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Heimspiel: Julius Thole (links) und Clemens Wickler genießen die Stimmung. Bild: dpa

Deutsches Duo Thole/Wickler : Mit dem Rad zur Beachvolleyball-WM

  • -Aktualisiert am

Und plötzlich sind alle Augen auf sie gerichtet: Die beiden Studenten Julius Thole und Clemens Wickler gelten als das aussichtsreichste deutsche Männerteam der Beachvolleyball-WM. Das hat einen Grund.

          Der Weg zur WM ist für Julius Thole der selbe wie zur Uni: Mit dem Fahrrad von seiner WG in Wandsbek westwärts durch Hamburg. Doch wenn der Jura-Student dieser Tage durch die Rothenbaumchausee radelt, ist doch alles anders für den 22-Jährigen. „Da kommen dir plötzlich Brasilianer und Russen und die halbe Welt entgegen. Die ganze Beachvolleyballfamilie ist hier.“ Und er, der Hamburger Jung’ aus Groß-Borstel, mittendrin – das macht ihn „doch richtig stolz“.

          Der 2,06 Meter lange Thole bildet gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren und 15 Zentimeter kleineren Spielpartner Clemens Wickler derzeit das vielversprechendste der vier deutschen Männerteams bei der WM. Während von den deutschen Frauen einige zur erweiterten Weltklasse zählen, sind es bei den Männern nur Thole/Wickler, die sich Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale ausrechnen dürfen. „In einem Atemzug mit Größen wie Laura Ludwig, Chantal Laboureur oder Karla Borger genannt zu werden“, findet Blockspieler Thole fast schon unheimlich, „eine große Ehre“.

          Obwohl die beiden Studenten als eines von zwölf Topteams als Gruppenkopf gesetzt waren, wollen sie sich nicht darauf einlassen, verwegene Ziele zu formulieren. „Von Spiel zu Spiel denken“, sei die Devise, sagt der aus Starnberg stammende, aber ebenfalls in Hamburg wohnende und BWL studierende Wickler. „Unser Spiel gut spielen, es genießen“, gibt sein Partner als Plan aus: „Es sind eher die kleinen Ziele.“ Dass sie „aus der Gruppe“ rauskommen, wie Thole es formuliert, dürfte sicher sein. Die jeweils ersten beiden der zwölf Vierer-Pools kommen weiter, dazu die vier besten Dritten. Die restlichen acht Dritten spielen weitere vier Teilnehmer der ersten K.o.-Runde mit dann noch 32 der ursprünglich 48 WM-Teams aus. Darunter seien dann mindestens 20, so Thole, die als Kandidaten für eine Medaille gelten – allen voran die Norweger Andres Mol und Christian Sorum. Dahinter sei alles offen, auch für Thole/Wickler.

          Bilderstrecke

          Bei ihrem ersten Auftritt auf dem Centre Court gewannen sie ungefährdet mit 2:0 Sätzen (21:10, 21:15) gegen Patrick Kavalo und Olivier Ntagengwa aus Ruanda. An diesem Montag treffen sie auf die Iraner Bahman Salemi und Arash Vakili, ehe am Dienstag das Gruppenfinale gegen die Amerikaner Tri Bourne und Trevor Crabb ansteht. Gegen die Afrikaner agierten die Lokalmatadoren bisweilen noch etwas nervös, was vor allem der imposanten Kulisse in dem zur Beachvolleyball-Arena umfunktionierten Tennisstadion am Rothenbaum geschuldet war. Schon um die Mittagszeit machten Tausende Zuschauer bei hochsommerlichen Temperaturen jede Menge Lärm, darunter auch eine halbe Hundertschaft Fans der Rubrik „Family und Friends“ von Clemens Wickler, die aus Bayern angereist waren und die ganze Woche bleiben wollen. „Ich hätte nicht erwartet, so was zu erleben“, staunte er.

          Der Flair des Unvollkommenen

          Die Stimmung hatte freilich Kavalo/Ntagengwa noch mehr eingeschüchtert, wie sie nach dem Spiel freimütig bekannten. „Im zweiten Satz war es dann besser.“ Die in Kigali lebenden Ruander haben dennoch nicht vor, bei der WM nur als exotischer Farbtupfer mitzumischen, sie wollen weiterkommen. „Wir sind gut vorbereitet für die Meisterschaft“, betont Ntagengwa. Gegen die Iraner rechnen sie sich Siegchancen aus. Und auch die Amerikaner seien nicht so stark wie die Deutschen. Via Internet hatten sie ihre Gruppengegner studiert, ein klarer Vorteil gegenüber Thole/Wickler. Die wiederum hatten Kavalo/Ntagengwa noch nie gesehen und entdeckten von ihnen „genau ein Video bei Youtube“, wie Wickler schmunzelnd feststellte. So improvisierten sie bisweilen, was allerdings auch für die Ausrichter galt. Nach dem ersten Satz musste das Netz ausgetauscht werden, weil es die Spannung verloren hatte. Zehn eifrig werkelnde Männer in bunten Shirts brauchten dafür länger, als der erste Satz gedauert hatte.

          Der Flair des Unvollkommenen macht bei allem Bemühen um Professionalität bisweilen ja den Charme einer Veranstaltung aus. Und bei aller Begeisterung wissen Wickler und Thole nur zu gut, dass sich der große Trubel in 14 Tagen legen wird. Nach dem World Tour-Finale im Vorjahr an gleicher Stelle, bei dem sie den vierten Platz belegt hatten, war es genauso. Direkt danach wurde Thole in der Stadt noch öfter darauf angesprochen, „wie cool das war. Nach zwei Wochen war ich dann wieder nur ‚der Lange’.“

          Bei der Taktik außerhalb des Platzes haben Thole und Wickler unterschiedliche Methoden gewählt. Um möglichst intensiv im WM-Flow zu bleiben, wird Clemens Wickler die ganze Turnierzeit im Hotel verbringen, obwohl er mittlerweile eine eigene Wohnung in Hamburg hat. Aber da sei alles noch improvisiert, unter anderem „fehlt es an einem guten Bett“. Sein Spielpartner Thole will dagegen nur die Nächte vor Spielen im Hotel übernachten, an den Tagen dazwischen aber in seiner WG wohnen, um besser abschalten zu können. Den Fahrrad-Weg zur WM-Arena kennt er ja bestens.

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