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Beachduo Ittlinger und Behrens : „Wir schreien den Gegner zugrunde“

Fast wie Schwestern: Sandra Ittlinger und Kim Behrens (links). Bild: Imago

Große Unterstützung erhalten sie nicht. Die Beachvolleyball-Spielerinnen Sandra Ittlinger und Kim Behrens schlagen sich auf eigene Faust durch. Und sie haben erstaunlichen Erfolg.

          Auf den ersten Blick gehen Sandra Ittlinger und Kim Behrens locker als Schwestern durch: beide etwa 1,80 Meter groß und schlank, lange blonde Haare, offenes Wesen. Und auch wenn sie „nur“ Teamkameradinnen sind, so können die beiden Frauen doch zumindest als Schwestern im Geiste bezeichnet werden. Seit dieser Saison bilden sie eine Spielgemeinschaft im Beachvolleyball.

          Und um ihrem „Traumjob“ bestmöglich und zugleich pragmatisch nachgehen zu können, reisen sie nicht nur zusammen durch die Welt, sondern teilen sich auch noch eine gemeinsame Wohnung, wenn sie mal zu Hause sind. Die aus Bremen stammende Kim ist der Einfachheit halber bei der in Berlin studierenden Sandra als Untermieterin eingezogen. Das Problem von zu viel Nähe kam bislang nicht auf: „Manchmal haben wir viel zu erzählen, manchmal ist auch jede gerne für sich.“

          Ihr ganzheitliches Teambuilding zeigt unerwarteten Erfolg: Behrens/Ittlinger sind auf Anhieb hoch eingestiegen in der Eliteklasse des Beachsports. In der aktuellen Weltrangliste von Anfang Juli werden sie auf Rang 15 geführt. Und vergangene Woche belegten sie beim Vier-Sterne-Turnier in Espinho in Portugal den fünften Platz – genau der richtige Motivationsschub vor dem Major-Turnier in Gstaad, wo sie in diese Tagen spielen, und den Europameisterschaften in der kommenden Woche in den Niederlanden. „Vor der Saison hätten wir eine solche Entwicklung nicht erwartet“, sagt Sandra Ittlinger, die 1,81 große Blockspezialistin des Duos. Schließlich gelten beide nur als „Perspektivspielerinnen“ im Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Großartige Unterstützung erhalten sie deshalb nicht. Ittlinger/Behrens schlagen sich auf eigene Faust durch.

          Sie stützen sich dabei auf die Erfahrung anderer. „Wir haben es gemacht wie unsere Vorbilder“, erklärt die 24-Jährige Ittlinger: „Wir haben uns ein eigenes Team hinter dem Team aufgebaut.“ Dazu gehört der frühere Weltklassespieler Kay Matysik als Headcoach, ein Ko-Trainer, ein Athletiktrainer. Und die Möglichkeit, am Olympiastützpunkt in Berlin zu trainieren. Insgesamt ein gutes Paket, ähnlich „wie bei Laura und Kira.“

          Wenn schon Vorbilder, dann die ganz Großen: Laura Ludwig, derzeit in der Babypause, und Kira Walkenhorst sind schließlich Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen. Und auch die anderen deutschen Spitzenteams haben sich vor allem durch selbständiges Arbeiten nach vorne gebracht. Die aktuellen Weltranglistenersten Chantal Laboureur/Julia Sude sowie Karla Borger/Margareta Kozuch sind vom DVV erst nach viel Streit zu Nationalteams erklärt worden und verlassen sich lieber auf sich selbst.

          „Wir haben uns abgeguckt, wie man es machen sollte, um sich so gut wie möglich aufzustellen“, sagt Ittlinger, die ebenso wie Kim Behrens schon mit verschiedenen Partnerinnen am Start war, ehe es mit der neuen Traumkombination passte: „Geliebäugelt haben wir schon länger damit, es gemeinsam zu versuchen“, erklärt sie über die Zusammenkunft mit Abwehrspielerin Kim Behrens, „jetzt hat es gepasst.“ Behrens/Ittlinger gelten als ein Team auf Wellenlänge. „Wir geben keinen Ball verloren“, sagen sie, „selbst wenn wir hinten liegen.“ Athletisch sind beide gut trainiert, dazu abwehrstark und emotional: „Wir schreien den Gegner zugrunde“, sagt Sandra Ittlinger lachend.

          „Wir sind selten länger als zwei, drei Tage zu Hause“

          Auch die Reiserei liegt ihnen im Blut, der stetige Ortswechsel von Strand zu Strand kommt ihrer Abenteuerlust entgegen. „Wir sind selten länger als zwei, drei Tage zu Hause“, sagt Kim Behrens: „Der Kopf will immer unterwegs sein. Höchstens, wenn der Körper wirklich mal Ruhe braucht, bekommt er eine Pause.“ Die 25-Jährige und ihre Partnerin sind von den deutschen Topteams deutlich die Jüngsten. Theoretisch könnten sie langfristig bis Olympia 2024 planen. Doch das erscheint zu weit weg. Erstes ganz großes Ziel ist die Olympia-Teilnahme in Tokio 2020.

          Doch zunächst steht nach dem Beachevent in den Schweizer Bergen von Sonntag an die Europameisterschaft auf dem Turnierplan. „Es ist das Highlight der Saison“, sagt Kim Behrens voller Vorfreude über ihre erste große kontinentale Meisterschaft. Und auch wenn sie gleich zum Auftakt gegen Borger/Kozuch antreten müssen, wollen sie sich nicht mit dem Dabeisein zufriedengeben. Den Einzug ins Viertelfinale geben sie als Minimalziel aus. „Und dann mal weiter schauen.“ Ihr Selbstbewusstsein speist sich auch „von unseren Vorbildern“: Seit 2015 kamen alle Europameisterinnen aus Deutschland. In den vergangenen beiden Jahren haben vier verschiedene deutsche Teams Gold und Bronze gewonnen.

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