unsere Außenseiterchance genutzt. Jetzt wollen wir uns weiterentwickeln.“

          Das hatten sich auch Chantal Laboureur und Julia Sude so gedacht. Sie waren zum vierten Mal nacheinander für das World-Tour-Finale qualifiziert, was sie zurecht „stolz“ machte. Zum dritten Mal in Serie belegten sie aber auch Platz fünf. Das passte nicht ganz zur erhofften Erfolgsstory.

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