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Beachvolleyball-WM : „Jetzt wollen wir eine Medaille“

Sehen schon fast wie Medaillengewinnerinnen aus: Katrin Holtwick (rechts) und Ilka Semmler Bild: dpa

Nur als viertbestes deutsches Duo zur Beachvolleyball-WM gefahren, gehören Katrin Holtwick und Ilka Semmler plötzlich zu den Besten der Welt. Im Halbfinale kommt es an diesem Freitag zum Duell gegen Brasilien.

          Das Video ist reichlich verwackelt, aber es zeigt die entscheidenden Szenen: den Matchball für Katrin Holtwick und Ilka Semmler im Viertelfinale der Beachvolleyball-WM gegen Lauren Fendrick und Brooke Sweat, den wuchtigen Schmetterschlag von Ilka Semmler, den vergeblichen Rettungsversuch auf der anderen Netzseite sowieso das anschließende Jubelgeschrei im Fanblock der Deutschen. Die beide routinierten Beachvolleyball-Spielerinnen, beide schon um die 30 Jahre alt, nominell nur als viertbestes deutsches Team bei dieser WM gestartet, gehören plötzlich zu den vier besten der ganzen Welt. „Halbfinale!!!“ mit drei Ausrufezeichen war ihr kurzer, aber treffender Kommentar dazu.

          Als ihr glatter 2:0-Sieg (21:18, 21:15) gesichert war, schnappten sich die beiden Beach-Profis zwei Deutschland-Fahnen und rockten noch einmal den Rotterdamer Center Court. „Ich kann es nicht fassen, ein geiles Spiel. Es läuft einfach“, sagte Ilka Semmler strahlend.

          „Matchplan von Null bis 100 aufgegangen“

          Mit ihrem beeindruckend souveränen Viertelfinal-Auftritt hatten die zweimaligen deutschen Meisterinnen nicht nur die Amerikanerinnen Lauren Fendrick und Brooke Sweat aus dem Sand geschlagen, sondern auch ihre starke Vorstellung der ganzen Woche unterstrichen. Die beiden ließen ihren Gegnerinnen, die in dem Match zu keinem Zeitpunkt auch nur mit einem Punkt in Führung lagen, keine Chance. 

          Ilka Semmler griff im Block entschlossen zu, Katrin Holtwick entschärfte gegnerische Angriffe mit starken Abwehraktionen. „Unser Matchplan ist kompromisslos von Null bis 100 aufgegangen“, schwärmte Trainer Tilo Backhaus gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

          Seit 2006 spielen sie zusammen, jetzt endlich stehen sie im Halbfinale der WM

          Somit blieben Holtwick/Semmler im sechsten Turnierspiel ungeschlagen und sogar weiterhin ohne jeden Satzverlust. Den Doppel-Spieltag am Donnerstag hatten die beiden mit einem umkämpften 2:0-Sieg (21:18, 24:22) im Achtelfinale gegen das russische Duo Jekaterina Birlowa und Jewgenija Ukulowa eingeläutet.

          Schon seit 2006 ein Team

          Bei ihrer vierten WM-Teilnahme haben sich die routinierten Essenerinnen nun nicht nur mindestens Platz vier gesichert, sondern auch 700 Weltranglistenpunkte und ein Preisgeld von 28.000 Dollar. Erfolgreicher waren die 31 Jahre alte Katrin Holtwick und die 29-Jährige Ilka Semmler noch nie. Und es ist ja durchaus noch mehr drin.

          Bereits seit 2006 sind die beiden Studentinnen ein sportliches Paar. Ihre bisher größten Erfolge waren das Erreichen der Achtelfinals bei den Olympischen Spielen 2012 in London und bei der WM 2011 in Rom. Erst im Vorjahr gewannen sie in Gstaad erstmals ein Grand-Slam-Turnier. Auf der Zielgeraden ihrer Karriere peilen sie nun noch einmal die Olympia-Teilnahme in Rio de Janeiro an.

          „Jetzt wollen wir auch eine Medaille“

          Das ist umso bemerkenswerter, da sie zuletzt eine Durststrecke durchleben mussten. Im internen Konkurrenzkampf der vier starken deutschen Damenteams, die sich um nur zwei Quotenplätze für Olympia streiten, waren Holtwick/Semmler von Rang eins auf vier abgerutscht. „Dabei haben wir keine schlechte Saison gespielt“, betonte Semmler.

          Die anderen drei Teams, Borger/Büthe, Laboureur/Sude und Ludwig/Walkenhorst, aber auch nicht. „Wir haben versucht, immer positiv zu bleiben und den Spaß zu behalten“, schilderte Holtwick die Situation.

          „So viele Weltmeisterschaften werden wir nicht mehr spielen“

          Natürlich geben die Spielerinnen immer an, jeweils nur auf sich zu schauen. Doch da die Konkurrentinnen bei der WM nun allesamt schon in der ersten K.o.-Runde ausschieden, erhalten Holtwick/Semmler im Quer-Vergleich nicht nur dank eigener Erfolge einen Schub in der Weltrangliste.

          Gegnerin im Halbfinale: Fernanda Alves

          Vor ihrem Halbfinale an diesem Freitag gegen die Brasilianerinnen Taiana Lima und Fernanda Alves (19.45 Uhr, live im Internet bei Sportdeutschland.tv) mussten Holtwick/Semmler nun ihren Umzug von Rotterdam nach Den Haag bewerkstelligen, wo die Finalspiele ausgetragen werden.

          Dabei sind neben dem deutschen noch drei Paare aus Brasilien im Wettbewerb: Die Weltranglistenersten Agatha Bednarczuk und Barbara Seixas de Freitas treffen im zweiten Vorschlussrundenspiel (20.45 Uhr, live bei Sportdeutschland.tv) auf Juliana Felisberta da Silva und Maria Antonelli (Nummer 5).

          „Wir fahren nicht nach Den Haag, um zwei Spiele zu verlieren“, kündigte Ilka Semmler selbstbewusst vor den deutsch-brasilianischen Festspielen an: „Natürlich wollen wir jetzt auch eine Medaille.“ Als Nummer 17 der Rangliste sind sie gegen die Nummer 31 auch nicht als chancenlos anzusehen. Und Katrin Holtwick ergänzte: „So viele Weltmeisterschaften werden wir nicht mehr spielen. Wir wollten es uns selbst beweisen, dass wir bei einer WM vorn mitspielen können.“

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