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Beachvolleyball in Hamburg : Eine WM wie ein Junggesellenabschied

  • -Aktualisiert am

Sandige Sache: Chantal Laboureur in Aktion auf dem Center Court. Bild: dpa

Beachvolleyball in Hamburg reißt alle mit. Die WM ist ein Familienfest mit Sportereignis. Und nicht nur die Zuschauer sind begeistert. Für den Erfolg des Turniers gibt es gleich mehrere Gründe.

          Kira Walkenhorst hat in den vergangenen Tagen viele Autogramme geschrieben und für Selfies posiert. Nicht mehr als Spielerin. Sondern als Privatperson. Immer wieder lief sie als Zuschauerin, Expertin und in Diensten des neuen Sponsors über die Anlage am Rothenbaum. Wann immer es passte, waren Ehefrau Marie und die kleinen Drillinge Emma, Pepe und Mo dabei. Kira Walkenhorst gehört natürlich weiterhin zur Beachvolleyball-Gemeinschaft; sie selbst spricht nur von einer „Pause“ – weil sie Verletzungen plagten und dann die Familiensituation eine komplett neue war.

          Tröstende Worte fand sie am Donnerstag für Laura Ludwig und Margareta Kozuch, die tags zuvor so deutlich ausgeschieden waren: „Dafür, dass Laura und Mäggie erst ein halbes Jahr zusammenspielen, sah das schon gut aus. Gebt den beiden einfach Zeit, ihre Qualitäten konstant hinzulegen bis Tokio. Laura und ich sind bei unserer ersten Weltmeisterschaft 2015 in Rotterdam Siebzehnte geworden“, sagte Kira Walkenhorst und fügte mit einem Lächeln an: „Und danach lief es ganz gut.“ Kann man sagen: Olympiasiegerin 2016, Weltmeisterin 2017, dazu im selben Jahr Siegerin der World Tour in Hamburg mit Laura Ludwig.

          Sie kennt den Rothenbaum als stimmungsvolles Zentrum ihres Sports: „Ich finde es seit Jahren großartig hier. Schon zu den Spielen um 13 Uhr sind 6000 Leute am Court. Alle Spielerinnen sagen, dass es hier einen Riesenspaß macht zu spielen, weil einfach viele Leute da sind, die sich auch fair verhalten. Die Freude, dabei zu sein, strahlt auf die ganze Veranstaltung ab.“ Während bei anderen Großturnieren die Fans den Court verlassen, wenn ihre Teams gespielt haben, sitzen in Hamburg auch dann 6000 Leute am Platz, wenn Norwegen gegen Kuba antritt. Sogar Länder wie Nigeria, Kanada, Brasilien, Italien oder Iran haben eigene Fans dabei.

          Am Donnerstag streifen schon um 12 Uhr mittags Familien über die Anlage, versorgen sich kostenlos mit Obst, nutzen die Parkour-Sportstände, um sich auszuprobieren, oder halten einen Fuß in den kleinen Pool, den der Hauptsponsor aufgestellt hat. Am vergangenen Wochenende bei mehr als 30 Grad Celsius war das Abkühlbecken ein zentraler Anlaufpunkt. Das Geheimnis des Erfolges heißt: freier Eintritt. Zwar gehen Tag für Tag 2500 Karten in den Verkauf. So sichert man sich einen Platz am Court. Aber die Anlage ist groß genug, dass auch derjenige, der gratis zuschaut, beste Sicht hat.

          Das Exklusive – wie im Tennis – sucht man hier vergebens, und das bekommt der Veranstaltung gut. Dass die Atmosphäre am vergangenen Wochenende einem Junggesellenabschied glich, was Lautstärke und Niveau anging, hat die Spielerinnen nicht gestört: „Besser laut als leise“, sagte Laura Ludwig. Alles bleibt friedlich bei diesem Familienfest mit Sportereignis.

          Hannes Jagerhofer hat diese Erlebniswelt für jede und jeden aufbauen lassen. Der Österreicher veranstaltet die Weltmeisterschaft zum zweiten Mal mit seiner Beach Majors GmbH. Jagerhofer arbeitet eng mit Frank Mackerodt zusammen. Die Hamburger Volleyball-Legende organisiert mit seiner Firma die deutsche Beachvolleyball-Serie und mischt am Rothenbaum kräftig mit. „Wir merken in den Sponsoring-Gesprächen, dass Beachvolleyball zieht“, sagt er. Am Donnerstag konnte Mackerodt stolz verkünden, dass der Hauptsponsor der WM, „Aldi Nord“, ab sofort auch die deutsche Tour mit ihrem Finale am 1. September in Timmendorfer Strand unterstützen wird. 800.000 Euro soll dem Discounter die WM in Hamburg wert sein – dafür sieht man den Schriftzug buchstäblich überall.

          Die Beachvolleyball-WM findet dort statt, wo in Hamburg eigentlich Tennis gespielt wird.

          Die Beachvolleyball-Vermarkter freuen sich, dass sich ein Unternehmen dieser Größe für ihren Sport entschieden hat, ist es doch dessen erstes Engagement im Sport überhaupt. „Beachvolleyball ist keine Hochglanzveranstaltung. Die Einfachheit dieser Sportart hat uns überzeugt“, sagt Kay Rüschoff, der Marketing-Geschäftsführer bei „Aldi Nord“. Beim Deutschen Volleyball-Verband erhofft man sich von diesem Geldgeber einen Schub für die ganze Sportart. Verbandspräsident René Hecht sagt am Donnerstag in seinem vorläufigen Fazit: „Toller Ort, super Feeling, ich kann nur sagen: Hamburg, Kompliment.“

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